Feature: Battlefield 3: Armored Kill im Test

In der dritten Erweiterung von Battlefield 3, will die Spieleschmiede DICE das Blut alter Battlefield-Veteranen aufkochen lassen: Mit neuen Panzerfahrzeugen und riesigen Schlachtfeldern sollen genau die Spieler auf ihre Kosten kommen, die mit Nahkämpfen wenig am Hut haben. Ob dies dem Entwicklerstudio gelingt und ob sich der Kauf von Armored Kill lohnt, klären wir in diesem Test.


Während der im Juni erschienene Download-Container "Close Quarters" den Schwerpunkt auf enge und schnelle Infanteriegefechte legte, schlägt DICE mit Armored Kill einen völlig anderen Weg ein: Kämpfe werden hier primär in Fahr- und Flugzeugen sowie auf riesigen Karten ausgetragen - dass, wofür die Battlefield-Serie ursprünglich erst bekannt geworden ist.

Damit Panzerfreunde voll auf ihre Kosten kommen, spendiert das Entwicklerstudio den Spielern sechs neue Fahrzeuge, einen zusätzlichen Kampfmodus namens "Panzer-Übermacht" und vier neue Landschaften, von denen eine als das größte Schlachtfeld in die Battlefield-Geschichte eingeht. Conquest und Rush funktionieren natürlich auch mit dem neuen DLC - warum letzterer Modus im Moment jedoch sehr einseitig balanciert ist, erfahrt ihr in den kommenden Zeilen.

Bei den vier neuen Armored-Kill-Maps dachte DICE sogar an die Infanterie: Trotz ihrer Größe sind die Karten recht detailreich gestaltet und so auch für Fußsoldaten schön anzusehen.

Insgesamt sechs neue Fahrzeuge liefert DICE beziehungsweise EA mit Armored Kill aus. Das M1128 stellt eine Kombination aus Kampf- und Schützenpanzer dar. Dank Rädern ist das Gefährt flott unterwegs, aber gleichzeitig besser geschützt als ein LAV. Beim Pendant der Russen ist höchstens der Name lustig: Der Sprut fährt sich ähnlich wie das M1128, kann aber durch seine kompakte Bauweise schwerer entdeckt werden und somit noch gefährlicher für den Gegner sein.

Der Sprut-SD (rechts) sieht zwar niedlicher aus als der T90-Panzer (links), doch der Schein trügt.

Das US-Artillerie-Geschütz M142 und das russische Gegenstück BM-23 sind für Beschüsse von mittleren bis großen Entfernungen gedacht. Zwar haben diese Fahrzeuge Ähnlichkeiten zu LKWs, sind im Gegensatz zu ihnen aber nicht zum Transportieren von Baustoffen, sondern zum Zerstören gedacht. Während der Fahrer des mobilen Geschütztes nur herumfahren kann, hat der Schütze sechs nachladbare Raketen im Gepäck, mit denen er im Kriegsgefecht ordentlich mitmischen darf. Die Raketen werden in Granatwerfer-Ansicht verschossen und richten extrem großen Schaden an - vorausgesetzt man trifft, was ohne Visier und bei einer schwer berechenbaren Flugbahn nicht gerade einfach ist. Für den Nahkampf und gegen Fußsoldaten kann im Laufe der Zeit auch die Fähigkeit "Umfeldverteidigung" freigeschaltet werden, die alle in der Nähe befindlichen Fußsoldaten in Flammen aufgehen lässt. Ein sehr effektives Mittel gegen ungebetene Gäste mit C4 in der Hand.

Zum Treffen mit den Infanterie-Geschützen braucht es nicht nur Können, sondern auch eine Menge Glück. Wenn es aber kracht, dann richtig!

Für Ausflüge allein oder zu zweit befinden sich oft Quads an den Spawn-Punkten, mit denen der Spieler schnell, aber dafür ungepanzert, die Position wechseln kann. Unfug lässt sich damit natürlich auch anstellen. Wer es auf die Spitze treiben will, kann hier das Prinzip der berüchtigten "Jihad-Buggys" übernehmen: C4 anbringen und los damit zum nächsten gegnerischen Fahrzeug. Sofern richtig gezielt wurde und der Sprengstoff im richtigen Moment zündet, erzielt man einen bis mehrere Kills und zerstört das gegnerische Fahrzeug - genauso wie das Eigene. Beliebt und ehrenhaft ist diese Methode allerdings eher weniger, weshalb sich der Spieler von der Kombination "Quad + C4" grundsätzlich lieber fernhalten sollte.

