Feature: Samsung Galaxy Nexus trifft auf Android 4.1
Das Samsung Galaxy Nexus war das wohl erste Android-Gerät, welches den Benutzer in den Genuss der Version 4.0 alias "Ice Cream Sandwich" brachte. Die verbesserte Performance und weitere Features sollten Android 4.0 zu einem für Smartphones und Tablets geeigneten Betriebssystem machen. So geht Google mit dem Jelly-Bean-Update in die nächste Runde, merzt die noch offenen Fehler aus und optimiert Features wie zum Beispiel die Sprachsteuerung. Im Vordergrund steht noch bessere Smartphone-Bedienbarkeit und die Initiative „Project Butter“, welche der oft schwächeren Performance den Gar Aus machen soll.
Das Galaxy Nexus - welches das Resultat einer Zusammenarbeit zwischen Google und Samsung darstellt - fuhr solide Verkaufszahlen ein und ist das Referenz-Smartphone mit der aktuellen Software-Version 4.x. Kritiker und Magazine erwarteten das 4.1-Update des Android-OS erst Ende 2012 respektive Anfang 2013, jedoch rollte Google die Aktualisierung bereits im Juli exklusiv für das Samsung Galaxy Nexus aus. Die neue Version des Betriebssystems hört auf den Namen „Jelly Bean“ und wird frühestens erst Ende 2012 für weitere Geräte erhältlich sein.

Die Meinungen zum Update sind gespalten: Auf der einen Seite ist die Aktualisierung früher als erwartet veröffentlicht worden, daher könnte sich Google mit dem Release überstürzt und so nur wenige Verbesserungen integriert haben. Auf der anderen Seite hingegen brodelte seit längerer Zeit die Gerüchteküche über die Machenschaften von Google. Trotz der starken und aktuellen Hardware bekamen Nutzer einige Probleme in Form von Standbildern, "Force closes" und diversen, kleinere Bugs die das Gesamtbild des OS trübten. Die Kritik stieß aber nicht auf taube Ohren. Google versprach diese Bugs im nächsten Update zu beseitigen. Im Fokus lagen dabei die Verbesserungen der Performance und die Smartphone-Optimierungen. Ob die Entwickler aus dem Hause Google ganze Arbeit geleistet haben, werden wir in diesem Artikel klären
Das Aktualisieren des Smartphones
Um das an dieser Stelle erneut zu verdeutlichen: Momentan erhalten nur Samsungs Galaxy-Nexus-Geräte das Update. Besitzer von anderen Smartphones, egal ob beispielsweise von Samsung oder HTC, werden sich leider noch gedulden müssen. Es tauchen zwar immer wieder Jelly-Bean-"Custom Roms" auf - um diese aufspielen zu können, muss das Gerät "gerootet" werden, was zum sofortigen Garantieverlust führt. Wer sich also die Aktualisierung auf inoffiziellen Wege beschafft, riskiert nicht nur den Verlust des Hersteller-Supports sondern auch Schäden am Gerät wie zum Beispiel eine Überhitzung durch zu hohe Takatraten der Hardware oder eine fehlerhafte Firmware, wodurch das Gerät unbenutzbar wird. Wie die Developer aus der internationalen Smartphone-Community "XDA" zu sagen pflegen: "do it on your own risk" was soviel bedeutet wie "Ausführen auf eigene Gefahr!".
Wer jedoch das Samsung Galaxy Nexus besitzt, kann das Update ganz simpel per Kies oder der Aktualisierung in der Systemrubrik herunterladen und aufspielen. Kies dient als Computer-gebundene Software für Updates und als Wiederherstellung-Dienste von Samsung, zudem lassen sich Inhalte wie Musik, Videos und Bilder mit dem PC synchronisieren. Sobald das Smartphone mit dem Rechner verbunden und das Programm gestartet wurde, wird Kies sofort einen Hinweis auf ein neues Update geben. Nach dem Update richtet sich Android von selbst ein. Es optimiert die Apps und richtet die Synchronisationsdaten wie zum Beispiel Kontakte erneut ein.
