Test: SIP-Türsprechanlage AVU 14040 von TCS im Test

Videosprechanlagen haben gegenüber konventionellen Klingelanlagen einige Vorteile - den ankommenden Gast live zu sehen, ist einer davon. Darüber hinaus lassen sich einige Modelle auch in das Smart-Home integrieren. Deswegen haben wir uns eine Videosprechanlage von TCS besorgt und unter die Lupe genommen.


Natürlich haben Klingelanlagen nur im entfernteren Sinne etwas mit PC‘s zu tun, doch die Möglichkeit, diese Anlagen auch in das eigene Netzwerk zu integrieren, hat uns dazu veranlasst, ein solches Modell einmal genauer anzusehen. Wir haben uns hierbei für das Gerät AVU 14040 von TCS entschieden, da sich dieses Modell für unseren Einsatzzweck gut eignet. Was die Klingel alles kann und ob sie sich für euch lohnt, erklären wir in unserem Review.

Geliefert wurde die Anlage in einem recht kompakten Karton, mit dem passenden Werkzeug und einer Bedienungs- und Montageanleitung beiliegend. Neben der Klingel selbst enthält die Verpackung außerdem noch das passende Unterputz-Gehäuse für die Montage in der Wand.


Design und Verarbeitung

Die Frontplatte besteht aus einer geschliffenen Edelstahlplatte, die Klingeltasten aus verchromtem Vollmetall. Die Namensschilder sind weiß hinterlegt und werden von einer dicken Acrylglasplatte geschützt und von hinten mit LED‘s beleuchtet. Die Kamera ist in einem dunklen Rechteck eingefasst und ebenfalls von Glas geschützt. Das Unterputzgehäuse besteht aus verzinktem Stahlblech und ist sehr robust.

Die Rückseite der Frontplatte besitzt eine Dichtung, sodass zusätzliche Arbeiten, beispielsweise mit Silikon, nicht mehr notwendig sind. Alles in Allem wirkt die Außenstation sehr hochwertig und robust. Die integrierte Kamera ist allerdings fest montiert und lässt sich nicht drehen, was sich in der Praxis als unvorteilhaft erweist. Zumindest eine geringfügige Anpassungsmöglichkeit wäre in vielen klassischen Eingangsbereichen sehr hilfreich gewesen.

Die Technik im Detail

Werfen wir zunächst auf das Kernstück einer Videoklingel: Die Kamera. Verbaut wurde eine FullHD-Kamera mit einem horizontalen Blickwinkel von 90 Grad und 67 Grad in der Vertikalen. Die Brennweite beträgt 3,6mm. Die Bild- und Tondateien werden dabei über das Heimnetzwerk übertragen und gelangen nicht, wie bei anderen Herstellern, ins Internet. Die Versorgungsspannung liegt bei 24 Volt DC, die Stromaufnahme liegt bei 140 mA im unbetätigten Zustand und steigt je nach Nutzung maximal auf 156 mA, bei größeren Modellen ist die Stromaufnahme entsprechend höher.

Die Versorgung per PoE (Power over Ethernet) ist ebenfalls möglich - wir empfehlen dies auch, so ist nämlich kein weiteres Netzteil erforderlich. Zu beachten ist jedoch die passende Infrastruktur, welche auch den nötigen Strom liefert. Hinter den Namensschildern befindet sich außerdem ein Sabotagekontakt, welcher sich weiterschalten lässt. Versucht also jemand, die Klingel von außen zu öffnen, kann man im Haus einen Alarm schalten lassen.


Die Kommunikation geschieht über einen verpolungsfreien und kurzschlussfesten 2-Draht-TCS:BUS. Die Platine bietet außerdem zwei potenzialfreie Kontakte. Einer davon ist für einen Türöffner gedacht, der andere kann für weitere Funktionen verwendet werden, zum Beispiel um Außenlampen einzuschalten. An dieser Stelle ein Warnhinweis: Je nach Funktion sind weitere Relais erforderlich, der Anschluss und die Inbetriebnahme muss durch eine Elektrofachkraft erfolgen.

Praxistest

Die Installation der Hardware gestaltet sich als einfach, für einen Handwerker sollte dies keine Herausforderung darstellen. Wesentlich umfangreicher ist die Einrichtung der Software. Mit Hintergrundwissen um Netzwerktechnik, IP-Adressen und Subnetzmasken kommt man schon ein gutes Stück weiter, allerdings sind für die vollständige Einrichtung fundierte Kenntnisse und Erfahrung mit SIP-Fähigen Komponenten erforderlich.

Hier kann der Support von TCS weiterhelfen - zunächst telefonisch und bei größeren Problemen wird ein Außendienstmitarbeiter tätig, gegebenenfalls können dabei aber zusätzliche Kosten entstehen. Bei uns war Letzteres der Fall, da der von der Telekom bereitgestellte Speedport sich weigerte, mit der Anlage zusammenzuarbeiten. Letztlich kam heraus, dass der Speedport mangels SIP-Support nicht mit der Klingel kompatibel ist. Dieser wurde auf Anraten des TCS Kundendienstes gegen eine AVM Fritzbox 7590 ausgetauscht, danach gab es keine Probleme mehr.

