Noctua: Lüfter wird zum Lautsprecher und dadurch leiser denn je

Computex Special

Noctua lotet einmal mehr die Grenzen der sonst wenig innovativen Lüfterindustrie aus. Eine neue Technik sorgt dafür, dass ein Lüfter mit Magneten im Lüfterblatt und einer Spule im Lüfterrahmen in Schwingung versetzt werden kann. Diese Schwingungen erzeugen Schall - der Lüfter wird zum Lautsprecher. Paradoxerweise wird er so deutlich leiser.

Das Prinzip vom Anti- oder Gegenschall ist an sich nichts neues. Handy- und Headset-Hersteller setzen es bereits seit Jahren ein. Dabei wird eine akustisch Störquelle analysiert, und ein entsprechendes, phasenverschobenes "Gegensignal" erzeugt. Im Physik-Buch nennt sich das dann "destruktive Interferenz" - die beiden Geräusche "heben sich auf" und das Resultat ist eine deutlich geringere Geräuschkulisse. Exakt dieses Prinzip hat sich Noctua mit dem schwedischen Kooperationspartner zu Nutze gemacht. Kurz vor der Messe in einer Pressemitteilung angekündigt, wurde ein erster Prototyp nun auch in den Messehallen von Taipei zur Computex 2012 demonstriert.

Prinzipiell könnte man auch einen Lautsprecher einsetzen, um das "Antischall"-Signal zu erzeugen. Jedoch wäre dann der ANC-Effekt nur in einer sehr speziellen Konstellation zu vernehmen. Nämlich nur wenn der Hörer sich an einer exakten Position befindet. Ein Lüfter als Geräuschquelle ist sehr großflächig und individuell, deswegen wäre diese Herangehensweise ungeeignet. Stattdessen erzeugt Noctua bzw. Rotosub das benötigte Signal dort wo auch das Störgeräusch entsteht: am Lüfterblatt.

In das Lüfterblatt sind kleine Magnete eingelassen worden. Mithilfe einer Spule im Rahmen des Lüfters können diese Magnete nun also zum Schwingen gebracht werden. Ab einer gewissen Frequenz ist diese Schwingung hörbar. Mit einer Controller-Einheit (entfällt später im fertigen Produkt bzw. wird deutlich verkleinert) können nun also quasi beliebige Schallfrequenzen vom Lüfter erzeugt werden.

Mit einem Mikrofon, welches "hinter" dem Kühlkörper sitzt und ebenfalls an die Steuereinheit angeschlossen ist, wird die Geräuschkulisse "live" analysiert und das entsprechende "Gegenschall"-Signal berechnet.

Das Ergebnis ist durchaus beeindruckend. Zwar ist die Wahrnehmung und Aufzeichnung im Messelärm nicht optimal, jedoch war ein deutlicher Effekt zu hören. Noctua möchte die Leistung bei gleichbleibender Geräuschkulisse um bis zu 80% steigern können. Bis zu einem fertigen Produkt ist es allerdings noch ein weiter Weg. Momentan handelt es sich lediglich um Prototypen, und ein Produkt mit dieser Technik wird mindestens noch 12 bis 18 Monate auf sich warten lassen. Klar sollte den Interessenten auch sein, dass sich die Technik deutlich im Preis der Lüfter niederschlagen wird.

Kommentare

das hört sich echt mal klasse an mal schauen was raus würd.

geschrieben am 06.06.2012 um 15:58 Uhr

Ok, das mit den Subwoofer hab ich natürlich nicht bedacht. Ignorieren mir einfach meinen Post unter dem Motto: "Netter Denkansatz, aber nicht zu ende gedacht." :)

geschrieben am 06.06.2012 um 17:26 Uhr

Die "normalen" Noctua Lüfter sind ja schon so teuer, was die dann wohl kosten werden will ich mir garnicht vorstellen :/

Aber villeicht springen andere Hersteller auch auf den Zug auf und bieten die Lüfter dann günstiger an.

geschrieben am 06.06.2012 um 19:54 Uhr

Noctua ist immer einer der interessantesten Hersteller auf den Messen, die wir besuchen. Die Jungs stecken wirklich viel Gehirnschmalz in ihre Produkte.

Ich denke dass der Lüfter zu einem gewissen Teil auch die Störgeräusche "ausbügeln" kann, die durch eine schlechte Positionierung, etwa durch ein wenig durchlässiges Lüftergitter entstehen. Schließlich analysiert das verwendete Mikrofon ja die aktuelle Geräuschkulisse individuell in der jeweiligen Situation.

Ich denke auch nicht dass es zu Problemen mit Festplatten kommen könnte, aber ich denke auch dieses Szenario wird Noctua bis zur Markteinführung klären.

Als Orientierung beim Preis wurde uns "off the record" gesagt, dass die Lüfter mindestens doppelt so teuer werden wie bisher. Im Bereich von 120 mm dürfte es dann also bei 40€ losgehen. Sicherlich ne Stange Geld, aber so eine Entwicklung kostet einfach ne Menge.

Und nein, die Farben wird Noctua so schnell nicht ändern. Dieses Farbschema hat die Firma bewusst gewählt um sich auf dem aktuellen bunten und blinkenden Lüftermarkt abzusetzen. Die genaue Farbkombination war übrigens eine Idee der Ehefrau des Firmengründers. Nur so als Anekdote am Rande ;)

Grüße aus Taipei,

geschrieben am 07.06.2012 um 21:05 Uhr


Ich denke dass der Lüfter zu einem gewissen Teil auch die Störgeräusche "ausbügeln" kann, die durch eine schlechte Positionierung, etwa durch ein wenig durchlässiges Lüftergitter entstehen. Schließlich analysiert das verwendete Mikrofon ja die aktuelle Geräuschkulisse individuell in der jeweiligen Situation.

Nein, genau das glaub ich nicht, da die Position der Quelle der Störgeräusche unbekannt ist.
Es müssen entweder die genaue Position der Quelle oder des Ziels (also deine Ohren) bekannt sein, da die Ausbreitung dreidimensional erfolgt.

Wenn man 2 Lautsprecher dirket nebeneinander stellt, ist es einfach eine destruktive Interferenz für den kompletten Raum zu erzeugen. Wenn ein definierter Abstand (egal in welchen Achsen) zwischen den Lautsprechern herrscht, wird es schon schwieriger, wenn der Ort der Quelle unbekannt ist geht es nur noch über die exakte Position des Ziels.

geschrieben am 08.06.2012 um 17:11 Uhr

Kommt es mir eigentlich nur so vor, oder ist Noctua einer von den Herstellern, die die meisten Neuheiten auf der Messe präsentieren?

Oder liegt es einfach daran, dass ihr es noch nicht weiter in die Messe geschafft habt und immer staunend vor dem Noctua Stand stehengeblieben seid ;)

geschrieben am 09.06.2012 um 10:37 Uhr

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