Die Neuerungen
Im Vergleich zum Update von "Ginger Bread" zu "Ice-Cream Sandwich" (v2.3 zu v4.0) gibt es in dieser Aktualisierung (v4.0.4 zu v4.1.1) keine komplette Änderung des „User-Interfaces“. Google hat sich wohl die Verbesserung bekannter User-Probleme als Ziel genommen. Zu Beginn sticht die Performance des Gerätes heraus. FPS-Einbrüche gehören seit dem 4.1-Update der Vergangenheit an. Das Wechseln des Startbildschirms verläuft komplett flüssig und auch beim Öffnen der Apps findet ein komplett ruckelfreier Übergang mit neuen Animationen statt. Selbst das Schießen von Bildern geht noch schneller vonstatten. Eines der wohl größten Gegenargumente zum Kauf eines Androiden war bisher relativ schwache Performance trotz stärkster Hardware. Sollte jedes Gerät - welches mit Jelly-Bean läuft - eine solche Peformance-Steigerung erleben, dürfte die Konkurrenz in Form von Apple und Co. einen Grund zur Sorge haben.
Performance-Check
Um einen Vergleich bieten zu können, haben wir das Samsung Galaxy Nexus vor und nach dem Update durch die bekanntesten Benchmarks gejagt. Zu unserer Überraschung fielen die Werte im Antutu-Szenario eher durchwachsen aus. Scheinbar ist der Benchmark noch nicht optimal auf die neue OS-Software optimiert und lastet das Gerät nicht zu 100 Prozent aus. Anders lassen sich die reproduzierbaren Negativ-Ergebnisse nicht erklären. Die restlichen Resultate zeigen es jedoch deutlich: Die allgemeine Performance in Spielen, Social-Media- und Systemapps ist deutlich besser und das, ohne die Akku-Laufzeit zu beeinträchtigen.
Quadrant v2.0
| ANDROID 4.0.4 | ANDROID 4.1.1 | PERFORMANCE-UNTERSCHIED | |
|---|---|---|---|
| Total | 1957 Punkte | 2178 Punkte | + 11,3 Prozent |
| CPU | 5507 Punkte | 5534 Punkte | + 0,5 Prozent |
| Mem | 1904 Punkte | 1800 Punkte | -5,5 Prozent |
| I/O | 944 Punkte | 1386 Punkte | + 46,8 Prozent |
| 2D | 190 Punkte | 243 Punkte | +27,8 Prozent |
| 3D | 1241 Punkte | 1929 Punkte | +55,4 Prozent |
Antutu v2.7.3
| ANDROID 4.0.4 | ANDROID 4.1.1 | PERFORMANCE-UNTERSCHIED | |
|---|---|---|---|
| Total | 6114 Punkte | 4447 Punkte | -28,3 Prozent |
| CPU integer | 1713 Punkte | 1000 Punkte | -41,7 Prozent |
| CPU float-point | 1351 Punkte | 802 Punkte | -40,7 Prozent |
| RAM | 1075 Punkte | 607 Punkte | -43,7 Prozent |
| 2D | 284 Punkte | 289 Punkte | +1,7 Prozent |
| 3D | 1197 Punkte | 1229 Punkte | +2,6 Prozent |
| Database IO | 275 Punkte | 260 Punkte | -5,5 Prozent |
CF-Bench 1.1
| ANDROID 4.0.4 | ANDROID 4.1.1 | PERFORMANCE-UNTERSCHIED | |
|---|---|---|---|
| Native Score | 10696 Punkte | 9864 Punkte | - 7,8 Prozent |
| Java Score | 3090Punkte | 2642 Punkte | -14,5 Prozent |
| Overall Score | 6132 Punkte | 5530 Punkte | -9,9 Prozent |
Smartbench 2011
| ANDROID 4.0.4 | ANDROID 4.1.1 | PERFORMANCE-UNTERSCHIED | |
|---|---|---|---|
| Productivity Index | 3309 Punkte | 3617 Punkte | +9,8 Prozent |
| Games Index | 1806 Punkte | 2800 Punkte | +55 Prozent |
Smartbench 2012
| ANDROID 4.0.4 | ANDROID 4.1.1 | PERFORMANCE-UNTERSCHIED | |
|---|---|---|---|
| Productivity Index | 2297 Punkte | 2405 Punkte | +4,7 Prozent |
| Games Index | 1440 Punkte | 1951 Punkte | +35,4 Prozent |
Linpack for Android v.1.2.8
| ANDROID 4.0.4 | ANDROID 4.1.1 | PERFORMANCE-UNTERSCHIED | |