Leicht verwundbar, aber dafür schnell ist der Spieler mit dem Quad unterwegs. Abheben lässt sich damit auch - für Luftkämpfe sollte man aber trotzdem lieber ins Flugzeug steigen.

Das größte und stärkste Flugzeug, dass Battlefield 3 dank Armored Kill bietet, ist das Gunship AC-130, eine Art fliegende Festung. Dieses Luftgefährt bietet Platz für zwei Spieler und dient gleichzeitig als Spawn-Punkt für Wiedereinsteiger. Der Vorteil: Das AC-130 kann gar nicht abstürzen, da es im Autopilot seine Runden um das Schlachtfeld dreht, während sich die beiden Kanoniere voll auf das Beschießen der Gegner konzentrieren können. Im Zusammenspiel kann so mächtiger Schaden angerichtet werden, da die Passagiere zwischen Explosivgeschossen und einer Flak ständig wechseln können. Umsonst ist das gute Stück allerdings nicht:  Nur dem Team, das die dazugehörige Flagge am Boden in Besitz hält, steht das Flugzeug überhaupt zur Verfügung.

 Wer im Gunship sitzt, hat meist die gesamte Karte im Überblick und kann nahezu jeden Ort auf dem Schlachtfeld befeuern.

Um in der Luft nicht unverwundbar zu sein, hat das Gunship auch eine Art "Blindstelle" - nämlich die untere, rechte Seite. Denn von dort aus kann weder das Hauptgeschütz, noch die Flak abfeuern. Wird dieser Teil des Flugzeuges attackiert, können Angreifer ohne Gegenwehr schweren Schaden verursachen. Ein weiterer Nachteil des AC-130: Entstandener Schaden kann nicht repariert werden. Ist die fliegende Festung erst einmal außer Gefecht gesetzt, bleibt den Insassen nicht viel mehr übrig, als den schnellsten Weg nach unten zu suchen.

Das Gunship AC-130 ist nicht nur das am besten gepanzerte, sondern auch das zerstörerischste Flugzeug in Battlefield 3. Allerdings hat selbst diese fliegende Festung eine große Schwachstelle: die untere rechte Seite.

Wie Close Quarters, hat auch Armored Kill einen neuen Spielmodus im Gepäck: Panzer-Übermacht nennt sich die Mischung aus Conquest und Team Deathmatch - mit dem Unterschied, dass die Spieler meistens in Fahrzeugen unterwegs sind oder es zumindest sein sollten. Ziel beider Mannschaften ist es, eine einzige Flagge in der Mitte des Spielfeldes so lange in Besitz zu halten, bis dem gegnerischen Team die Tickets ausgehen. Da dies schnell in schwere Panzerschlachten ausartet, sollte man bei Möglichkeit immer ein entsprechendes Fahrzeug parat haben. Das ist vor allem bei Servern mit vielen Spielern nicht gerade einfach, zumal als einziger Spawn-Punkt die eigene Basis dient. Bis der Spieler von dort aus an die Front gelaufen ist, vergehen gerne einmal gefühlte Stunden. Deshalb ist dieser Modus nur bis zu einer Teilnehmeranzahl von 8 bis 16 Spielern empfehlenswert - dann kommen Panzerliebhaber auch voll auf ihre Kosten. Findet der Spieler doch kein Fahrzeug, sollte er sich nicht zu schade sein, bei einem Kameraden einzusteigen und diesen im Gefecht zu unterstützen - beispielsweise mit einer Reparatur, die man sich selbst in Panzer-Übermacht häufig wünscht.

In Panzer-Übermacht führt der Weg mit den Kollegen zur zentralen Flagge, dessen Eroberung zum Sieg führt.

