Test: Bowers & Wilkins PX Wireless Kopfhörer im Test

Hochwertige Kopfhörer brauchen längst mehr als nur einen guten Sound, um mit Konkurrenten von Bose, Plantronics und Co. mithalten zu können. Als langjähriger Audiospezialist hat Bowers & Wilkins in seinem Kerngebiet schon sein Knowhow beweisen können. Doch können im PX auch die zugehörigen Features - allen voran das aktive Noise Cancelling - überzeugen? Wir zeigen es euch im Test.


Bowers & Wilkins gehört zu den Herstellern, die für eine außerordentlich gute Soundqualität stehen. Da ist es wenig überraschend, dass das Unternehmen von seinem Knowhow nicht nur bei stationären Boxensystem, sondern auch im Kopfhörermarkt profitieren möchte. Mit dem Modell PX greift man neuerdings nach den Kunden, die auch andere Hersteller wie Bose mit dem Quiet Comfort 35 ansprechen. Doch der Kostenpunkt von 399 Euro (UVP) lässt die Erwartungen entsprechend hoch ausfallen. Schließlich verlangt die Konkurrenz für ähnlich ausgestattete Modelle teils deutlich weniger.

Zwar gibt es mit Modellen wie dem Bowers & Wilkins P9 noch deutlich teurere Geräte, doch diese sprechen im Vergleich nur einen kleinen Nischenmarkt an. Das PX muss sich daher insbesondere mit unseren Referenzgeräten Bose QC 35, dem Vorgängermodell QC 25 sowie dem Plantronics Backbeat Pro 2 messen.

Zubehör und Verarbeitung

Bowers & Wilkins ließ uns das nagelneue Testgerät in der sauber versiegelten Verpackung liefern. Im Inneren des Kartons liegt schließlich der Kopfhörer, eine hochwertige Transporttasche aus Stoff, ein USB-C-Ladekabel und ein 3,5mm-Klinkenkabel. Letzteres dürfte aber eher selten genutzt werden: Zum einen verfügt das PX über eine praktische Bluetooth-Funktion, zum anderen aber besitzen immer weniger moderne Smartphones den passenden Klinkenstecker.

Als allererstes fiel uns nach dem Auspacken die Beschaffenheit auf: Das Headset ist exzellent verarbeitet und vermittelt einen außerordentlich hochwertigen Eindruck. Das gesamte Gerät besteht aus hochwertigen Materialien und lassen nicht den kleinsten Fehler erkennen. Aber auch das Design trägt zum sehr guten Gesamteindruck bei, die schlanken Formen und unauffällige Knöpfe wissen hier definitiv zu gefallen. Ebenfalls schick anzusehen ist das mit Stoff umflochtene Kabel, das parallel zum Bügel verläuft und beim Aufziehen zunehmend sichtbar wird - wobei zu hoffen ist, dass darunter nicht die Haltbarkeit leidet. In der Summe hat Bowers & Wilkins bei der Verarbeitung aber hervorragende Arbeit geleistet.

Im Übrigen lassen sich die Leder-Polster an beiden Seiten abnehmen, womit die nackten Treiber zum Vorschein kommen. Letztere sind auch leicht nach vorne geneigt, was für einen räumlicheren Klang sorgen soll.

Das Feature-Set

Vorweg sei gesagt, dass sich alle Knöpfe und Anschlüsse beim PX am rechten Bügel angebracht sind. Das Gerät kann zwar normal über ein 3,5mm-Kabel betrieben werden, doch aufgrund der Bluetooth-Funktion bietet es sich an, das Headset kabellos zu nutzen.

Für den Wireless-Modus gibt der Hersteller eine Laufzeit von 22 Stunden bei aktivierten Noise Cancelling an, ohne Geräuschunterdrückung sollen es 33 Stunden sein. Lobenswert ist, dass man zum Aufladen auf den neuen USB-C-Anschluss setzt, anstatt den veralteten microUSB-Stecker zu nutzen.

Bowers & Wilkins hat in sein neues Modell einige Funktionen gepackt, die wir schon vom Backbeat Pro 2 kennen. Dazu gehört eine Sensorik, welche automatisch erkennt, ob der Nutzer des Headset trägt. Damit kann die Musik automatisch gestartet und pausiert werden, je nachdem ob das Headset aufliegt oder nicht. Das funktioniert an sich prima, kann in einigen Sonderfällen aber zum Problem werden - beispielsweise ist das System oft irritiert, wenn man nur mit einem Hörer Musik hören will, aber das andere Ohr freihält, um die Umgebungsgeräusche besser wahrzunehmen.

Außerdem funktionierte das Feature in unserem Test nicht mit Musikvideos - dort wird beim Abnehmen des Kopfhörers die Musik kurz gestoppt, aber weniger Sekunden später von alleine weiter abgespielt. Bei häufigen Auf- und Absetzen ist das eher störend, als hilfreich.

Das Noice Cancelling im Vergleich

Inzwischen nimmt das ANC (Active Noise Cancelling) eine immer wichtigere Rolle bei höherpreisigen Kopfhörern ein, weshalb wir auf dieses Feature genauer eingehen. Beim PX kann die Funktion bei Bedarf auch ausgeschaltet werden, dazu raten wir aber höchstens dann, wenn man sich in einer stillen Umgebung befindet. Generell nehmen wir bei aktivierem NC ein ganz leichtes Rauschen wahr, das aber nicht weiter stört.

