Test: Das Gaming Smartphone Razer Phone im Test

Am 1. November war es so weit, Razers "größte Enthüllung" der Unternehmensgeschichte kam ans Tageslicht. Es ist das Razer Phone, ein Smartphone, speziell für Gamer konzipiert. Es bietet ein Display mit hoher Bildwiederholungsfrequenz, massig RAM und Stereo-Lautsprecher verpackt in einem Metallgehäuse. Das klingt nach einem vielversprechenden Einstieg, aber ob sich das Gaming-Smartphone von der Masse abheben kann, lest ihr im Test.


Nach der Übernahme vom Cloud-Smartphone-Hersteller NextBit und dem Audio-Experten THX war bereits absehbar, dass Razer nicht nur bei Gaming-Peripherie und Laptops bleiben wird. Am 1. November war es dann so weit, das erste Smartphone des kalifornischen Herstellers erschien, "Von Gamern, für Gamer". Wie es der Slogan bereits verrät, wurde das Handy speziell für Spieler designt, ebenso wurde auf das visuelle Zusammenspiel mit anderen Razer-Produkten geachtet.

Auch technisch ist das Razer Phone auf dem neuesten Stand. Mit einem Qualcomm Snapdragon 835 und 2 x 4 GiByte LPDDR4-1866-RAM gehört das Smartphone definitiv zu den derzeitigen Flaggschiffen auf dem Markt. Aber besonders auffällig ist das von Razer beworbene 120-Hertz-Display von Sharp, welches mit 2.560 x 1.440 Pixeln auflöst. Weltweit ist es einzigartig, denn das Razer Phone ist das erste Smartphone mit einem 120-Hertz-Display, Apple hat es nur im iPad Pro vorgemacht, nicht aber beim iPhone. Ob das "Gaming-Smartphone" in der Praxis überzeugen kann, lest ihr im Folgenden.

Lieferumfang

Die Verpackung macht einen sehr edlen Eindruck, sie ist komplett in schwarz gehalten - vorne das Razer-Logo, an den Seiten ein Razer-Schriftzug und hinten die wichtigsten Informationen aufgedruckt. Beim Öffnen blickt einem dann das Razer Phone ins Gesicht. "Blättert" man um, findet man auch das Zubehör, alles penibel in kleinen Einzelkartons verpackt. Zum Lieferumfang gehört das Razer Phone selbst, ein USB-C zu USB-C Kabel, ein USB-C-Netzstecker und ein 24-Bit Digital/Analog-Wandler (USB-C zu 3,5-mm-Klinke).


Design und Verarbeitung

Erstmal die grundlegenden Dinge: Auf der Front befindet sich das 5,72" große Display, sowie die Stereolautsprecher und die Frontkamera, auf der Rückseite die Dual-Kamera, der LED-Blitz und das weiße Razer-Logo. Auf der linken Seite finden sich die Tasten für die Lautstärke wieder, auf der rechten Seite ist der Home/Ein-Aus-Schalter mit integriertem Fingerabdruckscanner. Darüber istder Sim/SD-Karten-Schacht. Auf der Unterseite ist die USB-C-Buchse, ein Mikrofon und die Geräteinformationen aufgedruckt. Auf der Oberseite findet man noch ein zweites Mikrofon, ansonsten zieren nur noch die unauffälligen Antennenstreifen das Handy.

Razer sagt zwar selbst, dass beim Design auf das Zusammenspiel mit den Blade-Modellen geachtet wurde, von der Form erinnert das Razer Phone aber stark an die Modelle der Sony Xperia Z-Reihe. Doch es gibt auch Ähnlichkeiten zu den Laptops von Razer. Dazu zählen beispielsweise die prominenten Stereo-Lautsprecher mit etlichen Löchern, die auch gleichzeitig Schmutz und Staubpartikel magisch anziehen. Die Lautsprecher nehmen recht viel Platz in Anspruch, aber das ist gewollt, denn so bleibt laut Razer genug Platz für die Hände beim Spielen.

Designtechnisch ist das Razer Phone kein Meisterwerk. Durch das sehr kantige und konventionelle Design wirkt es aus der Mode gekommen. Auch die sehr dicken Ränder, verursacht durch die Lautsprecher, machen es nicht besser. Der Full-Aluminium-Korpus hat zwar eine angenehme Haptik, aber ist nicht besonders griffig. Insgesamt ist das Design kein Reinfall, aber auch nicht wirklich zeitgemäß. Nichtsdestotrotz sind Geschmäcker verschieden, denn was dem einen nicht gefällt, kann der andere auch sehr gut finden.

Razer hat bereits zeigen können, dass ihnen gute Verarbeitung kein Fremdwort ist. Auch das Razer Phone ist hier keine Ausnahme. Alle Aussparungen sind sauber gefräst, es fühlt sich sehr gut an und das zugegebenermaßen hohe Gewicht von ca. 200 Gramm verleiht dem Razer Phone noch einmal einen Hauch an Wertigkeit. Zusammengefasst lässt sich sagen, dass die Verarbeitung insgesamt sehr gut ist und nicht viel Raum für Kritik lässt.

