Razer Huntsman Gaming Tastatur im Test

Wer schon immer mal eine Tastatur mit optomechanischen Infrarot-Switches haben möchte, für den hat Razer nun etwas parat. Der amerikanische Hersteller möchte einmal mehr den High-End-Bereich der Gaming-Tastaturen aufmischen und schickte daher die Huntsman und Huntsman Elite auf den Markt. Die neuen Modelle sind speziell aufs Gaming ausgelegt und sollen unter Anderem mit hoher Qualität und Ausstattung überzeugen. Ob das gelingt und wie sich die Huntsman sonst behauptet, zeigt sich im Test.


Razer ist bekannt für Peripherie, die sich immer wieder von der Masse abheben kann. Auch mit dem neuesten Tastatur-Ableger Huntsman ist das wieder der Fall. Der Peripherie-Hersteller verzichtet auf langweilige Green-Switches und setzt stattdessen auf sogenannte optomechanische Switches, die auf Infrarot-Technik basieren.

Technische Informationen
TastaturRazer Huntsman
SwitchesRazer Opto-Mechanical™-Schalter
Auslösekraft45 Gramm
Lebensdauer100 Millionen Tastenanschläge
BeleuchtungRazer Chroma-Perkey-Hintergrundbeleuchtung
SpeicherOnboard Hybrid-Speicher (Bis zu 5 Profile)
MakroKeine Extratasten, Voll programmierbare Tasten
mit On-the-fly-Makro-Aufzeichnung
Weitere Features10-Tasten-Rollover mit Anti-Ghosting, 1000-Hz-Ultrapolling,
Gaming-Modus-Option, Geflochtenes USB-Kabel
BesonderheitenMatte Aluminium-Abdeckung
SoftwareUnterstützung für Razer Synapse 3

Alles Andere soll aber natürlich typisch Razer sein, dazu gehört auch das Design und die Qualität. Wir haben zum Test die normale Variante ohne "Elite" zur Verfügung gestellt bekommen. Wie sich die Huntsman im Test schlägt, lest ihr im Folgenden. Eine Sache schonmal vorab: Es wird laut.

Lieferumfang, Verarbeitung und Design

Was es so zum Standard-Ausführung der Razer Huntsman gibt? Die Huntsman selbst, Anleitungen und die Razer-Sticker. Etwas spartanisch für eine Tastatur der Oberklasse. Für Zubehör wie eine Handballenauflage muss man wohl tiefer in die Tasche greifen, denn die bleibt der Elite-Version vorbehalten. Auch anderes Zubehör wie beispielsweise extra Tastenkappen findet man vergeblich.

Bei der Verarbeitung der Huntsman hat man wiederum alles richtig gemacht. Wie von Razer gewohnt ist auch der neueste Ableger wieder absolut solide verarbeitet und weist so gut wie keine Mängel auf. Das Kunststoffgehäuse ist stabil, die Tastenkappen fühlen sich sehr gut an und die Aluminiumplatte rundet das hochwertige Gesamtbild ab.

Die Huntsman ist farblich komplett in matt-schwarz gehalten, was gut aussieht. Auch das Design an sich ist einfach und schlicht, was einem gefallen kann, aber nicht muss. Uns jedenfalls gefällt das Äußere der Huntsman auf jeden Fall. Der Tastatur-Font ist Razer-Typisch, also nichts Neues. Die Leuchten (Bspw. für CAPS-Lock) befinden sich nicht wie gewohnt oben rechts, sondern liegen bei der Huntsman direkt über den Pfeiltasten.

Ausstattung und Technik

Kommen wir zu den technischen Aspekten der Tastatur. Die Hunstman ist eine Full-Size-Tastatur mit Nummernblock, allerdings kommt sie gänzlich ohne irgendwelche Sondertasten aus. Zu den normalen Features gehört 10-Tastem-Rollover mit Anti-Ghosting, 1000-Hz-Ultrapolling und voll programmierbare Makros mit On-the-fly-Makro-Aufzeichnung. Außerdem hat man einen integrierten Hybrid-Speicher mit bis zu fünf Profilen und eine Gaming-Modus-Option.

Die Schalter:

Razer hat der Huntsman eigens entwickelte Optomechanische Schalter spendiert. Diese sind keine gewöhnlichen mechanischen Schalter sondern kommen mit Infrarot-Technologie. In der Null-Stellung ist der Infrarotstrahl blockiert. Drückt man eine Taste, so verschiebt sich der Stempel der Taste und der Infrarotstrahl kann durch eine Öffnung auf einen Rezeptor treffen. Die Auslösung geht laut Razer ca. 30 Prozent schneller als bei herkömmlichen mechanischen Schaltern vonstatten.

Der Auslöseweg ist mit 1,5 mm sehr kurz, was beim Tippen auch direkt auffällt. Auch im Vergleich mit anderen Schaltern scheint das relativ wenig zu sein, jedoch unterbieten Cherrys Topmodell-Schalter MX Speed Silver sogar Razers Optomechanischen Schalter mit nur 1,2 mm. Den gesamten Hubweg hat Razer nicht preisgegeben, der sollte aber bei etwa 3 mm liegen. Da die Schalter durch die Infrarot-Technik eine geringe mechanische Abnutzung haben, ist die Lebensdauer entsprechend hoch. Razer gibt eine Haltbarkeit von 100 Millionen Tastenanschlägen an, somit das Doppelte der derzeitigen Norm.

