Elektronik-Weihnachtsfest oder Technikmuffel?

Steht Elektronik ganz oben auf den weihnachtlichen Wunschzetteln oder wie sieht es 2010 bei den angeblich so konservativen deutschen Verbrauchern aus?


Quelle: Spiegel Online

Von der Wirtschaft veröffentlichten heißen Umsatzzahlen stehen oft Nachrichten gegenüber, nach denen eine ganz anderen Haltung vorherrscht: Innovative Unternehmen nehmen sich des deutschen Markts erst an, wenn ihre Produkte bereits weltweit gut laufen. Oder was im Rest der Welt ein Kassenschlager ist, wird hier zu Ladenhütern. Geschäftsfelder entwickeln sich hier oft deutlich langsamer als anderenorts, heißt es oft.

Handelt es sich hierbei um Legenden? Manches wird auch bereitwilliger angenommen als andernorts. Oder auch nicht jedem Trend wird hinterhergerannt.

Den Knall in 3D gehört?

Manche Innovation stellt sich auch selbst ein Bein. Verlage bremsen bei der Einführung von E-Books, während Musik und Film in Europa an der vertrackten Lizenzierungssituation knabbert.

Was ist aber nun des deutschen Kunden Begehr? Kommt im Weihnachtsgeschäft ein Verkaufsboom bei 3D-Fernsehern? Lassen Tablet-PC-Verkäufe den Umsatz mit Laptops und Netbooks einbrechen? Fliegen überall die Handys aus den Fenstern und Smartphones stürmen in die Hosentaschen? Dabei kommen die meisten Kaufentscheidungen aus relativ stabilen Grundeinstellungen und Nutzungsmustern hervor. Die Statistik ordnet TV-Konsum und die Internetnutzung zwar dem Alltag der meisten Bundesbürger zu, doch auch nimmt knapp ein Viertel der Bevölkerung beide Medien nur selten in Anspruch. Viele Nutzer sind mit einer zuverlässigen Basisausstattung zufrieden. Auf technische Innovationen lässt man sich nur mit Verzögerung ein.

Pragmatismus

Pragmatische Konstellationen haben großes Potential wenn es dem Preis zugute kommt. Sonst findet sich kaum eine Erklärung für den Siegeszug der kleinen Netbooks seit 2008. Offensichtlich muß nicht immer das teuerste, beste, innovativste Gerät angeschafft werden, sondern es reicht aus wenn ein Gerät gerade das kann, was davon erwartet wird.

Die Haltung bestätigt sich beim Blick auf das Thema Fernsehgerät. Rund 40 Prozent der Haushalte nutzen das klassische Fernsehgerät. Etwa 50 Prozent besitzen einen oder mehrere Flachbildfernseher. Darunter findet sich wiederum nur bei einem Viertel eine Erweiterung auf ein Home-Cinema-System mit Dolby Digital Surround.

Wenn's in der Tasche bimmelt

Weihnachtsgeschäft ist auch Handy-Geschäft, wobei wirkliche Handy-Novizen allerdings rar sind. Unter den 11- bis 13-jährigen haben 80 Prozent ein Handy in der Tasche, während in den weiteren Altersgruppen der unbe-handyte Anteil bei etwa fünf Prozent liegt.

Smartphones gewinnen an Bedeutung. Aber rund 50 Prozent nutzen traditionelle Handymodelle. Auch das iPhone ist ein reinen Zahlen nur eine Ausnahme. Nur jeder zwanzigste wischt über ein Apple-Display. Preisgünstige Geräte in dieser Ausrichtung haben aber beste Aussichten. Ein Großteil der Bundesbürger weiß die Vorteile eines Handys zu schätzen und ein Aufstieg auf ein moderneres Gerät scheint vielfach verlockend.

Medien-Klassiker

Technik hin oder her - durch alle Zielgruppen, ob TV-Fan oder Internet-Begeisterter, erfreuen sich immer noch auch gedruckte Seiten hoher Beliebtheit.

Ob sich die Erwartungen und Wünsche der Industrie, Verkäufer, Verschenkenden, Beschenkten oder auch Selbst-Beschenkenden so erfüllen wie gedacht wird - wie jedes Jahr - der Januar rücksichtslos aller Prognosen zeigen.

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