Test: Logitech G920 Driving Force Lenkrad im Test

Seit Kurzem steht mit dem Logitech G920 ein neues Lenkrad für PC-Rennfahrer bereit, das nicht nur das bewährte G27 ablöst, sondern auch noch einige besondere Features wie ein progressives Bremspedal mitbringt. Doch wo genau die Unterschiede zur Vorgängergeneration liegen, wollen wir euch in unserem Testartikel erläutern. Dafür haben wir das Logitech G920 einige Wochen lang auf einem Playseat in Project Cars ausprobiert. Wie sich das neue Lenkrad schlägt, erfahrt ihr in diesem Artikel. 


Logitech hat im dritten Quartal dieses Jahres zwei neue Lenkräder angekündigt, die für unterschiedliche Plattformen konzipiert sind. So eignet sich das G29 für PC, Playstation 3 sowie Playstation 4 und bringt einige Zusatzknöpfe mehr mit, als das Gegenstück G920. Auch die Optik beider Lenkräder wurde vom Hersteller an einigen Stellen verändert. Außerdem verfügt das G29 über eine analoge Drehzahlanzeige über LEDs. Auf dieses Feature muss das G920 verzichten. Ein Grund dafür könnte die fehlende Unterstützung Seitens der Xbox One sein, für die das Lenkrad entwickelt wurde. Nichtsdestotrotz ist das G920 auch zur PC-Plattform kompatibel. Deshalb haben wir uns das Modell näher angeschaut und einige Zeit an einem Playseat und in Project Cars ausführlich ausprobiert. 

Zu den Besonderheiten des Logitech G920 Driving Force gehören zudem das progressive Bremspedal und die durchaus hochwertige Materialwahl. Ob das am Ende allerdings reicht, um - in Anbetracht der bereits von G27 bekannten Force-Feedback-Technologie - ein empfehlenswertes Gesamtpaket abzuliefern, soll unser Test klären.

Verpackung und Lieferumfang

Ausgeliefert wird das G920 in einemrecht kompakten Karton, der dem neuen Gaming-Style von Logitech entspricht und alle nötigen Infos zum Lenkrad enthält.

Im Inneren wurden die Lenkeinheit, die Pedale und das Netzteil extrem platzsparend ohne Schaumstoffschutz untergebracht. Lediglich Plastikbeutel schützen vor Kratzern. Hier könnte Logitech sicherlich für einen besseren Transportschutz sorgen. Allerdings kam unser Testmuster ohne Beschädigungen bei uns an. Neben dem Lenkradset steckt anders als beim G27 keine Schalteinheit mitgeliefert. Diese muss für knapp 55 Euro separat erworben werden. Ansonsten liefert der Hersteller eine Kurzanleitung und einen Garantiezettel mit. Eine Treiber-CD ist aufgrund der Tatsache, dass die jeweils aktuellste Gaming-Software auf der Support-Seite zum Download bereitsteht, nicht enthalten. Doch der wohl größte Kritikpunkt an dieser Stelle sind die fehlenden Schrauben für die Playseat-Montage.

Das Logitech G920 Driving Force im Detail

Logitech setzt beim G920 auf eine edle Optik und kombiniert feinste Materialien miteinander. So setzt sich das Lenkrad aus schwarz eloxierten Aluminium-Speichen und gebürsteten Edelstahl-Schaltwippen zusammen. Die Grifffläche selbst, ist mit handgenähtem Echtleder überzogen, was für ein angenehmes Feeling beim Fahren führt. Leider ist der Überzug nicht einhundert Prozent perfekt verarbeitet und zeigt ein paar Falten. Der Haptik oder Funktionalität schadet das allerdings nicht.

Die Bedienelemente sind so angebracht, dass die Navigation durch das Spielmenü einfach erfolgen kann, ohne Tastatur oder Maus zu Hilfe zu nehmen. Dafür stehen ein analoges Steuerkreuz, vier Xbox-Knöpfe und fünf weitere Buttons zu Verfügung. Eine Status-LED und eine optischer Ring zur Symbolisierung der Lenkradmitte wurden ebenfalls integriert. Das weiße Licht leuchtet allerdings sehr hell und dürfte den ein oder anderen beim Spielen in dunkler Umgebung sicherlich stören.

Befestigt wird das G920 wie von Logitech gewohnt, über zwei Klemmungen an der Unterseite. Diese bestehen aus Glasfaserverstärktem Nylon und bieten Freiraum, um das Lenkrad an bis zu fünf Zentimeter dicken Tischplatten montieren zu können. Die oben befindlichen Verschraubungen lassen sich im Gehäuse versenken und fallen dann weniger auf. Zusätzlich implementiert der Hersteller zwei Schraublöcher, um das Lenkrad an der Halteplatte eines Racing-Seats zu fixieren.

An der Unterseite versteckt Logitech die Anschlüsse von Pedal- und der optionalen Schalteinheit sowie der Stromversorgung. Auch das Hybrid-Kabel für die Verbindung mit dem PC via USB oder der Xbox One entspringt dort aus dem Gehäuse. Für ein optimales Verlegen der Leitungen sind Kanäle in die Unterseite eingelassen.

Im Kunststoffgehäuse verstecken sich zwei elektrische Motoren, die laut Logitech für ein realistisches Force Feedback sorgen sollen. Die Kraftübertragung erfolgt über eine Schrägverzahnung, was realitätsgetreu erzeugte Kräfte ohne Unterbrechungen verspricht. Geräusche werden von der integrierten Stoßdämpfung auf ein Minimum reduziert. Dabei führt dieses Feature zusätzlich auch noch zu einem geschmeidigen Ansprechverhalten des Lenkrads. Das komplette Technik-Paket kam bereits erfolgreich im G27 zum Einsatz. Ergo gibt es in diesem Bereich wenig Neues. Dennoch arbeitet das Force Feedback beim G920 etwas sanfter als beim Vorgänger.