Da die Tastatur speziell zum Spielen ausgelegt ist, wurde die Auslösekraft auf leichte 45 Gramm gesetzt (45 cN). Cherrys MX Red oder Silver haben beispielsweise dieselbe erforderliche Auslösekraft. Die Schaltcharakteristik ist linear und der Klick an sich relativ definiert. Das liegt an der ganz anderen Bauweise, denn die optomechanischen Schalter bestehen aus einer Hybrid-Lösung, der den eigentlichen Auslösemechanismus vom "Klick-Mechanismus" trennt. Das quasi simulierte Klicken, was an die Razer Green Switches erinnern soll, ist folglich genau auf den Auslösepunkt gesetzt.

Der Nachteil der ganzen Sache ist die Lautstärke. Durch die Bauweise haben die Schalter ein wenig Spiel, was bei jedem Tastendruck deutlich zu hören ist. Selbst beim nur über die Tasten gleiten ist ein lautes Klappern zu hören, was sich anhört, als würde man durch eine Lego-Kiste wühlen. Durch die abstehenden Tasten und die Metallplatte werden die Geräusche nur verstärkt, was dann schließlich den tatsächlichen Geräuschpegel beim tippen viel zu laut macht.

Alle technischen Infos zusammengefasst:

Software

Auch die neue Huntsman kommt mit Unterstützung für Synapse 3, Razers eigener Software zur Steuerung sämtlicher Peripherie. Im Programm lassen sich diverse Einstellungen vornehmen, angefangen bei den Makros über das Anlegen und Speichern von Profilen auf dem Hybrid-Speicher bis hin zur Beleuchtung. Letztere kann im Chroma-Studio an jeden Wunsch angepasst werden und auch mit anderen Razer-Geräten synchronisiert werden.

Praxistest

Beim Auspacken der Huntsman fiel auf, dass die Tastatur relativ leicht ist. Sie steht jedoch dank der großzügigen Gummiflächen auf der Unterseite bombenfest an Ort und Stelle. Auch das Aufstellen mit den ausklappbaren Füßen ändert nichts an der Stabilität. Die Tastatur sowie die Tasten fühlen sich gut an und auch die Beleuchtung ist nicht aufdringlich sondern eher zurückhaltend und elegant.

Bevor wir weiter machen, kommen wir erst mal zum wohl größten Kritikpunkt: Die Lautstärke. Wie bereits erwähnt, ist der Geräuschpegel beim Tippen einfach zu hoch. Selbst Razers Green Switches, bei denen das laute klicken wohl der größte Kritikpunkt ist, sind nicht so laut wie die Opto-Switches.

Gibt es da überhaupt Vorteile wenn man bedenkt, dass diese Bauweise teurer und aufwendiger ist, als bei herkömmlichen mechanischen Schaltern? Nur bedingt. Die Infrarot-Technik erkennt Eingaben in der Regel 30 Prozent früher. Das bringt vor allem Gamern, noch besser E-Sportlern etwas, da es hier manchmal auf Bruchteilen einer Sekunde ankommt. Das merkten wir als Casual-Gamer allerdings nur bedingt, eher gar nicht.

Wer daraus absolut keinen Nutzen zieht, sind Menschen in einem Büro und Vielschreiber. Hier bringt der Geschwindigkeitsvorteil herzlichst wenig, stattdessen benötigt man eine ordentliche Portion Geduld, um das laute Tippen zu ertragen. Hier sieht man auch, was die Stärken und Schwächen der Huntsman sind. Sie macht im Büro zwar keine gute Figur, dafür ist sie umso besser, wenn man beim Zocken das Beste aus sich herausholen möchte. Und wenn man ein Headset aufhat, hört man vom Klicken am Ende zum Glück nur noch die Hälfte.

Was uns an der Huntsman gefallen hat, ist das schlichte, aber moderne Design. Es lässt sich mit so gut wie jeder anderen Peripherie kombinieren und macht auf den meisten Schreibtischen ordentlich was her. Der Autor dieser Zeilen vermisst die gänzlich fehlenden Zusatztasten wenig, wer aber ein Fan solcher ist, der könnte das als Nachteil sehen.

Fazit

Razer hat mit der Huntsman einmal mehr bewiesen, dass man beim Kauf ihrer Peripherie immer wieder Kompromisse eingehen muss. Während der neueste Tastatur-Ableger stark aufs Gaming fokussiert ist, kommen die normalen Benutzer bzw. Vielschreiber zu kurz. Die verbauten Switches mögen fürs Zocken perfekt sein, jedoch sind sie fürs Büro aufgrund der Lautstärke einfach nicht geeignet.

Für die Razer Huntsman sprechen vor Allem die hervorragende Verarbeitung und Qualität. Auch das Design ist gelungen. Die Optomechanischen Schalter sind aufgrund der Schnelligkeit vor allem für ambitionierte Gamer und E-Sportler geeignet.

Gegen die Razer Huntsman sprechen ebenfalls die Optomechanischen Schalter. Man kann es nämlich auch andersrum sehen, denn die Schaltertechnik ist beim normalen Gebrauch zu laut und bringt dazu auch keine entscheidenden Vorteile mit sich. Abgesehen davon ist die Tastatur kein Schnäppchen, was wir gleich sehen werden.

Die Razer Huntsman kostet derzeit im Razer-Online-Shop 159,99 EUR (Stand 28.08.2018) und gehört damit der Oberklasse an. Die Elite-Version legt mit 209,99 EUR (Stand 28.08.2018) noch eine Schippe drauf, dafür bietet sie auch eine höhere Ausstattung. In unserem Test haben wir jedoch die Standard-Huntsman, die wir für den angegebenen Preis zu schlecht ausgestattet finden. Eine Handballenauflage hätte mindestens drin sein müssen, das macht die Konkurrenz in Form von Corsair, Roccat oder Logitech vor.

Aus diesem Grund kann sich Razers Huntsman keine Redaktionsempfehlung sichern. Das finden wir schade, denn sie macht als reine Gaming-Tastatur im Grunde fast alles richtig.

Anzeige