Test: 1MORE Triple Driver Over Ear H1707 im Test

Der noch relativ unbekannte Audio-Anbieter aus den Staaten 1MORE versucht es als quasi Newcomer auch im Geschäft der Over-Ear-Kopfhörer. Mit dem H1707 Triple-Driver-Kopfhörern will man Qualität und Sound zu einem fairen Preispunkt vereinen, damit stößt man im heutigen Markt allerdings auf harte Konkurrenz. Ob der Neueinsteiger aus dem Pool der bewährten Marken wie Bose, Sennheiser und co. herausstechen kann, zeigt sich im Test.


Der Markt der Kopfhörer - überfüllt und hart umkämpft. Kleinere Marken und Neueinsteiger haben hier kaum eine Chance, sich über Wasser zu halten. Genauso ergeht es auch 1MORE, der als Neuling in der Branche einen Stück vom Kuchen haben möchte. Dabei lohnt es sich auch mal die Geräte der kleinen Hersteller anzuschauen, so wie auch in diesem Fall. 1More hat mit dem H1707 einen durchaus interessanten Kopfhörer im Angebot, der viel bietet, aber einen vergleichsweise fairen Preis haben soll.

Der 1More Triple Driver Over-Ear Kopfhörer, der Name verrät es schon, beherbergt jeweils drei Treiber in beiden Ohrmuscheln. Die Kombination aus einem Titan-Treiber, einem Keramik-Hochtöner und einer passiven Bass-Membran soll erstklassigen Sound bieten. Auch die Materialwahl und die Verarbeitung sollen das Premium-Feeling verstärken. Ob das in der Praxis zutrifft, lest ihr in den folgenden Zeilen.

Lieferumfang, Verarbeitung und Design

Den allerersten Eindruck macht nicht das Gerät selbst, sondern die Kartonage. Und die weiß hier zu gefallen, denn selbst das Design der Verpackung ist schon eine Klasse für sich. Eine schwarze Schatulle mit aufgedrucktem Produktbild und technischen Informationen umhüllt eine Box, die mit einem Magnetverschluss gesichert ist. In der soliden und hübschen "Schatzkiste" findet sich zunächst die Aufbewahrungsschale für unterwegs, in der sich wiederum die Kopfhörer selbst befinden. Zum weiteren Lieferumfang gehören noch das 1,35-Meter lange Anschlusskabel, ein 6,3-mm-Adapter und ein Aufbewahrungsbeutel. Zum Papierkram bekommt man auch einen 1MORE-Sticker.

Kommen wir von Lieferumfang zum nächsten positiven Aspekt: Die Verarbeitung. Der Materialmix besteht aus Kunstleder, Metall und Kunststoff, wobei vor allem das viele Metall einen guten Gesamteindruck von sich gibt. Hauptträger ist Aluminium, woraus vorwiegend das Kopfband, die Ohrmuschel und die Ohrmuschelabdeckung bestehen. Das wenige Kunststoff ist wertig und absolut sauber verarbeitet. Zusammengefasst ist die Verarbeitung auf einem hohen Niveau und lässt wenig Platz für Kritik.

Das Design ist beim H1707 recht ungewöhnlich. Das Hauptaugenmerk liegt hier auf der sichtbaren Bass-Membran, die von einer durchsichtigen Kunststoffschicht geschützt wird. Darüber liegt ein Konstrukt aus eloxiertem Aluminium, was auch genauso gut eine Autofelge sein könnte. Die Ohrmuscheln selbst werden komplett von geriffeltem Aluminium umrahmt, in diesem Fall in Silber. Die Kopfhörer sind auch in der Farbrichtung Gold erhältlich.

Das Kopfband mit silbernen Akzenten ist genau wie die Ohrpads in schwarzes Kunstleder umhüllt. Ansonsten sind auch die restlichen Teile in matt-/schwarz gehalten. Knöpfe findet man vergebens, da die Kopfhörer kabelgebunden sind. Lediglich jeweils ein 2,5-mm-Eingang findet sich an beiden Ohrmuscheln, farblich gekennzeichnet für eine einfache Zuordnung der beiden Stecker. 1More wagt beim Design etwas, und geht damit nicht die altbewährte Schiene. Uns gefällt das "Autofelgen"-Design ganz gut, auch die Offenbarung der passiven Bassreflex-Membran ist durchaus interessant. Doch wie sagt man so schön, das Design ist Geschmackssache und ob es einem gefällt, bleibt am Ende jedem selbst überlassen.

Ausstattung und Technik

Hauptmerkmal der H1707 dürften die beworbenen Triple-Driver sein. Beide Ohrmuscheln besitzen folglich drei hintereinander angeordnete Treibereinheiten, die jeweils unterschiedliche Frequenz-Bereiche übernehmen. Der Name ist hier aber nicht volles Programm, denn nur zwei Treiber sind aktiv, die dritte Einheit bildet die passive Bassmembran.

