Studie zu Piraterie nicht negativ genug und von der EU-Kommission geheim gehalten

Offenbar hielt die EU-Kommission eine selbst in Auftrag gegebene Studie zum Thema Piraterie über mehrere Jahre versteckt, weil dessen Ergebnis "zu positiv" war und die Interessen der Urheberrechtsgesellschaften nicht zufriedenstellte.


Wie die Webseite Netzpolitik.org berichtet, hat die EU-Kommission im Jahr 2013 ein Unternehmen gesucht, welches eine Studie zu den Auswirkungen von Piraterie im Internet auf das Urheberrecht durchführt. Erhofft hatte man sich scheinbar, dass so mehr Gründe gefunden werden, um stärker gegen Urheberrechtsverletzungen vorzugehen und die Industrie dahinter zu unterstützen.

Im Gegensatz zu den Erwartungen der EU zeigte das Ergebnis allerdings, dass die vielen großen Firmen durch Filesharing und ähnliche Aktionen der Internet-Nutzer grundsätzlich nicht an Umsatz verlieren. Lediglich bei großen Blockbustern könnte es einen geringen Zusammenhang geben, wodurch das Ansehen illegaler Streams beim Verkaufsstart in den Kinos kurzzeitig zu einem Umsatzrückgang von ca. 5 Prozent führt. Das liege allerdings vor allem an den hohen Preisen für bekannte Spielfilme. Durch Streaming-Dienste wie Netflix, welche zuletzt stark an Beliebtheit gewonnen haben, dürfte dieser Effekt nochmals abgenommen haben.

Bei Games beispielsweise sei sogar ein positiver Zusammenhang erkennbar: Eine höhere illegale Nutzung von Spielen führe gleichzeitig zu einem Anstieg der legalen Nutzung, beispielsweise weil Nutzer nach dem Antesten der illegalen Version schließlich doch den Entwickler unterstützen möchten oder Freunden und Bekannten davon erzählen.

Das Gesamtergebnis war der EU in jedem Fall nicht negativ genug, um die Internet-Nutzer in einem schlechten Licht darstehen zu lassen. Aus diesem Grund wurde die schon 2015 abgeschlossene Studie für rund zwei Jahre versteckt gehalten. Lediglich durch die Anfrage einer EU-Abgeordneten gab die Kommission nun doch einen Einblick in den kompletten Inhalt frei. Weitere Informationen hierzu findet Ihr auf der Webseite von Netzpolitik.org.

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