|---|---|---|---|
| Single Thread | 43,595 MFLOPS | 42,533 MFLOPS | -2,5 Prozent |
| Multi Thread | 74,532 MFLOPS | 72,451 MFLOPS | -2,8 Prozent |
Smart-Keyboard / Schlaue Tastatur
Eine weitere Verbesserung, die für Altags-Nutzer interessant sein dürfte, ist die „schlaue“ Tastatur. Dieses Feature ist bereits durch die App namens „SwiftKey X“ bekannt, die sich trotz moderatem Preis hoher Beliebtheit erfreut. Genau das gleiche Prinzip kommt nun bei der Standard-Tastatur von Android 4.1 zum Einsatz. Durch das optimierte Wörterbuch wird dem Nutzer während des Schreibens eine kleine Zahl von Worten angeboten, die zu dem bereits geschriebenen Worten passen könnte. Zudem „lernt“ das Wörterbuch während der Nutzung aus Fehlern und bietet beispielsweiße eine automatische Verbesserung des Fehlers oder einen passenden Vorschlag während des Schreibens an. Email-Adressen und andere Kontaktformulare (wie Benutzernamen) werden ebenfalls gemerkt und können ohne groß zu schreiben gleich als Vorschlag angetippt werden. Diese Tastatur kann wie üblich gegen eine bevorzugtere Variante gewechselt werden, sollte die Stock-Tastatur nicht den Wünschen der Nutzer entsprechen.
Ebenso hat sich der Lockscreen verändert. Der Umgang damit verläuft flüssiger und wurde um eine kleine Animation erweitert. Eine weitere nennenswerte Verbesserung ist die optimierte Benachrichtigungs-Leiste. Nun können beispielsweise E-Mail-Benachrichtigungen sofort ohne das Öffnen der App den Inhalt der neuen E-Mail als kleine Erweiterungen sofort anzeigen. Dies funktioniert auch mit diversen anderen Apps, die zum Beispiel über Wetter oder Nachrichten informieren. Natürlich verläuft auch diese Aktion in einer flüssigen und passenden Ausklapp-Animation. Einen der größten Knaller hat Google jedoch mit der verbesserten Sprachsteuerung an Board gebracht. Apple hatte bereits mit „Siri“ versucht die Smartphone-Szene um eine virtuelle Assistentin zu bereichern. Der Versuch ist jedoch nur teilweise geglückt, denn Siri braucht zum Benutzen eine dauerhafte Internetverbindung und reagiert zu dem oft mit falschen und/oder unsinnigen Antworten. Es gab zwar vergleichbare Programme, welche "Siri" imitierten (wie etwa die App namens „Alice“), diese kamen dennoch nicht an das Niveau von Apples Sprachassistenten heran. So blieb die Sprachsteuerung vorerst ein exklusives Apple-Feature. Google werkelte aber in der Zwischenzeit an einer Verbesserung der bereits vorhandenen Sprachsteuerung und kommt mit einer kleinen Revolution daher. Durch das simple Stellen einer Frage im „Voice-Modus“ überprüft die Sprachsteuerung die Offline-Datenbanken. Sollten in diesen keine Antwort erhältlich sein, so wird erst dann auf das Internet zurückgegriffen. Es lässt sich aber im Gegensatz zu Siri im Offline-Modus aktivieren und führt auch die Befehle wie Kontakt-Suche oder das Schreiben einer SMS aus. Die Sprachsteuerung lässt sich unter anderem per Tipp auf die Google-Suchleiste starten. Interessierte Benutzer können auch Fragen über Politik wie zum Beispiel „Wer ist der Bundespräsident von Deutschland?“ oder „Wie hoch ist der Eiffelturm?“ stellen, anschließend bekommt man die Antwort eingeblendet dargestellt und sogar vorgelesen - meist sehr akkurat und kurz und knapp beantwortet.