Technik und Software im Detail

Das Razer Phone ist, wie es sich für ein High-End-Smartphone gehört, sehr gut ausgestattet. Im Inneren werkelt ein Qualcomm Snapdragon 835, gepaart mit 8 GigaByte LPDDR4-1866-RAM. Bis zur Präsentation des Snapdragon 845 bleibt der 835 die Königsklasse der mobilen Prozessoren. Der interne Speicher ist 64GB groß und via Mircro-SD bis zu 2TB erweiterbar. Seit Android 7.0 Nougat kann die Speicherkarte auch in den Systemspeicher integriert werden. Das ist allerdings nur ein kleiner Trost, denn man muss sich immer noch eine microSD-Karte zulegen und der Zugriff auf solch eine Speicherkarte bleibt immer langsamer als beim fixeren internen Speicher.

Besonders beworben wird immer wieder das verbaute Display. Es ist ein 5,72 Zoll großes IGZO-LC-Display mit einer Auflösung von 2.560 x 1.440 Pixeln. Soweit ist das nichts Außergewöhnliches, wäre da nicht noch die "UltraMotion-Technologie", die für eine Bildwiederholungsfrequenz von 120 Hertz sorgt. Standard war bis dato 60 Hertz, damit ist das Razer Phone das erste Smartphone, welches ein 120-Hertz-Display spendiert bekommen hat.

Viel Kritik musste Apple bei Release das iPhone 7 aufgrund des fehlenden Kopfhöreranschlusses einstecken. Das ist beim Razer Phone nun auch Realität, denn auch hier muss man auf die gewohnte 3,5 mm Klinke verzichten. Dafür hat man den Fokus auf die Stereo-Frontlautsprecher mit Dolby-Atmos-Unterstützung gelegt. Beide Lautsprecher haben jeweils einen eigenen Verstärker, bereits bei der Hälfte der Lautstärke hat der Sound beeindruckt. Allerdings waren diese werksseitig katastrophal eingestellt, erst die Dolby-Atmos-App schaffte hier Abhilfe und sorgte für das gewünschte Klangbild.

Ab Werk ist das Razer Phone mit Android 7.1.1 Nougat ausgestattet. Für das erste Quartal 2018 ist bereits ein Update auf Android 8.0 Oreo angekündigt worden. Zusätzlich vorinstalliert ist die sonst kostenpflichtige Premium-Version des Nova-Launchers - dessen Individualisierungsmöglichkeiten sind sagenhaft. Wer sein Handy Razer-like anpassen möchte, für den hält der Hersteller im eigenen Theme Store kostenlose Erweiterungen bereit wie etwa Wallpaper, Systemfarben, Klingeltöne und App-Symbole durch bekannte Spiele wie "Shadowgun Legends" oder "Arena of Valor".

Für viele kommt jetzt wahrscheinlich das wichtigste Bewertungskriterium: Die Kamera. Hier verbaut Razer eine Dual-Hauptkamera mit Sensoren von Samsung. Das Weitwinkelobjektiv kommt mit einer 12-Megapixel-Auflösung und einer Blende von f/1.7. Die zweite Kamera besitzt einen 2-fach optischen Zoom, hat 13 Megapixel und eine Blende mit f/2.6 (beide Kameras mit PDAF-Unterstützung). Die Front-Kamera kommt mit einer 8-Megapixel-Auflösung und einer Blende von f/2.0 daher. Auf dem Datenblatt entspricht dies in etwa dem Durchschnitt im Wettbewerb.

Der Akku hat 4.000 mAh und gehört damit zur oberen Liga, nur das Huawei Mate 10 Pro kann hier mithalten. Durch die Schnelllade-Technologie QuickCharge 4.0 Plus dürfte das Laden auch nicht allzu lang dauern. Apropos Laden, das funktioniert hier mit Hilfe von einem Type-C Anschluss. Besonders ist hier, dass es auch USB-3.0 Type-C ist, denn viele aktuelle Smartphones unterstützen immer noch das langsamere USB-2.0 Type-C.

Praxistest

Das Razer Phone ist vor allem fürs Mobile Gaming konzipiert worden. Und ja, die extra breiten Seiten lassen das Handy wirklich besser in der Hand liegen. Hinzu kommt noch das 120-Hertz-Display für eine butterweiche Darstellung. Bei Spielen im Querformat ist das Razer Phone definitiv nicht schlecht, aber abgesehen vom 120-Hertz-Display gibt es nichts, was Flaggschiffe anderer Hersteller nicht können. Beispielsweise ist das Google Pixel XL 2 mindestens genauso schnell, denn in beiden steckt der gleiche Prozessor, dadurch macht sich in der Praxis ein Unterschied kaum bemerkbar.

Und auch sonst finden wir nicht, dass das Razer Phone das Handy "zum Zocken" ist. Aber gut ist es allemal. In der Praxis konnte nicht wirklich eine Schwäche herausgestellt werden. Es läuft zuverlässig, Software-Abstürze gehören zur Seltenheit und Apps starten immer schnell. Vor allem das geschmeidige Scrollen durch das 120-Hertz-Display ist im Alltag immer sehr positiv aufgefallen.

