Feature: Warum es gut ist, dass Nvidias Partner Program gefallen ist

Das Geforce Partner Program ist beendet - nur zwei Monate nach der Ankündigung und bevor es überhaupt richtig anlaufen konnte. Es zeigt eindrucksvoll, mit welchen Methoden Hersteller bereit sind, ihre Marktmacht auszubauen. Es beweist aber auch, wie Journalisten, Hersteller und Nutzer dafür sorgen können, dass der Wettbewerb fair bleibt. 


"Geforce Partner Program", oder kurz GPP - unter dieser zunächst harmlos anmutenden Bezeichnung hat Nvidia Anfang März dieses Jahres ein Programm ins Leben gerufen, dessen Methoden man als zweifelhaft bezeichnen kann. Es sollte die Partnerunternehmen von Nvidia bei guter Kooperation mit strategischen Vorteilen belohnen, beispielsweise bessere Informationen über künftige Produkte oder frühere Lieferungen von Grafikchips. Das Ziel sei ein transparenter Markt, bei dem die Gamer wissen, was sie kaufen - das versprach Nvidia.

In Wahrheit verfolgte Nvidia ein ähnliches Ziel, das aber weniger ehrenhaft ist: Man wollte die Firmen dazu bringen, möglichst keine Konkurrenzprodukte zu verwenden und am besten nur noch PCs und Notebooks mit Nvidia-Grafikkarten zu verkaufen. Wer sich daran hält, der kann tatsächlich mit Vorteilen seitens Nvidia rechnen. Doch das wollte der Chiphersteller möglichst geheim halten, damit die Fassade des GPP nicht zu bröckeln beginnt. 

"Exklusiv" und "Geforce": Hinter dem GPP steckt noch mehr.

Doch dann kamen Kyle Bennett und seine Kollegen von HardOCP ins Spiel: Sie recherchierten wochenlang und befragten mehrere Hersteller (OEMs) zu diesem Thema. Vor allem aber bekamen sie einen genauen Blick auf die Vertragsklauseln, welche die Teilnehmer des Partner Programs unterschreiben mussten. Meist kamen die Informationen aber von anynomen Quellen. Denn die Unternehmen und deren Mitarbeiter hatten große Angst, von Nvidia direkt oder indirekt bestraft zu werden, sobald sie interne Details nach außen weitergeben. Speziell Journalisten sollten wohl ferngehalten werden, soweit es geht. 

Die Liste der möglichen Sanktionen war lang: Wer sich nicht an die Regeln hält, der kann aus Marketing-, Bundle-, und Launch-Aktionen ausgeschlossen werden und wird womöglich weniger stark in den Forschungs-, Fertigungs- und Verkaufsprozess eingebunden. Die Botschaft ist also klar: Wer in den Genuss dieser Vorteile kommen will, der soll sich ausschließlich der Marke Geforce verschreiben. Und je mehr Unternehmen in das Programm einsteigen, desto eher sehen sich die verbleibenden Firmen gezwungen, dies ebenfalls zu tun.

AREZ statt STRIX: Wird es künftig keine AMD-Karten mit STRIX-Label geben?

Zusammengefasst konnte Bennett drei wichtige Erkenntnisse gewinnen: Erstens war das Programm oder zumindest Teile davon schlicht illegal, zweitens würde sich das Programm negativ auf die Kaufentscheidungen der Gamer auswirken und drittens würde es den Geschäftsbetrieb der Partnerunternehmen mit den Grafikkartenherstellern (Nvidia und AMD) in negativer Weise beeinflussen. Auf HardOPC schreibt Bennett auch, wie Nvidia ihm mit Konsequenzen droht, falls er seinen Artikel veröffentlicht. Damit hat er in Kauf genommen, von Nvidia nicht mehr mit den kostspieligen GPU-Samples zum Launch versorgt zu werden - ein großer Nachteil gegenüber anderen Tech-Redaktionen. 

In einem späteren Bericht, der rund einen Monat später veröffentlicht wurde, schreibt Kyle Bennett, wie einige Unternehmen ihre Gaming-Marken im Grafikkartensegment tatsächlich exklusiv auf Nvidia ausrichten und ihre AMD-Karten aus dem Branding entfernen - teilweise sogar ersatzlos. Er ist aber auch davon überzeugt, dass sich die großen PC-Hersteller HP und Dell nicht auf den Deal mit Nvidia einlassen wollten. Außerdem zieht er Vergleiche mit einem ähnlichen Programm von Intel, welches damals mit hohen potenziellen Geldstrafen verfolgt wurde. Nun, erneut rund einen Monat später, ist das GPP von Nvidia abrupt beendet worden - man sei "missverstanden worden", schreibt Nvidia in einem Blogpost. Wie kam es dazu?

Das war's mit dem GPP: Nvidia zieht offiziell den Stecker.

Dafür, dass Nvidia ein "transparentes" Programm ins Leben gerufen hat, herrschte ziemlich viel Stillschweigen darüber: Weder Nvidia selbst, noch die Vertragspartner wollten oder durften genauer darüber sprechen. Doch der Widerstand einiger Unternehmen mit entsprechender Marktmacht dürfte sicherlich ein wichtiger Grund sein. Hinzu kommt womöglich die Angst vor rechtlichen Konsequenzen, falls das Vertragspapier in die "falschen" Hände gerät. Nicht zuletzt aber machten auch die Nutzer ihren Unmut laut. Wir konnten ebenfalls beobachten, wie das Partner Programm von den Gamern in sozialen Medien stark kritisiert und als wettbewerbsschädigend bezeichnet wurde. Auch Hersteller wie ASUS oder MSI, welche sich dem GPP angeschlossen haben, hatten Schwierigkeiten damit, sich vor den wütenden, teils aber auch einfach nur enttäuschten Nutzern zu verantworten. 

Fazit

Auch wenn der Spuk namens GPP erst einmal vorbei ist, dürfte das Thema nicht ganz vom Tisch sein. Auch im Nachhinein ist es möglich, dass internationale Behörden einen genaueren Blick auf die Rechtmäßigkeit des Programms werfen. Wichtiger ist jedoch das Zeichen, das gesetzt wurde: Dank der Arbeit unabhängiger Journalisten wurde das Thema erst richtig an die Öffentlichkeit geführt und dort auch von den Käufern selbst ausdiskutiert. Und diese haben ein klares Statement gesetzt: Dass Fairness auch bei Großkonzernen zu gelten hat - und, dass Nvidia vielleicht nochmal die Bedeutung des Wortes "Transparenz" im Wörterbuch nachschlagen sollte. 

Dies ist ein Feature-Artikel, der die persönliche Meinung des Autors wiederspiegelt. Er stellt nicht zwingend die Ansicht der gesamten Redaktion dar.

Quellen: HardOPC, Forbes, Engadget, TweakTown

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Karim Ammour

Datum:
08.05.2018 | 09:52 Uhr
Rubrik:
Unterwegs
Tags:
AMD Grafikkarten Hersteller nvidia Partner programm unfair

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