Test: DJI Goggles mit DJI Mavic Pro im Test

Nachdem sich DJI im Drohnenmarkt längst einen Namen gemacht hat, will man mit den DJI Goggles nun auch Anwender im FPV-Bereich überzeugen. In diesem Bereich kann vieles schief gehen - aber auch vieles gut, wie sich im Test zeigt. Wir haben das System in Kombination mit einer Mavic Pro genau unter die Lupe genommen.


Die bisher erhältlichen Drohnen von DJI sind besonders für ihren stolzen Preis bekannt, sie zeichnen sich anderseits aber auch durch eine hohe Funktionsvielfalt aus. Selbst bei der kürzlich erschienenen Spark, welche als "familientauglicher Quadrokopter" vermarktet wird, weicht man nicht von diesem Grundprinzip ab.

Gefehlt hatte in der Vergangenheit noch eine eigene FPV-Lösung, also eine Brille für den Einsatz im First-Person-View-Betrieb. Diese ist nun in Form der DJI Goggles für rund 500 Euro erhältlich und neuerdings zusammen mit einer Mavic Pro bei uns in der Redaktion gelandet. Im Folgenden verraten wir, wie sich das System in der Praxis schlägt. Dabei zeigen wir auch, ob das Headset aus technischer Sicht eine ernsthafte Alternative für klassische Analog-Brillen darstellt, wie Sie überwiegend im Drone-Racing verwendet werden.

Das Testpaket, welches wir von DJI für unser Review erhalten haben, beinhaltet neben den Goggles wie bereits erwähnt eine Mavic Pro, für die das System auch ursprünglich entwickelt wurde. Nichtsdestotrotz werden auch die Geräte der Serien Phantom 4 und Inspire unterstützt - künftig soll auch die neue Spark unterstützt werden, hierzu gibt es aber noch keine näheren Informationen. Uns lag weiterhin ein Netzteil bei, mit dem alle drei Geräte (Sender, Drohne und Brille) geladen werden können. In der Verpackung der Goggles liegt neben den Papieren aber auch noch ein zusätzliches, weißes Aufladekabel und ein HDMI-Kabel.

Im Folgenden werden wir hauptsächlich auf die neuen DJI Goggles eingehen und nur die grundlegenden Aspekte der Mavic Pro samt Fernsteuerung nennen - alles andere würde den Rahmen dieses Artikels ohnehin sprengen, da die Drohne selbst mit Unmengen an Funktionen aufwartet.

Design und Verarbeitung

Auf den ersten Blick wirkt die DJI-Brille wie ein schwerer Klotz, doch konstruktionsbedingt kommt man um das voluminöse Erscheinungsbild kaum herum. Die Goggles selbst bilden eine eigene Einheit und wiegen ziemlich genau 500 Gramm. Das Kopfband, in welchem sich auch der rund 9000 mAh große Akku befindet, wiegt noch einmal 500 Gramm und wird über einen Steckmechanismus an das Hauptteil montiert. Zusammen lastet also rund ein Kilogramm auf dem Kopf. Die Last verteilt sich aber recht gleichmäßig und fällt damit im wahrsten Sinne nicht allzu sehr ins Gewicht.  

Bei der Verarbeitung leistet sich DJI keine große Schwächen: Das Kopfband ist exzellent verarbeitet und fühlt sich trotz des hohen Kunststoffanteils sehr hochwertig an, dasselbe gilt für die gepolsterten Innenseite. Das Haupteil besteht ebenfalls aus viel weißem Plastik, lässt sich im Gegensatz aber leicht eindrücken, woraus auch gerne mal ein leichtes Knarzen hörbar wird.

Technik im Detail

Im Inneren des Headsets findet sich durchaus vielversprechende Technik. Zunächst einmal gibt es gleich zwei Displays (eines je Auge) mit FullHD-Auflösung, zusammengrechnet löst die Brille also in 3840 x 1080 Pixeln auf. Vom Nutzer selbst werden die beiden Panels ohnehin als ein einziges, großes Display wahrgenommen.

Das Sichtfeld beträgt 110 Grad und die minimale Latenz 110 ms, was für ein solches System mit digitaler Übertragung äußerst gut ist. Allerdings kommt man auf die minimale Latenz nur bei der Nutzung mit einer Mavic Pro; andere Drohnen wie die Inspire oder Phantom sind etwas träger und benötigen bis zu 190 ms.