Ein wichtiger Aspekt ist natürlich die Kamera, und diese konnte nur teilweise überzeugen. Das liegt im Grunde nur an Razers Kamera-App, sie bietet derzeit zu wenige Funktionen. Nicht einmal ein Porträt-Modus ist verfügbar, obwohl zwei Kameras vorhanden sind. Weiterhin ist keine Schaltfläche da, um auf das Teleobjektiv umzuschalten. Wir können zwar mit den Fingern zoomen, aber wissen nicht, wann wir den Brennweitenbereich verlassen - also vom Digitalzoom zum optischen Zoom wechseln und zurück. Positiv ist natürlich, dass es überhaupt einen optischen Zoom gibt, dieser fehlt bei vielen Konkurrenzmodellen vollständig.

Aber abgesehen von der bescheidenen Kamera-App schießt das Razer Phone dennoch schöne Fotos. Bei Tageslicht sehen die Fotos sehr gut aus, es brauch sich also nicht vom Google Pixel 2 XL verstecken. Die Schärfe stimmt und es weist sogar weniger Artefakte auf, als bei Googles aktuellem Flaggschiff. Bei schlechten Lichtverhältnissen nimmt die Zahl der Artefakte zu und es tritt merkbares Rauschen auf, aber die Qualität bleibt weiterhin auf einem hohen Niveau - vergleichbar mit dem Pixel 2 XL oder auch dem Galaxy S8, welches als direktes Vergleichsmodell diente. 

Bei Videoaufnahmen macht sich der Bildstabilisator positiv bemerkbar: Bei FullHD funktioniert dieser sehr gut, bei 4K-Aufnahmen allerdings nur noch minimal. Die Bildrate lässt sich leider nicht einstellen. Schade ist auch hier der eingeschränkte Nutzen der Kamera-App - nicht mal Zeitlupe/Zeitraffer-Videos lassen sich derzeit mit dem Razer Phone einfangen. Ein Update wird zwar kommen, aber eine vollständige Kamera-App direkt zu Release wäre die elegantere Wahl gewesen. Selfies lassen sich mit der 8-Megapixel-Frontkamera ausreichend gut einfangen.

Um das Handy schnell zu entsperren, ist der Fingerabdruck-Scanner da. Dieser funktioniert prinzipiell auch schnell und zuverlässig, doch er lässt sich sehr schwer ertasten. Da der Knopf eben zum Rahmen eingelassen ist und auch nicht geriffelt ist, sondern eine glatte Glas-Oberfläche hat, lässt sich der Scanner nicht immer beim ersten Mal treffen. Wir finden den Button an der Seite sehr gut, denn man hat seine Finger beim Halten sowieso immer in dieser Position. Doch die genaue Platzierung ist eher suboptimal.

Fazit

Razers Motto "For Gamers, by Gamers" trifft nur teilweise zu. Obwohl es explizit als ein Smartphone fürs Zocken verkauft wird, sehen wir das genau andersrum. Die Vorteile die man beim Zocken gegenüber anderen Smartphones halten sich in Grenzen, auch das 120-Hertz-Display lässt mit dem bloßen Auge kein nennenswerten Unterschied zum Pixel 2 XL erkennen. Immerhin: Beim Scrollen und in einigen anderen Apps läuft es in der Tat spürbar flüssiger, und in Zukunft sollen auch mehrere Titel diverser Entwickler erscheinen, die sich das 120-Hertz-Display zu Nutze machen. Das klingt doch vielversprechend.

Ist es ein Handy für Gamer? Jain. Man kann damit Zocken, aber Vorteile gegenüber anderen neuen Flaggschiffen wie dem Google Pixel 2 Xl bestehen hier nur teilweise. Wir finden das Razer Phone als normales Smartphone gut, aber nicht unbedingt als "Gaming-Phone". Für 749,99 Euro (derzeit nur im Razer Online-Shop erhältlich) erhält man ein Handy mit aktuellster Hardware und einzigartigem 120-Hertz-Display. Damit liegt der Preis unter dem, was beispielsweise Google, Apple oder Samsung für ihre Flaggschiffe verlangen, in unseren Augen nicht gerade günstig, aber angemessen. Aus diesem Grund hat sich das Razer Phone unsere Redaktionsempfehlung auch verdient.

Kommentar des Autors: Im Alltag schlug sich das Handy gut, aber für mich war das Gerät deutlich zu groß. Manchmal kam es mir wie ein richtiger Klotz vor und die ca. 200 Gramm haben das nicht verbessert. Auf der anderen Seite läuft das Handy absolut zuverlässig, das Display ist auch bei Sonnenschein gut ablesbar und die Kamera schießt sehr gute Fotos. Und wenn man sich dann in der Bahn langweilt kommt das zockerfreundliche Design gerade Recht, denn auch nach einer Stunde "Gear.Club" ließ sich das Handy angenehm halten und ungewollte Eingaben waren so gut wie nie der Fall.

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Ilias

Datum:
24.11.2017 | 16:07 Uhr
Rubrik:
Sonstiges
Tags:
120Hz Gaming Handgerät handy High-End Phone Razer Razer Phone Smartphone

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