Computex 2019: AMD Ryzen 3000 mit bis zu 12 Kernen und erste Navi-GPU enthüllt

AMD legt nach: Auf der Computex 2019 zeigt der Chiphersteller seine neuesten Ryzen-CPUs mit bis zu 12 Kernen und mit bis zu 15 Prozent höherer IPC. Gleichzeitig soll Nvidias RTX-Serie Paroli geboten werden - den Anfang macht hier die RX 5700 aus der heiß erwarteten Navi-Generation.


Nachdem es Anfang dieses Jahres eine erste, vielversprechende Preview zu zweiten Zen-Generation gab, legt AMD anlässlich der Computex 2019 genauere Details zu seinen neuesten Prozessoren offen, die wie erwartet unter der Serie Ryzen 3000 vertrieben werden. Sie basieren auf der modernen 7nm-Architektur von TSMC, was wohl auch der Grund für den um 15 Prozent erhöhten IPC-Wert ist - erwartet hatte AMD eigentlich maximal zehn Prozent, wie Dr. Lisa Su stolz betont hat. Am IPC-Wert lässt sich grob die Zahl der ausgeführten Befehle pro Taktzyklus und damit auch die Leistungsfähigkeit pro Prozessorkern ablesen.


Wie CEO Lisa Su vorab anmerkte, sind auch die neuen Prozessoren mit bestehenden AM4-Mainboards kompatibel - davon kann sich Intel sicherlich eine Scheibe abschneiden. Doch wichtiger ist die Frage: Was bieten die neuen Ryzen-CPUs und was werden sie kosten?

Künftig wird es neben Ryzen 3, 5 und 7 mit dem Ryzen 9 eine weitere "Klasse" von Zen-Prozessoren geben, analog zu Intels Core i3-, i5-, i7- und i9-Serie. Der Ryzen 9 3900X wird dabei (vorerst) das neue Topmodell der AM4-Plattform werden. Er besitzt 12 Kerne (24 Threads), taktet in der Basis mit 3,8 GHz beziehungsweise 4,6 GHz im Boost und bringt einen Cache von 70 MB bei einer TDP von 105 Watt mit - eine Kampfansage. Er wird ab dem 7. Juli zum Preis von 499 US-Dollar an den Start gehen und könnte Intel gehörig unter Druck setzen.

In einem Vergleich mit Intels i9 9920X - der mehr als 1000 US-Dollar kostet und ebenfalls 12 Kerne und 24 Threads bietet  - rechnete der Ryzen 9 in einer von AMD gezeigten Demo rund 18 Prozent schneller. Der Hersteller treibt also die Kernzanzahl in der Mittelklasse abermals nach oben und will nichts geringeres als das beste Paket für PC-Spieler schnüren. Oft ist auch das Stichwort "Gaming" gefallen. Die Entwicklung der neuen Prozessor-Generation wurde insbesondere mit Fokus auf Gaming vorangetrieben, da man bislang nicht ganz an die Konkurrenz anknüpfen konnte. Am Ende scheut man nicht einmal den Vergleich von Midrange-Plattform gegen HEDT (Intel Core i9-9920) - AMD ist zuversichtlich, dass man ein rundum solides Produkt auf einer zukunftsträchtigen Plattform abliefert.


Darunter ordenen sich der Ryzen 7 3800X und Ryzen 7 3700X ein. Letzteren Prozessor hat AMD in einem Benchmark-Vergleich gegen den Intel i7 9700K antreten lassen, wo er mit 4806 Punkten im Cinebench deutlich schneller war als der i7 mit 3726 Punkten. Vorteilheift für den 3700X ist sicherlich die doppelt so hohe Thread-Zahl, da die acht Kerne insgesamt 16 Threads bearbeiten können, während die acht Kerne im i7 9700K nur maximal acht Threads bearbeiten. Dennoch verbraucht der 3700X mit 65 Watt bedeutend weniger Strom als der Gegenspieler von Intel und kostet mit 329 US-Dollar auch noch erheblich weniger. Ausgehend von diesen Informationen muss Intel bei der nächsten CPU-Generation deutlich nachlegen, um wieder zu AMD aufzuschließen. Allerdings werden erst unabhängige Testberichte zeigen, ob AMD nicht doch zu viel versprochen hat.

In der Mittelklasse gibt es mit dem Ryzen 5 3600X und Ryzen 5 3600 wie erwartet zwei Modelle, von denen ersteres mit 3,8 Ghz (Base) und 4,4 Ghz (Boost) genau 200 Mhz höher taktet als der 3600. Die Zahl an Kernen und Threads ist mit 6 und 12 indes identisch, ebenso der 32MB große Cache. Wegen des höheren Takts verbraucht der 3600X aber 95 Watt und damit 30 Watt mehr, außerdem kostet er 249 US-Dollar anstelle von 199 US-Dollar für den 3600.


Bezüglich des neuen X570-Chipsatzes gibt es erneut einige neues Features, die es auf vorherigen AM4-Mainboards nicht gibt. Dazu zählt beispielsweise die Unterstützung für PCIe-Gen4, womit X570 die erste Mainstream-Plattform wäre, welche auf diesen neuen PCIe-Standard setzt. Wichtig ist aber, dass zumindest theoretisch die neuen Prozessoren auf älteren Platinen mit dem passenden Sockel laufen, sofern vorher ein entsprechendes BIOS-Update angeboten wird. Doch wie es scheint, ist in diesem Punkt Vorsicht geboten, denn speziell die älteren CPUs könnten am Ende doch Probleme mit den brandneuen Mainboards bekommen.

Dass AMD mit seinen neuen Ryzen-Prozessoren einen souveränen Auftritt zeigte, steht außer Frage. Schwieriger scheint es an der anderen Front zu laufen - nämlich im Grafikkartenmarkt, wo Nvidia mit seiner aktuellen Turing-Architektur das Oberklasse-Segment anführt. Hier will AMD bald mit der Radeon RX 5000 Serie kontern, welche auf der Navi-Architektur basiert und ebenfalls im 7nm-Verfahren gefertigt wird.


Auf der AMD-Veranstaltung gab es mit der RX 5700 ein erstes Modell zu sehen, welches in einer Demo gegen die Nvidia RTX 2070 antritt und dort eine bis 10 Prozent höhere Performance vorzeigen konnte. Viel mehr gab es zu diesem Zeitpunkt aber nicht zu sehen. Nachlegen will AMD erst auf der E3 2019, die in rund zwei Wochen startet. Ist AMD mit Navi etwa noch nicht so weit wie man erwarten würde, oder hält sich der Hersteller bewusst zurück, um demnächst auf spektakuläre Weise seine RTX-Konkurrenten zu präsentieren? Spätestens Mitte Juni werden wir diesbezüglich mehr erfahren.

Quelle: WCCFTech (2)

Karim Ammour

Datum:
27.05.2019 | 14:30
Rubrik:
prozessoren
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