Der Akku weist eine Kapazität von 9000 mAh auf und soll laut Hersteller für bis zu 6 Stunden Wiedergabezeit reichen. Unserer Erfahrung nach ist das ein durchaus realistischer Wert und weitaus mehr, als die Drohne beziehungsweise die Fernbedienung im Regelfall schaffen - dazu später mehr.

Während sich der Akku sowie der entsprechende microUSB-Anschluss zum Aufladen im Kopfband befinden, finden sich alle anderen Anschlüsse und Bedienelemente im Hauptteil. Schaut man in die Brille hinein, befindet sich an der rechten Außenseite der Powerbutton samt vier LED-Streifen zum Anzeigen des Akkustands. Daneben ist das große Touchpad angebracht, mit dem das Gerät bedient wird. Auf der Unterseite findet sich weiterhin ein Rädchen zum Einstellen der Linsen sowie zwei weitere Buttons (Zurück- und Funktionstaste).

Auf der rechten Seite gibt es eine Öffnung für den Lüfter sowie eine Gummiklappe, unter der sich der microSD-Slot und ein miniHDMI-Anschluss befindet. Zuletzt gibt es noch einen Stereolautsprecher, welcher jeweils rechts und links ertönt.

Praxistest

Natürlich würde man nach Erhalt des FPV-Systems am liebsten direkt losfliegen, allerdings gibt es vor dem ersten Abheben eine Menge zu beachten. Neben gesetzlichen Bestimmungen sollte man auch die korrekte Inbetriebnahme aller benötigten Komponenten genau im Blick haben. Besonders, wer noch nie eine Drohne von DJI genutzt hat, sollten diesen Punkt nicht unterschätzen.

Zum Betrieb empfiehlt es sich, die Drohne stets vollaufgeladen zu starten, da dessen Laufzeit in der Regel der einzige limitierende Faktor ist. Im Falle der Mavic Pro kann man so rund 15 bis 20 Minuten in der Luft bleiben. Aber auch die Fernbedienung und die Goggles sollten beim Start über einen Akkustand von mindestens 50 Prozent verfügen - je mehr, desto besser.

Negativ: Zur Einrichtung der Drohne setzt DJI zwingend eine Registrierung voraus, den vollen Funktionsumfang gibt es zudem nur nach Hinterlegung einer Kreditkarte oder der Telefonnummer. Schade ist ebenfalls, dass die zum Betrieb benötigte DJI Go 4 App gar kein (Android) oder nur schlecht übersetztes Deutsch (iOS) unterstützt.

Die rund 130 Megabyte große Anwendung ist immerhin komplett kostenlos und bringt einen großen Funktionsumfang mit. Auch ein Simulator findet sich dort, mit diesem kann man vor dem ersten Abheben gefahrenlos erste Flugmanöver wagen, allerdings ohne Goggles. Wir empfehlen, die App, soweit möglich, in englischer Sprache zu nutzen, denn dort wirkt sie am ausgereiftesten.

Während das Starten und manuelle Steuern der Drohne weitgehend über den Controller zusammen mit dem angeschlossenen Smartphone (iOS oder Android) funktioniert, kann die Videoübertragung auch direkt über die Brille gesteuert werden. Zur Verfügung steht hier entweder 1080p@30Hz für ein möglichst scharfes, oder 720p@60Hz für ein möglichst flüssiges Bild.

In der Praxis sieht das Bild der beiden FullHD-Panels sehr gut aus, wobei darauf standardmäßig auch eine Vielzahl an Telemetriedaten angezeigt wird, darunter der Akkustand, die vertikale und horizontale Geschwindigkeit und die Signalstärke. Im Menü lassen sich die zusätzlichen Informationen aber auch abschalten, womit nur das reine Live-Bild angezeigt wird. Beeindruckend ist, dass das Bild komplett kabellos übertragen wird und keinerlei zusätzliche Komponenten zur Einrichtung benötigt werden.

Das Menü selbst wird über eine Kombination aus Touchpad und den beiden unten angebrachten Knöpfen bedient. Bis man den Dreh heraus hat, dürften in der Regel einige Flüge vergehen. Da die Mavic Pro aber sehr präzise fliegt und die eigene Position selbstständig beibehalten kann, lassen sich auch im Flug selbst weitere Einstellungen vornehmen. Auch die Return-To-Home-Funktion kann über die Brille aktiviert werden, woraufhin die Drohne automatisch zum Startpunkt zurückkehrt.

