re:publica 2011: Berlin geht ins Netz

Seit gestern versammeln sich in Berlin wieder tausende Blogger und Internetinteressierte. Anlass bietet die diesjährige re:publica, die sich selbst als "eine der aufregendsten Konferenzen in Europa und die größte ihrer Art in Deutschland, welche sich rund um Blogs, soziale Medien und die digitale Gesellschaft dreht", beschreibt.


Die Konferenz darf sich vieler hochkarätiger Gäste erfreuen. Neben Mitchell Baker, der Vorsitzenden der Mozilla-Foundation, finden sich im Friedrichstadtpalast in Berlin auch Flattr-Gründer Peter Sunde, Ex-Wikileaks-Aktivist Daniel Domscheit-Berg und die GlobalVoices-Bloggerin Amira Al Hussaini aus Bahrain ein. 

Knapp 3000 Besucher werden sich drei Tage lang - noch bis zum 15. April - den Kopf über das Internet zerbrechen. Auch wir sind die vollen drei Tage vor Ort. 

Bevor wir tiefer in die Materie eindringen durften, ließen wir uns erst einmal von Nils Meinzer über das Internet berieseln. Wie sieht das Internet eigentlich aus? Spontane Assoziationen sind Spinnennetze, ein Hochwasser aus Informationen, eine Collage bestehend aus Bildern, Texten und Videos. Das "Internet-Mapping-Project" veranschaulicht die Unfähigkeit, das Internet in Begriffe oder Bilder zu verpacken, wohl recht gut. 

Ins Netz gehen will man als Nutzer des Internets vermutlich ausschließlich im positiven Sinne. Jörg Heidrich - Justiziar und Journalist - zeigte in seinem Vortrag "Wie die Contentindustrie das Internet verändert" aber auch die negativen Bedeutung auf. "Ins Netz gehen" im Sinne von "in die Falle tappen" wollen die wenigsten Internetnutzer. Gerade das sei aber der Fall, wenn ein WLAN-Netz betrieben würde - sei es nun offen oder geschütz. Das Haftungsrisiko für Betreiber eines WLAN-Netzes - insbesondere, wenn es ungeschützt ist - werde durch die deutsche Rechtsprechung enorm hoch. Denn für illegale Aktivitäten innerhalb des Netzwerkes hafte der Betreiber als Mitstörer. Ein solcher sei nach neuesten Erkenntnissen des Oberlandesgerichtes in Hamburg übrigens auch jeder One-Click-Hoster, der illegale Machenschaften nicht verhindert.

(Bildquelle: www.flickr.com)

Wie lange solche One-Click-Hoster im Zuge vereinfachter Abmahnungsverfahren noch bestehen können, scheint sowieso unklar. Heidrich berichtet über knapp 500.000 Abmahnungen im letzten Jahr. Dieses Jahr werden es voraussichtlich noch mehr. Der Umgang mit den Daten der Provider sei kritisch zu betrachten. 

Das Recht des schöpfendes Geistes soll durch diverse rechtliche Einschränkungen verbessert und gewahrt werden. Umfangreiche Kopierschutzmaßnahmen verbieten die Umgehung eines solchen Schutzes, solange er wirksam ist. Laut Heidrich reines Juristendenken, denn wie wirksam ist ein Kopierschutz, wenn er umgangen werden kann? 

(Bildquelle: www.flickr.com)

Über den visuellen Datenjournalismus am Beispiel der Parteispenden von 2002 bis 2011 - eine wirklich interessante Art der Darstellung von Daten - gelangten wir zu den jüngsten Erkenntnissen der Trollforschung. Wer sich darunter nichts vorstellen kann, dem sei der Blogpost von Sascha Lobo empfohlen. 

Wir sind gespannt, was die nächsten Tage bringen werden. Alles in allem mag die re:publica vielleicht nicht ganz unser Themengebiet sein, aber die Industrialisierung des Internets geht wohl auch an uns nicht spurlos vorbei. Die Trennung von Technik und Internet ist in vielen Fällen nicht mehr zeitgemäß. 

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