Conquest macht mit den neuen Fahrzeugen und Maps fast noch mehr Spaß als normal. Im Gegensatz zu Panzer-Übermacht bedarf es hier aber an möglichst vielen Spielern. Bei zu wenigen Gleichgesinnten, verwandelt sich das normalerweise lebendige Schlachtfeld in eine tote Landschaft voller unbenutzter Vehikel. Das Prinzip von Conquest bleibt auch in Armored Kill weiterhin erhalten: Möglichst viele Flaggen halten, um die Tickets des Gegners in Richtung null zu bewegen. Auf den neuen Maps gibt es statt sechs sogar bis zu acht Bereiche, die erobert werden und nach der Besetzung als Spawn-Punkt dienen können. Die Übernahme einer bestimmten, gekennzeichneten Flagge ist auch gleichzeitig die Voraussetzung zum Nutzen der fliegenden Luftfestung AC-130.

Die AC-130 hält für ein Flugzeug eine Menge aus. Greift ein Gegner allerdings mehrmals mit voller Ladung an, ist selbst das Gunship schnell Geschichte.

Nachdem es bis hierher nur Positives über Armored Kill zu berichten gibt, muss DICE für sein neuestes DLC-Paket auch Kritik ertragen. Der Rush-Modus ist nämlich bereits zu Beginn der Partie zum Nachteil des Verteidigers ausgelegt und damit völlig unbalanciert. Zum Einen können die Angreifer gleich zum Start im Gunship spawnen, während sich die Verteidiger erst noch auf dem Weg zu den M-COMs machen dürfen. Zum Anderen müssen letztere ihre Funkstationen praktisch an allen Seiten schützen, da Angreifer sowohl von vorne, als auch von der Seite und teilweise sogar von hinten angreifen können. Ein Patch, der diese Ungerechtigkeiten behebt und damit die Spielbalance auf beiden Seiten wiederherstellt, wäre durchaus angebracht.

Fazit

Mit Armored Kill liefert DICE das Gegenstück zu Close Quarters und das, was Panzerliebhabern und echten Battlefield-Veteranen noch fehlt: Riesige Maps, eine große Auswahl an Fahrzeugen und den neuen Spielmodus, in denen Panzer selbst im Nahkampf unverzichtbar sind. Leider ist der Rush-Modus aufgrund der schlechten Balance derzeit nur bedingt brauchbar, weshalb die die Spieleschmiede dringend ein Update nachliefern sollte. Diejenigen, die Spaß an großen Maps haben und zumindest einen Panzer richtig bedienen können, machen mit dem Kauf von DICE neuestem DLC-Paket nicht viel falsch. Wer sich mit engen Infanterie-Gefechten eher anfreunden kann, sollte sich den Kauf von Armored Kill lieber zweimal überlegen und stattdessen einen Blick auf Close Quarters werfen.

Battlefield-3-Spieler können Armored Kill ab dem 25. September für rund 15 Euro erwerben. Für Premium-Spieler der PC- und der Xbox-360-Version steht die Erweiterung bereits seit dem 11. September kostenlos zum Download bereit. Playstation-3-Nutzer konnten den DLC bereits einen Tag früher, nämlich seit dem zehnten September spielen - vorausgesetzt, diese besitzen einen entsprechenden Account. Ansonsten müssen auch Konsolenzocker zwei Wochen länger warten als die bevorzugten Premiumspieler.

Battlefield 3 ist in verschiedenen Versionen und für entsprechende Plattformen bei Amazon erhältlich.

Kommentare

Sehr umfangreich!

geschrieben am 17.09.2012 um 20:18 Uhr

Ich finde das Gunship nicht overpowered, da es zwar stark ist, aber auch große Nachteile hat und durch gezielten beschuss schnell kaputt geht. Unfair ist es nur bei Rush, wo nur die Angrreifer das Gunship haben, aber die verteidiger kaum etwas gagegen tuen können.

geschrieben am 17.09.2012 um 23:08 Uhr

Wie viele DLC's werden eigentlich noch erscheinen?

geschrieben am 27.09.2012 um 23:07 Uhr

Wie viele DLC's werden eigentlich noch erscheinen?

Solange der Kunde EA Geld in den Rachen wirft, wird es auch neuen "Content" geben. :lol

geschrieben am 28.09.2012 um 08:20 Uhr

Stimmt auch wieder :D

geschrieben am 28.09.2012 um 15:37 Uhr

Wie viele DLC's werden eigentlich noch erscheinen?

Mindestens noch 2.
Aftermath soll im Dezember kommen und Endgame im März 2013.

geschrieben am 30.09.2012 um 09:09 Uhr

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