Im direkten Vergleich mit dem Quiet Comfort 35 kann sich das PX sehr gut behaupten: Im tiefen Frequenzbereich (zB. in der Flugzeugkabine) dämpft das PX besser als unser Bose-Referenzgerät, bei hochfrequenteren Tönen (zB. beim Staubsaugen oder bei Gesprächen) kann jedoch der Bose besser filten, ähnlich verhält es sich auch mit dem Vorgänger Quiet Comfort 25. In beiden Fällen abgeschlagen liegt dagegen der Backbeat Pro 2, welcher subjektiv nur halb so gut die Umgebungsgeräusche reduzieren kann. Insgesamt würden wir das ANC des PX und QC 35 als gleichwertig einstufen, da es subjektiv betrachtet keinen klaren Gewinner gibt. Dass der QC 35 aber speziell im Flugzeug-Vergleich abfällt, überrascht uns etwas.

Praxistest

Der Tragekomfort ist soweit gut und lässt wenig Spielraum für Kritik. Aufpassen muss der Nutzer jedoch wegen des hohen Gewichts von 335 Gramm. Zwar sitzt das Gerät passgenau auf dem Kopf, bei schnellen Kopfbewegungen kann es aber schnell den Halt verlieren - im Test ist uns das PX aus diesem Grund einmal fast nach hinten heruntergefallen. Außerdem schallt der Sound stark nach außen ab, sofern man die Polster nicht perfekt auf die Haut auflegt.

Beim Sound zeigt sich B&W von seiner besten Seite: Wir nahmen ein sehr ausgewogenes und angenehmes Klangbild wahr, ohne auch nur einmal zusätzlich Hand an zusätzlichen Einstellungen anlegen zu müssen. Sowohl Bose, als auch Plantronics kommen hier nicht an die Soundqualität des PX heran - wobei natürlich erwähnt werden muss, dass die Konkurrenten teils erheblich günstiger zu haben sind.

Für Android und iOS bietet der Hersteller eine eigene Applikation an. Die Kopplung unseres Google Pixel 2 mit dem PX verlief dabei schnell und unkompliziert. Prinzipiell bietet die App sinnvolle Funktionen wie eine Akkuanzeige des Kopfhörers und die Option, das ANC anhand verschiedener Profile anzupassen oder aber komplett aufzuschalten. Darüber hinaus lassen sich darüber ebenso künftige Firmwareupdates installieren. Jedoch ist es uns absolut unverständlich, warum der Hersteller zur Nutzung der App zwingend unsere Standortdaten verlangt. Außerdem scheint die Akkuanzeige in der App sehr unpräzise zu sein. Mehrmals konnten wir beobachten, wie die Prozentzahl innerhalb weniger Minuten um mehr als zehn Prozent hin und her sprang.

Ebenso wie Plantronics bietet Bowers & Wilkins beim PX auch eine automatische Standby-Funktion, mit der das Gerät mit nur einer Akkuladung problemlos mehrere Wochen durchhält. Die Sensoren erkennen dabei alleine, wann der Träger das Headset wieder aufnimmt und startet den Wiedergabemodus entsprechend selbstständig ein und aus. Das Gerät kann aber auch komplett abgeschaltet werden, indem der Slider-Button auf der rechten Seite für ca. zwei Sekunden angezogen wird. Im Test kam es aber einmal vor, dass das Gerät nicht automatisch in den Standby-Modus schaltete und am nächsten Tag komplett leer war. Da sich der Fehler nicht wiederholte, gehen wir hier von einem Einzelfall aus.

Fazit

Schon direkt zu Beginn unseres Tests konnte das PX mit seiner hervorragenden Verarbeitung und dem eleganten Design positiv auf sich aufmerksam machen. Aber auch die "inneren" Features können überzeugen: Die Soundqualität ist ausgesprochen gut und die zusätzlichen Funktionen aus unserer Sicht sinnvoll implementiert. Beim Noise Cancelling kann man den Platzhirsch Bose zwar nicht besiegen, aber mit diesem zumindest gleichziehen. Welches Modell hier besser geeignet ist, hängt eher vom jeweiligen Anwendungsprofil ab. Einen Pluspunkt gibt es zudem für den ordentlich dimensionierten Akku und den zeitgemäßen USB-C-Port. Als Nachteil erwies sich aber das hohe Gewicht und die nicht ganz optimale Abschirmung nach außen hin, auch kleinere Fehler wie die fehlerhafte Akkuanzeige trüben den ansonsten sehr guten Gesamteindruck.

Mit aktuell 395 Euro ist der B&W PX definitiv kein Schnäppchen, bekommt aufgrund der überzeugenden Leistung aber unsere Redaktionsempfehlung ausgesprochen. Wer mit einigen Kompromissen beim Klang und dem Noise Cancelling leben kann, findet mit dem nicht mal halb so teuren Plantronics Backbeat Pro 2 (zum Test) für rund 170 Euro (Stand: 03/2018) aber eine preisgünstige Alternative.

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