Der genaue Treiber-Aufbau:

Den Anfang macht ein kleiner "Piezo Keramic Treiber", der Hochtöner ist für Frequenzen von bis zu 40kHz zuständig. Dahinter verbirgt sich dann ein dynamischer 40-mm-"Graphene"-Treiber, welcher als Mittel-/Tieftöner agiert. Das Schlusslicht bildet der passive Bass-Reflektor. Die drei Einheiten sind wie bereits erwähnt hintereinander angeordnet, damit die Unterbringung keine Probleme bezüglich der Größe mit sich bringt.

Der Vorteil bei dieser Technik ist natürlich ein detailgetreuerer und qualitativer Sound - So zumindest die Theorie. Man könnte allerdings annehmen, dass durch Interferenzen zwischen den Treibern akustische Nachteile auftreten können. Spätestens beim Klangtest wird es sich schon zeigen. Am Ende ist es auch immer eine Sache des Marketings, denn drei Treiber hören sich natürlich besser an als "nur" Einer.

Die Impedanz der Kopfhörer ist angegeben mit 32 Ohm angegeben und dürfte damit für eine ausreichende Lautstärke ausreichen. Die Sensitivität liegt bei maximal 104 dB und der gesamte Frequenzbereich bei 20 - 40.000 Hz. Das austauschbare Kabel besteht aus sauerstofffreiem Kupfer, die Stecker sind vergoldet und aus Metall gefertigt. Was am Kabel stört, ist die Y-Teilung, sodass es an beide Ohrmuscheln angesteckt werden muss.

Technische Informationen im Überblick:

Spezifikationen
Name:1MORE Triple Driver Over-Ear Headphones H1707
Typ:Over-Ear Kopfhörer
Gewicht:293 Gramm
Kabel:austauschbar, sauerstofffreies Kupfer, 1,35m lang, vergoldete Stecker
Impedanz:32 Ohm
Sensitivität:104 dB
Frequenzbereich:20 - 40.000 Hz
Maximale Leistung:

50 mW

Praxistest und Klang

Beim ersten Auspacken ist einem natürlich die gute Verarbeitung und Wertigkeit aufgefallen. Bei einem Produkt von einem noch recht unbekannten Hersteller geht man natürlich ganz anders an die Sache heran, als bei Markenherstellern, von denen man ein hohes Niveau gewohnt ist. Aber 1MORE überrascht uns hier sehr positiv, denn man hat es hier nicht mit einem 0815-China-Gerät zu tun, sondern bekommt ein qualitativ hochwertiges Paar Kopfhörer serviert.

Die Polster und das Kopfband sind ziemlich weich, was das Tragen sehr bequem macht. Auch eine längere Benutzung war kein Problem, wenn es mal gedrückt hat, hat ein kurzen Ab- und wieder Aufsetzen bereits geholfen. Der Anpressdruck und das Gewicht sind ein Mittelding, hier ist der persönliche Geschmack gefragt. Wir fanden den Druck in Ordnung, auch das Gewicht ging klar, wobei bei Kopfhörern natürlich das Motto gilt: Je leichter, desto besto besser.

Was ein Problem darstellen könnte, sind die kleinen Ohrpolster. Der Autor dieser Zeilen hat im Vergleich recht kleine Ohren, daher gab es keine Komplikationen. Bei Menschen mit größeren Ohren könnten die kleinen Ohrpolster nervig werden, allerdings dürfte das Problem nicht allzu groß sein, da das Kunstleder sehr weich ist. Am Ende muss man es eben selbst austesten und probieren, denn ein Nachteil bleibt bestehen: Die Ohrpads sind nicht austauschbar.

Aufgrund der relativ kleinen Ohrpolster und der auch sonst filigranen Bauweise sind die H1707 für uns keine wirklichen Over-Ear-Kopfhörer, aber auch keine On-Ear. Es liegt irgendwo dazwischen. Ein Grund dafür ist wohl die gewünschte Portabilität, denn die Kopfhörer lassen sich falten und sind dadurch gut zum Reisen geeignet. Eine Sache, die uns bei großen Over-Ear Kopfhörern stört ist eben die Größe, wohingegen die 1MORE H1707 vergleichsweise klein ausfallen.

Insgesamt resultieren die nicht allzu große, aber angenehm weiche Polsterung und recht normale Anpressdruck sowie das moderate Gewicht in einem guten Tragekomfort. Auch nach längerem Tragen bleiben die Kopfhörer angenehm. Perfekt ist der Komfort allerdings nicht, es gibt immer Verbesserungspotenzial. Beispielsweise kann man die Kopfhörer durchaus ein wenig leichter gestalten, denn sie sind immer noch kabelgebunden und kommen somit ohne einen schweren Akku oder Batterien aus.

