Ice Lake für Notebooks bringt 18 Prozent mehr IPC sowie stark verbesserte iGPU

Die ersten 10nm-Prozessoren von Intel lassen auf sich warten - zumindest im Desktop-Bereich. Denn für Notebooks hat Intel im Rahmen der Computex 2019 erste Chips auf Basis der 10nm-Architektur Ice Lake vorgestellt. Man verspricht nicht weniger als den größten IPC-Sprung der letzten Jahre, was auch auf die integrierte GPU zutrifft. Ganz ohne Kompromisse geht dieses Versprechen allerdings nicht einher.


Intel will mit Ice Lake einen riesigen Sprung bei seiner Fertigungstechnik für Mobil-Prozessoren machen. Das macht auch Sinn: Die aktuellen CPUs dieser Art basieren auf der Skylake-Architektur, die mit einem Alter von vier Jahren inzwischen etwas angestaubt wirkt. Es wird Zeit für was Neues und mit Ice Lake hat Intel eine neue Chipbasis in der Hinterhand. Details hat der Konzern nun im Rahmen der Computex 2019 bekanntgegeben, doch so wirklich umfassend ist Intel nicht auf brennende Fragen von Interessenten eingegangen. Wichtig zu wissen ist, dass mit Cannon Lake ein häufig erwähnter Zwischenschritt komplett wegfällt - jetzt wird es nämlich nur Ice Lake als erste massenverfügbare CPU für Next-Gen-Notebooks richten.


Intel erhofft sich nicht weniger als eine Revolution mit Ice Lake und spricht in diesem Zusammenhang von massiven Leistungssteigerungen. Im gleichen Atemzug bringt der Hersteller die ikonische Nehalem- sowie Merom und Conroe-Architektur ins Gespräch. Auf ersterer basieren teils auch noch die heutigen Desktop-CPUs. Anders als AMD wird Intel zum Start den Mobil-Sektor ins Auge fassen und so den Fokus voll und ganz auf Next-Gen-CPUs mit stark verbesserter 10nm-Architektur setzen. Mit Sunny Cove soll der Grundstein gelegt werden, auf der dann die Prozessoren der nächsten Jahre aufbauen. Ausgebaut wird unter anderem der L1-Cache um 50 Prozent auf 48 KB, der L2-Cache wird sogar doppelt so groß dimensioniert sein. Das AVX-512-Set bringt Ice Lake nun mit - zuvor war es lediglich den Server-Chips vorbehalten. Der Deep-Learning-Boost soll zudem insbesondere in bei der Verschlüsselung und Verarbeitung von AI-Daten eine deutliche Steigerung der Performance ermöglichen. Intel verspricht hier bis zu 75 Prozent Plus gegenüber der Vorgängergeneration.


Deutlich höhere IPC lässt die CPU-Taktraten stark sinken

Viel einfacher sind hingegen die Daten zur Performance zu bewerten. Im Schnitt aus den Punktzahlen der genutzten Benchmarks (SPEC 2016, SPEC 2017, CinebenchR15 und Co.) will Intel eine um 18 Prozent erhöhte IPC (Instructions per Clock) sehen - gegenüber der Skylake-Architektur versteht sich. In ausgewählten Szenarien fällt der Leistungsvorsprung noch größer aus, vereinzelt aber ist ein nicht ganz so großer Sprung zu sehen. Der direkte Vergleich zu AMD ist allerdings zum Start der jeweils beiden Plattformen, respektive Architekturen nicht möglich. AMD wird vermutlich erst nächstes Jahr die nächste Zen-Generation fürs Notebook bringen. Spannend wird der Showdown auf jeden Fall - schließlich versprechen die Hersteller immer mehr Leistung bei geringerem Verbrauch. Es liegt der Fokus also klar auf der Effizienz, was Intel eindrucksvoll zeigt.