Als zusätzliches Gadget wurde von uns das FritzFon C5 implementiert, wofür lediglich eine kurze Einrichtung in der Fritzbox vonnöten war. So kann man auf dem Haustelefon ein Live-Bild des klingelnden Gastes erhalten und sich mit diesem unterhalten, wenn man denn möchte. Die App von TCS ist alternativ ebenfalls möglich, sie ist für iOS und Android erhältlich. Beim klingeln öffnet sich die Anwendung via Android sogar automatisch und kann direkt das Videobild mit anzeigen. Bei der iOS-Version wird jedoch nur ein Popup eingeblendet, was wohl an Apples Restriktionen bei den App-Rechten liegt. Eine Version für Windows 10 gibt es hingegen überhaupt nicht.


Nochmals der Hinweis: Die Inbetriebnahme der TCS-Videoklingel und der integrierten Kamera ist abhängig von der vorhandenen Hardware. Der entsprechende Router muss SIP-Fähig sein, die Verkabelung muss ebenfalls für eine solche Anlage vorbereitet sein. Hier kann der Elektriker des Vertrauens bei der Frage weiterhelfen, ob die Installation möglich ist, oder gegebenenfalls neue Kabel verlegt werden müssten.

Einbindung ins Smart Home

Unser Hausautomatisierungssystem basiert auf KNX (EIB-Bus) und gehört damit zu den bewährten Standards in der Industrie. Interessant ist in diesem Zusammenhang die Einbindung in bestehende Visualisierungssysteme. Im Falle der TCS-Türspechstation gehören hierzu zwei Komponenten: Einmal die Kommunikationsmöglichkeit via Sprache und einmal die Anzeige des Videobildes.

Getestet haben wir die Integration in zwei Visualisierungen, nämlich dem Gira X1 und den Gira Homeserver 4. Der X1 bietet eine komfortable, wenn auch begrenzte Möglichkeit zur Steuerung des Eigenheims über Smartphones und Tablets und eben der Anzeige von bis zu zehn Videostreams - eine Sprachkommunikation ist jedoch nicht möglich. Wichtig ist, dass die Kamera über eine definierte URL einen MJPEG-Stream ausgeben kann. Im Falle der AVU 14040 ist das problemlos möglich und das Bild kann mit nur wenigen Klicks eingetragen werden. Per Abruf des entsprechenden Buttons ist das Bild dann immer verfügbar. Technisch bedingt beträgt die Framerate nur wenige FPS, ankommende Besucher lassen sich damit aber schnell erkennen.

Mehr Möglichkeiten erhoffen wir uns vom Einsatz im Homeserver 4. Dieser gilt als der bekannteste Vertreter von KNX-Visualisierungssystemen und gehört auch zu den leistungsfähigsten seiner Art. Unterstützt wird der Betrieb in iOS- und Android-Systemen wie auch klassischen Windows-PCs. Auch hier klappte das Einbinden des Videostreams via MJPEG problemlos. Außerdem können wir dafür sorgen, dass das Bild automatisch angezeigt wird, sobald der Bewegungsmelder über der Haustür einen ankommenden Gast erkennt. Verbinden ließe sich das auch noch mit einem zusätzlichem Signal, beipsielsweise einer aufblinkenden LED-Leuchte, sodass man auch informiert ist, wenn man nicht direkt auf das Display des Visualisierungssystems schaut. Aber auch hier gilt: Man bekommt kein flüssiges Bild à la 60 FPS, sondern nur wenige Bilder pro Sekunde übermittelt.

Nicht geklappt hat in beiden Systemen das Einbinden der Sprachkommunikation, obwohl dies theoretisch möglich wäre. Das liegt aber eher in der Produktpolitik des Herstellers Gira: Dieser bietet die passende Schnittstelle nur für hauseigene Türkommunkationssysteme an, Dritthersteller wie in diesem Fall TCS werden nicht unterstützt.

Fazit

Die Videoklingel TCS AVU 14040 ist robust, hochwertig verarbeitet und kann vielseitig im Smart-Home integriert werden - die passende Hardware vorausgesetzt. Und da sind wir auch schon beim Knackpunkt: Dem Schwierigkeitsgrad des Einbaus und der Einrichtung. Wer ein neues Haus plant und/oder baut, für den stellt diese Klingel eine gute Alternative zu anderen Modellen dar. Will man die Videosprechanlage jedoch in ein vorhandenes Objekt integrieren, sollte man vorher ganz genau planen, ob alle Komponenten zusammenpassen, ansonsten kommt sehr viel Frust auf, bevor man den Komfort einer solchen Anlage genießen kann.

Die fix positionierte Kamera stellt sich in der Praxis ebenfalls als nachteilig heraus. Wird die Klingel neben der Tür platziert, kann man in den meisten Fällen den Besucher nicht vollständig sehen, weil man sich als Gast instinktiv vor die Tür stellt, nicht aber vor die Kamera. Im Interface der Klingelanlage ist die Funktion zum Bewegen sogar bereits vorhanden.

Der Preis ist ebenfalls ein Thema, bei dem es schwer wird, viele Kunden vom Kauf zu überzeugen. Wenn noch gar keine Ausrüstung vorhanden ist, schlägt die Anlage mit einer UVP von 1.150 Euro zu buche. Dazu kommt ein kompatibler Router, in unserem Fall die Fritzbox mit 260 Euro. Möchte man noch das optionale FRITZ!Fon C5 haben, ist man bereits bei einem Gesamtwert von 1.500 Euro, ohne die Kosten für den notwendigen Elektriker. Doch der Vergleich mit der Konkurrenz zeigt: SIP-Türsprechanlagen von namenhaften Herstellern sind nirgendwo günstig und bei einem derart wichtigen Bauteil, welches in der Regel für viele Jahre eingesetzt wird, sollte man definitiv nicht an der falschen Stelle sparen.

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