Apropos Kabelgebunden. Das Kabel der Kophörer teilt sich bei einem Y-Splitter und läuft in beide Ohrmuscheln. Das hat bei Benutzung teilweise sehr gestört, vor allem Unterwegs hat das Kabelgewirr oft genervt. Ein Vorteil bleibt allerdings, denn dadurch wird die Gefahr eines Kabelbruchs im Bügelbereich minimiert. Die Kopfhörer bieten nicht nur kein Bluetooth, auch auf eine Active-Noise-Cancelling-Funktion wurde verzichtet. Allerdings schirmen die Kopfhörer in beide Richtungen schon auch ohne ANC sehr gut ab, was uns sehr überraschte.

Der Klang:

Bei der Bewertung der Soundqualität bewegen wir uns immer im Bereich des Subjektiven. Jedoch lässt sich beim H1707 sagen, dass der Klang die normalen Erwartungen übertrifft. Vor allem der Bass hat es uns angetan, er ist präsent ohne die Überhand zu nehmen und bietet zudem ausreichend Schlagkraft.

Die Höhen und Mitten überzeugen durch Klarheit. Beide Klangbereiche sind detailreich und werden sauber wiedergegeben. Bei Liedern, die die Höhen ausreizen, zeigen sich allerdings auch die Grenzen. Beispielsweise bei HiHats merkt man es deutlich, denn die klingen stellenweise blechern und künstlich. Die Mitten sind immer präsent und werden durchweg authentisch wiedergegeben.

Die größte Stärke liegt im tiefen Frequenzbereich. Der Bass hat ordentlich Durchschlagskraft und meistert auch durchgängige und kräftige Bass-Passagen problemlos. Die Qualität ist soweit sehr gut, man merkt dem H1707 nur ganz selten an, dass es sich hier nicht um absolute Oberklasse Kopfhörer handelt.

Die Klangbühne ist relativ gut, eine Trennung verschiedener Instrumente ist gut möglich und auch die Lokalisation geht in Ordnung. Das ist beispielsweise von Vorteil, wenn man die Kopfhörer auch mal zum Zocken benutzen möchte. Die Isolation ist wie bereits erwähnt recht gut. Wer darauf aber besonderen Wert legt, ist mit ANC-Kopfhörern (Active Noise Cancelling) aber besser bedient.

1MORE wirbt außerdem damit, dass der Grammy-Gewinner und Sound-Ingenieur Luca Brignardi die Feinabstimmung der H1707 übernommen hat. Ob der gute Sound jetzt Brignardi allein geschuldet ist, wissen wir nicht. Jedoch lässt sich zusammenfassend sagen, dass das Klangbild der H1707 gut bis sehr gut ist und vor allem Hörer von Basslastiger Musik ihre Freude haben werden.

Fazit

Der Neuling im Audio-Business 1MORE kann mit seinen Triple Driver Over-Ear Kopfhörern von Anfang an überzeugen. Die H1707 bieten eine hohe Qualität, guten Tragekomfort und einen überzeugendes Klangbild. Auch Unterwegs und in lauter Umgebung kann man dank der ausreichenden Lautstärke angenehm Musik hören, trotz fehlendem ANC.

Für die 1MORE H1707 sprechen die überaus gute Verarbeitung und Materialwahl. Die Kopfhörer machen einen durchweg hochwertigen Eindruck und lassen sich zudem auch einfach in der praktischen Reisebox mitnehmen. Auch die Soundqualität überzeugt, vor allem der Bass hat es uns angetan.

Gegen die 1MORE H1707 sprechen vor allem die zu kleinen und nicht abnehmbaren Ohrmuscheln. Klanglich sind die Höhen teilweise etwas ruppig. Des Weiteren war auch das Kabel durch die Y-Teilung störend.

Angefangen bei der exzellenten Verpackung, über die durchweg gute Verarbeitung und Materialwahl bis hin zum sehr guten Klangbild macht 1MORE mit dem H1707 vieles richtig. Der derzeitige Preis von ca. 190 EUR (Amazon, Stand 31.08.2018) ist deshalb absolut angemessen. In Anbetracht dessen, was 1MORE mit dem H1707 bietet, brauch man sich definitiv nicht vor der Konkurrenz verstecken. Aus diesem Grund hat sich der "Triple Driver Over-Ear"-Kopfhörer unsere Redaktionsempfehlung verdient (Eventuell sollte 1MORE ihre Namensgebung nochmal überdenken ;).

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