Epyc: AMD trägt den Prozessorkampf ins Server-Segment

Nach dem wir wissen, wie AMDs Epyc so tickt, ist natürlich die Leistung der neuen Prozessoren von wichtiger Bedeutung. Viele Kerne, noch mehr Threads, hohe Bandbreiten und eine hohe Anzahl an Leiterbahnen - die wichtigste Frage hier lautet aber: Wie schneiden die neuen Server-Chips von AMD im Vergleich zu den Produkten des Marktführers aus der Xeon-Serie ab?

Die konkrete Beantwortung dieser Frage ist zum aktuellen Zeitpunkt durchaus schwierig, da Intel neben den Broadwell-Xeons der v4-Serie auch noch bald Skylake-basierte Ableger releast. Natürlich kann man AMDs neue CPUs mit dem Vergleichen, was aktuell verfügbar ist. Doch es ist klar, dass Epyc gerade darauf aus, ist die aktuelle Xeon-Riege auszustechen und auch künftig konkurrenzfähig aufgestellt zu sein. Was AMD daher tut, um die Leistung der hauseigenen Produkte zu zeigen, ist es, die nach eigenen Angaben 50 meist genutzten Anwedungsszenarien im Pro-Segment auszuwählen und in Benchmarks gegen die Xeons von Intel antreten zu lassen. 

Zu sehen ist, wie AMDs schnellster Epyc-Chip eine durchschnittlich 47 Prozent höhere Integer-Leistung sowie etwa 75 Prozent mehr Floating-Point-Operationen darlegt als Intels bester Xeon v4-Chip, der E5-2699A. AMDs ausgewählter Epyc-Prozessor bringt 32 Kerne und 64 Thread ins Rennen, während Intel mit 22 und 44 respektive in der Hinsicht auch im Hinblick auf den reinen Zahlen das Nachsehen hat.

Ein weiterer Grund, warum Epyc durchaus sehr leistungsfähig ist, dürfte bei der Eight-Channel-Speicherunterstützung liegen. Hier ist besonders bei den Gleitkomma-Berechnung ein großer Sprung möglich, wo Intel bereits technisch gerade einmal über die Hälfte der Bandbreite verfügen kann. Nicht zu verachten ist, dass SPEC ein speziell optimierter Benchmark ist, von dem viele Kerne Profit schlagen. Hier macht AMD auch viel Boden gut und bietet beim Preis gesehen ein sehr gutes Verhältnis.

Wenn man die reine Leistungsfähigkeit zusammen mit dem Preis in Relation setzt, dann brüstet sich AMD mit der Führerschaft in diesem Argument über alle Leistungsstufen hinweg. Hier beträgt der Vorsprung laut eigenen Angaben rund 60 Prozent, wobei nicht einmal die zukunftsfähige Plattform mit der massiven Anzahl der Leiterbahnen und weitere Features berücksichtigt wurde. 

Was überhaupt mit Systemen ist, wenn ein einzelner Epyc gegen gleich zwei Xeons auf einer Platine konkurriert, zeigt AMD ebenfalls: Auch hier hat AMDs Produkt laut den Benchmarks des Hersteller die Nase vorn. Anzumerken ist, dass oftmals ein 2P-System Verwendung findet, um mehr PCI-Express-Lanes zu erhalten. AMDs Epyc bietet bereits ab Werk bei allen Modellen 128 Lanes.

Hohe Performance und topaktuelle Technik sind nicht alles, um im Pro-Segment zu bestehen. Die Software ist eine eigenständige Herausforderung, bei der AMD zugegebenermaßen das Nachsehen hat. Schließlich verfügen die Roten nicht über das finanzielle Polster wie Intel, wenn man besonders das Stichwort Optimierung ins Feld führt. Spannend wird daher auch zu sehen, wie AMDs Epyc von dem Servermarkt und den Entwicklern aufgenommen wird.

Fazit

Ohne Frage: Epyc ist einer der wichtigsten CPU-Neuvorstellungen seit Jahren. Mit Ryzen im Desktop-Segment ging man im Frühling in die richtige Richtung. Und die gleiche Richtung ist gerade im Server-Segment bitter nötig: AMD hat nämlich so gut wie keine Marktanteile im professionellen Bereich. Die meisten Schätzungen gehen von etwa gerade einmal zwei Prozent aus.

Die meist deutlich höheren Preise für Server-Prozessoren könnten sich für AMD als eine sehr wichtige Einnahmequelle entwickeln. Und wenn man quasi am Boden beginnt, dann kann es hier praktisch auch nur bergauf gehen. AMD wählt einen interessanten Ansatz, denn man umgeht das Problem mit dem Mono-Chip auf einem riesigen Die und vereint mehrere Teile auf einem Chip. Die Entscheidung scheint richtig zu sein: Eine höhere Ausbeute und dabei eine hohe Performance. Zen, die Basis hinter Epyc, wurde primär mit dem Server-Markt im Hinterkopf entwickelt.

Epyc hat das Potenzial dazu, im Intel-dominierten Umfeld mit einer massiven Anzahl an Kernen und mithilfe den MCM-Designs kostengünstig und in hoher Anzahl Kunden für sich zu gewinnen. Infinity Fabric sei dank kann ausserdem in Sachen Design eine Balance geschaffen werden, bei der die Anzahl der Leiterbahnen ebenso hoch ausfallen wie die gezeigte Leistung. Die Bandbreite is hoch, Eight-Channel-Support ist gegeben, die Energieeffizienz ist sehenswert  - Epyc ist eine gelungene Lösung auf allen Ebenen. 

Nichtsdestotrotz sehen wir Epyc etwas kritisch: Intel hat noch nicht die hauseigene neue Server-Generation präsentiert. Erwartet wird mehr von allem - bei Intel weiterhin mit einem Single-Chip-Design, das zwar weniger Ausbeute bedeutet, aber dafür Schwächen in der Architektur praktisch minimiert. Schließlich könnte sich AMDs Ansatz mit einem MCM-Design in manchen Aufgaben als Schwachstelle herausstellen. Beispielsweise sind SQL-Datenzentren nicht Numa-basiert; so ist es schwierig, Amazon mit dem Web Service aus dem eigenen Hause als Kunden zu gewinnen. Intel kann außerdem auf die Partnerschaften bauen, die der Hersteller in der Vergangenheit geschlossen hat - dieser Vorteil fehlt AMD derzeit. 

Und natürlich hat AMD eine Geschichte von Produkten aufzuweisen, die weniger Marktbeachtung bekommen haben, als sie verdienten. Das ist gerade eine Sache, bei der der Konkurrent Intel häufig voraus ist. Alles in allem bringt AMD endlich wieder frischen Wind ins Server-Segment und davon profitieren alle: Mehr Leistung, geringere Preise, neue Features. Das nimmt man gerne mit. Die Zukunft wird in dem Bereich wieder mal interessant!


Inhaltsverzeichnis

  1. Epyc: AMD trägt den Prozessorkampf ins Server-Segment
  2. Die Architektur
  3. Verbrauchsoptimierungen
  4. Die Leistung und Fazit

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