Feature: Die Arcade-Automaten in Japan

Im Laufe unserer mehrteiligen Japan-Reihe bringen wir euch technische Aspekte und Eigenheiten aus Fernost näher, die man so in Deutschland nicht finden kann. In diesem Teil geht es um die berühmten und nach wie vor beliebten Arcadeautomaten in Japan. Kaum eine Erfindung hat das Computer- und vor allem das Computerspielzeitalter so sehr geprägt wie diese Maschinen.


Das Zocken in der Öffentlichkeit ist hier in Deutschland meist nur mit Smartphones oder mobilen Konsolen wie PS Vita, Switch und 3DS möglich. In Japan hingegen ist es jedoch gerade für junge Menschen sehr üblich, dafür nach der Schule mit Freunden in die Stadt zu gehen und einige 100-Yen-Münzen in Spielehallen großen Gaming-Maschinen zu versenken. Das Angebot ist dabei sehr üppig. Besonders in Großstädten wie Tokyo oder Osaka findet man solche Hallen gefühlt an jeder Straße, wo sie auch meist gut gefüllt sind.

Die Geschichte

Die ersten Gaming-Automaten wurden in den 1970er Jahren in den USA und Europa eingeführt. Zu dieser Zeit konnte man die Maschinen oftmals an Kiosken, Imbissbuden und Supermärkten finden. Der Preis für ein Spiel lag zu der Zeit meistens bei einer D-Mark, im Ausland kostete die Runde weniger. Im Jahre 1982 dann schaltete sich auch die deutsche Regierung ein - man vermutete eine Jugendgefährdung durch die Automaten und schnell machten Begriffe wie "Killer-Automaten" und "Mediengewalt" die Runde.

Aufgrund der befürchteten Aggressionssteigerung der Spieler und unter der Argumentation, dass Videospiele Kriegsspielzeuge seien, wurden die Maschinen ab 1985 offiziell aus der Öffentlichkeit verbannt und so beerdigte man eine mögliche Ära, noch bevor sie richtig starten konnte. Heute findet man hierzulande, wenn überhaupt, nur vereinzelt ältere Modelle der Automaten.

Unterdessen boomte in Japan das Geschäft mit den lauten, blinkenden Spielgeräten. Als erstes kommerzielles Spiel gilt "Computer Space" von Nutting Associates, dessen Erfinder später das Entwicklerstudio Atari gründen sollte. Nachdem sich das Bezahlsystem als äußerst rentabel herausstellte, begann Anfang der 1980er Jahre die goldene Ära der Arcade-Games. Heutige Klassiker wie Pac-Man, Space Invaders, Donkey Kong und viele weitere Titel hielten die Spieler oft stundenlang in ihrem Bann gefangen.

Dieser Boom ebbte jedoch Ende der 80er Jahre wieder ab, da Heimcomputer erschwinglich wurden. Als besonders beliebt erwies sich der Commodore 64. Allerdings können Heimcomputer keineswegs das Flair und die Atmosphäre einer solchen Spielhalle ersetzen und so gibt es die fast schon magischen Orte bis heute.

Die Technik

Der Aufbau eines solchen Automaten ist stets simpel und modular, dadurch erinnert die Technik stark an die Struktur von Konsolen. Es gibt immer einen Bildschirm, eine Bedieneinheit - bestehend aus Knöpfen, Joystick oder Lenkrad, oder Schusswaffen - und das PCB.  Letzteres besteht aus mehreren Platinen: In der Regel eine Platine für die CPU und den ROM, eine Grafikeinheit und eine Soundkarte. Zusätzlich sind noch DIP-Schalter verbaut, mit denen der Besitzer den Schwierigkeitsgrad einstellen kann. Je nach Gerätetyp gibt es dann noch weitere Steuergeräte wie ein Lenkrad, eine Waffenatrappe oder gar ein Paar Trommel, wobei die dort installierten Spiele teils auch etwas neuer sind. 