Im Rampenlicht des Updates stand jedoch „Google Now“, welches die verbesserte Sprachsteuerung und das Abbild von "Siri" vereint. Es bedient sich an der verbesserten Sprachfunktion und versucht immer einen Schritt voraus zu sein. Beispielsweise während einer Busfahrt wird berechnet, wie lange der Bus noch fährt und wann welche Anschlussfahrten am Ziel erreichbar sind. Zudem kann man unterwegs Fragen wie „Wo ist die nächste Pizzeria?“ stellen und schon wird eine Liste der Restaurants die dem gewünschten Profil entsprechen angezeigt. Der Haken jedoch ist der Akku-Verbrauch, denn um Google Now zu nutzen muss permanent eine aktive Datenverbindung bestehen und GPRS eingeschaltet sein, was das Smartphone früher als üblich an das Netzteil zwingt.
Der Nutzer kann in Google Now noch aktive Liveticker einschalten, welche über Geschehnisse in Sport oder Politik informieren. Das erspart ganze Suchaktionen mit dem Smartphone und organisiert die gewünschten Informationen in nur kurzer Zeit. In Foren wurde Google Now bereits als „Siri-Killer“ abgetan, jedoch fehlt auch Google Now der Feinschliff. Zwar versteht die Spracherkennung trotz Dialekt und Akzent die Sätze sehr genau, jedoch kommt oftmals eine Flut an Informationen, die man Stück für Stück wegwischen muss um zu sehen was man wirklich wollte. Dies ist jedoch nur selten der Fall und ist in Anbetracht der Resultate nur ein kleines Übel.
Fazit:
Google überraschte uns wie oben genannt mit dem überfallartigen Release. Keiner hätte die Auslieferung des Updates so schnell kommen sehen, wodurch die Erwartungen getrübt wurden. Ganz zu Unrecht: Denn mit Jelly Bean wurden die Fehler ausgemerzt, die Ice Cream Sandwich offenließ. Ruckler und Performance-Einbrüchen gehören mit „Project Butter“ der Vergangenheit an. Als hätte das Alles nicht gereicht, spendierte Google das, worauf Android-Nutzer seit dem Release warten: eine eigene "Siri"-Variante. Die Sprachsteuerung funktioniert mit einer außerordentlich genauen Wiedergabe von dem was man trotz Dialekt oder Akzent sagt.
Es werden Fragen jeder Art beantwortet, nun kommen Android-Nutzer auch in den Geschmack von einer intelligenten Sprachassistentin wie "Siri", nur dass die Spracherkennung in Zusammenarbeit mit Google Now noch bessere Resultate erzielt. Leider ist die Benutzererfahrung mit Google Now sehr davon abhängig, welcher Mobilfunk-Anbieter zum Einsatz kommt, wie groß das Internet-Datenvolumen und wie gut das Netz-Signal beispielsweise in Gebäuden und der U-Bahn ist.
Im Endeffekt wurde das Galaxy Nexus „wiedergeboren“. Wann weitere Geräte das neue Update erhalten, wurde nicht verraten. Wir können das Update jedem Nutzer des Samsung Galaxy Nexus empfehlen. Denn die Aktualisierung wird die Benutzererfahrung mit dem Smartphone von Grund auf verbessern.
Das Samsung Galaxy Nexus ist bei Amazon in den Farben „titanium silver“ und „chic-white“ erhältlich.







Auch Gehäuse werden umfangreich auf Herz und Nieren geprüft. Neben Messungen der Temperatur und Lautstärke spielt besonders die Qualität und Verarbeitung des Gehäuses eine große Rolle ...