Das Maximum als Features lässt sich aus den DJI Goggles nur herausholen, wenn man das Headset zusammen mit der Mavic Pro nutzt. Gefallen hat uns hier zum Beispiel die Head Tracking Gimbal genannte Funktion, bei der mithilfe von Kopfbewegungen die Kamera auf der Drohne gesteuert werden kann - schaut man etwa nach unten, neigt sich auch das Pendant nach unten.

Auch die gesamte Drohne lässt sich durch Bewegungssteuerung drehen, diese Funktion nennt sich Head Tracking Flight Mode. Sie ist aber besonders wegen der trägen Reaktion für Anfänger nur bei viel Freiraum zu empfehlen; möglichst präzise Flüge sollte man damit eher vermeiden.

Theoretisch beträgt die Reichweite der Goggles bis zu sieben Kilometer, unter realistischen Bedingungen sollte man aber natürlich nicht auf diesen Wert hoffen. Praktisch sind aber normalerweise dennoch mehrere Kilometer möglich, wobei das Bild dann natürlich zunehmend schlechter wird. Wir sind zwar aus Gründen der Sicherheit nicht an die technischen Grenzen gegangen, konnten aber auch bei größeren Distanzen stets die Kontrolle über das Fluggerät und das Videosignal behalten. Zudem werden bei drohendem Signalverlust schon im Voraus mehrere Warnungen angezeigt.

Nun kommt noch der obligatorische Vergleich mit klassischen FPV-Systemen. Die Mavic Pro ist zwar keine Racing-Drohne, mit einer Höchstgeschwindigkeit von rund 60km/h ist sie aber dennoch sehr leistungsfähig. Im Vergleich mit einer analogen Fatshark Attitude V2 fällt auf, dass sowohl Bildqualität, als auch das Sichtfeld erheblich besser sind - 3840 x 1080 Pixel bei 110 Grad (DJI) gegenüber 640 x 480 Pixeln bei 35 Grad (Fatshark). Auch die Reichweite ist hier deutlich besser (7 km gegenüber einigen hundert Metern).

Wie steht es um die Latenz und den Komfort? Bei Letzterem können kompakte FPV-Brillen mit analogen Übertragungsstandards klar ihre Stärken ausspielen: Im Falle der Fatshark Attitude V2 liegt das Gewicht bei nur 150 Gramm, ca. 1 Kilogramm sind es bei DJI. Die mit Abstand größte Bedeutung trägt im FPV-Sport jedoch die Übertragungsgeschwindigkeit. Die minimale Zeit von 110 ms der DJI-Kombination sind zwar für ein digitales System sehr gut, dennoch lässt sich bei schnellen Bewegungen selbst bei der Mavic Pro eine deutliche Trägheit erkennen. Bei der Attitude hingegen gibt es bei guten Bedigungen keine für Menschen merkbare Verzögung.

Fazit

Um die eingangs gestellte Fragestellung bezüglich der Alternative zu klassischen FPV-Systemen zu beantworten: Nein, die DJI Goggles sind (noch) kein geeigneter Ersatz für professionelle Racer und alle, die es werden wollen. Dafür überzeugt das System in der Summe aber mit einer hervorragenden Technik, die kinderleicht und auch stets zuverlässig funktioniert - im Falle der Mavic Pro sogar komplett kabellos. Das macht die Goggles zu einer lohnenswerten Ergänzung, wenn beim Drohnenflug die Sicht aus der Vogelperspektive gewünscht wird.

An Funktionen bietet das Duo aus Mavic Pro und Goggles weitaus mehr, als wir im Rahmen dieses Artikels behandeln können. Sieht man von einigen Übersetzungsmakeln (DJI GO 4) ab, ist aber nicht nur die Hardware, sondern auch die Software sehr gut umgesetzt und bietet einen guten Überblick über die jeweiligen Features.

Teuer, aber dafür technisch ausgereift und benutzerfreundlich: So lässt sich das Fazit zu DJIs FPV-System gut zusammenfassen - und dafür gibt es unsere PC-Max-Redaktionsempfehlung. Die Brille selbst kostet derzeit rund 550 Euro zuzüglich der passenden DJI-Drohne. Für das beste Nutzererlebnis ist noch eine Mavic Pro notwendig, die mit nochmals rund 1100 Euro zu Buche schlägt.

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