Denn dank 10nm sind hohe Taktraten nicht mehr nötig. Ice Lake-CPUs takten vorerst mit maximal 3,9 GHz, wohingegen der unmittelbare Vorgänger Whiskey Lake-U auf bis zu 4,8 GHz aufdrehen kann. Hier wird eindrucksvoll gezeigt, dass Intel mit der immer feiner abgestimmten 14nm-Fertigung die Taktraten hochgetrieben hat, um die Leistung bereitzustellen. Bei Ice Lake genügt schon deutlich weniger Takt und selbst da liegt Intel - wenn auch nur knapp - mit fünf Prozent vor der direkt vorausgegangenen Mobil-CPU-Generation. Viele Fragen bleiben aber noch offen: Welche Taktraten im Detail zu welcher Zeit angelegt werden, hat Intel nicht genannt. Das wäre durchaus von Bedeutung, da aufgrund des deutlich geringeren Taktspielraums die propagierte Leistung womöglich gar nicht erreicht werden kann. Immerhin: Auch schnellerer RAM soll Ice Lake unterstützen, denn der Speichercontroller schafft künftig bis zu DDR4-3200 - ein riesiger Sprung, wenn man den Vorgänger Whiskey Lake-U zum Vergleich heranzieht. Hier sind bei DDR4 offiziell DDR-2400 drin.


Anschlussseitig bieten Geräte mit Ice Lake-Prozessoren als Rechenherz natürlich modernste Schnittstellen. Thunderbolt 3 etwa fasst Intel direkt in die CPU, die Bildsignale wandern also direkt in die iGPU, wo die Signalverarbeitung stattfindet. Das spart Energie und Zusatz-Chips: Intel hat bislang 7 Watt TDP nur für Thunderbolt vorgesehen - das ist Geschichte. Ebenso stehen den OEMs aufgrund des ab Werk in die CPU integrierten Ports mehr PCIe-Lanes zur Verfügung, was etwa schnelleren Datenträgern zugute kommt.

Neue iGPU ist erheblich schneller - Intel verspricht bis zu 80 Prozent mehr Leistung

Auf die neue Gen11-GPU ist Intel besonders stolz. In der höchsten Ausbaustufe bringt die iGPU 64 EUs, was laut Intel eine um 1,8-fach höhere FPS-Rate ermöglicht. So wirklich viel kann man mit der Angabe allerdings nicht anfangen. Interessant ist daher, wie es bei den Taktraten aussieht, wobei da eher ein Rückschritt geschieht: Der Turbo sinkt auf höchstens 1,1 GHz, die gesteigerte Rohleistung aber macht diesem Umstand mehr als Wett - als Zahl sind hier 1.12 TFLOPs gefallen. Zum Vergleich: Die XBox One hat eine Leistung von knapp 1.3 TFLOPs, Nvidias Einsteiger-GPUs kommen auf maximal 1.17 TFLOPs im Falle der MX150. Rein theoretisch macht Intel also die kleinsten Mobil-GPUs mit der stark verbesserten, leistungsfähigeren Grafikeinheit obsolet. Doch ob dem wirklich so ist, müssten unabhängige Tests zeigen. In der Vorstellung hat Intel einige Spiele gezeigt, die die integrierte GPU ohne Probleme abspielen konnte.


Natürlich gibt es aber bei Ice Lake-CPUs Abstufungen bei der iGPU: Nicht alle Prozessoren kommen mit der stärksten Grafikeinheit in Form der Iris Plus, denn weiterhin wird es Modelle mit altbekannter UHD-Bezeichnung geben. Außerdem praxisrelevant: Es werden künftig von der Iris Plus bis zu drei 4K-Monitore unterstützt. Zudem soll der duale HEVC-Encoder eine 30 Prozent bessere Qualität liefern und sogar bis hin zu 8K Ultra HD und HDR10 mitsamt Dolby Vision-Unterstützung daherkommen. Falls einem 4K-Monitore mit 120Hz nicht genug sind: Auch 5K-Monitore mit 60 Hz können mit der iGPU korrekt adressiert werden.


Neuer Chipsatz, neues Wlan, verschiedene TDP-Stufen zum Start

Die neuen Intel-Mobilprozessoren bekommen allesamt einen neuen 14nm-Chipsatz spendiert, zudem hält mit WiFi 6 die aktuellste und schnellste WLAN-Iteration Einzug in Geräte auf Basis von Intel Ice Lake. Intel unterteil die Ice Lake-Chips in drei TDP-Stufen: 9W, 15W sowie 28W, womit OEMs das optimale Package für die Geräte auswählen können. Der maximale Turbotakt beträgt im besten Fall 4,1 Gigahertz, erhältlich sind die CPUs mit maximal 4 Kernen / 8 Threads, unterstützt wird fortan ausschließlich Speicher vom Schlage LPDDR4, respektive DDR4 . Erste Geräte mit den neuen Prozessoren sollen von den diversen Partnern in Kürze vorgestellt werden.



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