Bei der CPU handelt es sich in der Regel um einen Zilog Z80 - ein 8-Bit Mikroprozessor. Dessen Erfinder Federico Faggin hatte zuvor bei Intel den 8080 mitentwickelt, die Firma aufgrund seines Projektes verlassen. Die CPU erlaubte anfangs eine Taktrate von 2,5MHz, später folgten verbesserte Versionen mit bis zu 8MHz. Richtig gelesen, Megahertz. Bis 2004 war dieser Prozessor noch in den meisten Maschinen als Soundprozessor verbaut. Heute findet man diese immer noch in einigen Taschenrechnern. Da die Anforderungen der neueren Spiele gestiegen sind, befindet sich aktuell meist ein PC im Inneren und emuliert das Spiel per M.A.M.E.

Um das Spiel anzeigen zu können, sind natürlich auch Monitore verbaut. Anfangs waren diese eher sporadischen CRT-Modelle mit einer Zeilenfrequenz von 15,75 kHz. Die Auflösung betrug damals in der Regel 256x256 oder 240x256 Pixel. Je nach installiertem Spiel sind auch zwei Monitore im Gerät integriert. Die Auflösung ist in heutigen Automaten natürlich höher, erreicht jedoch bei weitem nicht die gestochen scharfe Bildqualität eines 4K-Monitors am heimischen PC. Das gehört jedoch zum Retro-Feeling, welches den Spieler in den entsprechenden Etablissements überkommt.

Den Sound können wir kaum anders als typisch beschreiben. An jeder Ecke ertönen übertrieben Laute Jingles, Gewehrsalven, quietschende Reifen und stöhnende Zombies. Um beim Spielen die Konzentration zu wahren, kann man entweder zu Gehörschutz greifen - tatsächlich ist es in den Hallen deutlich Lauter als im Straßenverkehr von Tokyo - oder man bringt sich seine Kopfhörer mit, denn die Arcadeautomaten verfügen über eine 3,5mm Klinkenbuchse.

Das Feeling

Wir konnten es uns nicht nehmen lassen, diverse Geräte ausgiebig zu testen, denn kaum eine andere Freizeitbeschäftigung ist so typisch Japan wie das Geldverbrennen am Spielautomaten. Aus technischer Sicht heraus macht es auf den ersten Blick nicht besonders viel Sinn, sein Einkommen in die Maschinen zu stecken. Doch hat man einmal den ersten Versuch gewagt, packt den versierten Zocker das Retro-Feeling und man wirft gern noch ein paar Münzen mehr rein. Als besonders effizient erweisen sich die Geräte bei Kunden, die - wie wir - mit den Spielen aufgewachsen sind und diverse Kindheitserinnerungen daran knüpfen.

Zudem ist es ein völlig anderes Gefühl, beispielsweise bei Dance Dance Revolution gegen einen japanischen Teenager zu verlieren. Dass das Suchtpotential trotz der eher schwachen Hardware so hoch liegt, ist sicherlich auch mit dem menschlichen Urinstinkt zu Begründen, der Beste sein zu wollen und in der Öffentlichkeit hat man die Chance, direkt gegen seine Kontrahenten antreten zu können. Dabei macht es kaum einen Unterschied ob es nun Fremde sind oder der eigene Freundeskreis, denn der Spielspaß bleibt definitiv der selbe.

Das Fazit

Die japanischen Spieleautomaten sind technisch schwach und lohnen sich finanziell rational betrachtet nur wenig. Jedoch bekommt man jedes mal aufs Neue ein ganz besonderes Gefühl, wenn man sich mit den meist viel zu schweren Titeln misst. In Kombination mit dem Gelächter der Freunde, welche einem über die Schulter schauen, ist es Entertainment pur. Die Atmosphäre einer jeder Game-Halle lässt Retroherzen definitiv höher schlagen und ist einen Besuch allemal wert.

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