Die Pedaleinheit ist mit Gas, Kupplung und Bremse ausgestattet. Letzteres bildet das Highlight des G920, da Logitech auf eine progressive Kennlinie setzt. Sprich: Das Pedal verhärtet sich, umso stärker es betätigt wird. Damit soll ein realistischeres Bremsgefühl entstehen. Außerdem verspricht der Hersteller, dass dieses Features zur besseren Dosierung der Bremskraft führt. Hinsichtlich der Materialwahl setzt Logitech auch in diesem Bereich auf einen Mix aus Edelstahl und Kunststoff. Die Pedalarme sind aus verchromten Metall gefertigt, was eine hohe Stabilität zufolge hat. Ansonsten liegen die Trittflächen aus Edelstahl auf Kunststoffblöcken auf. Für eine Individualisierung der Pedaleinheit lassen sich die Trittflächen versetzen und in drei verschiedenen Abständen montieren. Das Ganze erfolgt mittels zweier Inbus-Schrauben pro Pedal und funktioniert sehr einfach.

Bei dem Kabel an der Vorderseite der Pedaleinheit verzichtet Logitech unverständlicherweise auf einen Knickschutz.

Logitech Gaming Software

Damit das G920 ordnungsgemäß funktioniert, empfiehlt Logitech die Installation der hauseigenen Gaming Software. Damit lässt sich jede Taste des Lenkrads konfigurieren und ein gewünschter Befehl darauf legen. Auch die Intensität der Pedalfunktion kann dort nach Belieben eingestellt werden. Das Erstellen von individuellen Profilen und die Aktualisierung der Firmware gehört ebenfalls zum Umfang des Logitech-Tools.

Praxistest

Um das Logitech G920 in der Praxis auch wirklich ordentlich testen zu können, haben wir das Lenkrad samt Pedaleinheit auf einen Playseat Challenge geschnallt und einige dutzend Stunden intensiv bei Project Cars genutzt. Direkt beim Einschalten fällt auf, dass die Elektronik sehr leise arbeitet und die harten Anschläge beim Kalibrieren im Gegensatz zum G27 oder Driving Force GT deutlich abgedämpft wurden. Durch den ruhigen Betrieb fällt das G920 bei der Benutzung kaum auf, was dem Simulationseffekt deutlich entgegenkommt. Außerdem zeigte die erste längere Fahrt, wie stark die angenehme Haptik positiv ins Gewicht fällt, denn auch nach mehreren Stunden in Aktion fühlt sich das Leder nicht unangenehm an oder rutscht durch die Hände. Die Schaltvorgänge mit den beiden recht groß dimensionierten Edelstahl-Wippen fühlen sich ebenfalls sehr knackig an und erfolgen entsprechend rasant. Was allerdings wie vermutet stört, ist die sehr helle LED an der Vorderseite des Lenkrads.

Das Force-Feedback-Gefühl lässt sich zwar nur subjektiv widergeben, allerdings fällt die von Logitech gewählte Einstellung sehr angenehm und stark in Richtung Realität an. Der Fahrer spürt genau, wann das Auto ausbricht, rutscht oder gar den Bodenkontakt verliert. Im Verglich mit anderen Lenkrädern, zeigt sich das Force Feedback des G920 als vernünftig und nicht übertrieben. Insgesamt führen sich die verschiedenen Klassenwagen mit dem Lenkrad sehr gut und die unterschiedlichen Fahreigenschaften waren während der Testphase gut zu spüren.

Etwas skeptisch standen wir dem progressiven Bremspedal gegenüber. In der Praxis überzeugte das Feature aber. Zwar wird die Realität nicht erreicht, da der Kraftaufwand zum Ende hin zu hoch wird, dennoch fühlt sich das Setting gegenüber einem linearen Bremspedal deutlich besser an und ermöglicht eine bessere Bremsdosierung. Logitech sollte überlegen, einen noch etwas weicheren Anschlagpuffer anzubieten. Ausreichenden Halt findet die Pedaleinheit durch eine Teppichkralle oder bei glatten Böden durch Gummi-Füße. Hektischen Fahrern empfehlen wir aber die Positionierung an einer Kante, was gerade bei Laminat und Co. für die bessere Fixierung sorgt. Nichtsdestotrotz konnte die Pedaleinheit insgesamt überzeugen.

Fazit

Logitech liefert mit dem G920 ein Lenkrad ab, was zwar auf die altbewährte Force-Feedback-Technologie mittels zweier Motoren mit Schrägverzahnung zurückgreift und damit keinen technischen Vorsprung zum G27 bietet, dafür aber mit sehr guten Simulationseigenschaften punktet. Durch die gewählten Materialien stimmen zudem nicht nur das Design, sondern auch die Haptik und das Fahrgefühlt. Insgesamt überzeugt das Logitech G920 als Gesamtpaket, auch wenn an der einen oder anderen Stelle kleine Mängel hinsichtlich der Verarbeitung und des Zubehörs hinzunehmen sind. Letztere dürften aber für einen aktuellen Preis von knapp 300 Euro (Stand 12/2015) zu verschmerzen sein. Gerade durch die Tatsache, dass in in diesem Budget-Bereich nur wenige gute Alternativen mit Dreifach-Pedaleiheit und derartigen Materialien zu finden sind, kann das Logitech G920 mit einem guten Preis-Leistungs-Verhältnis aufwarten. Daher vergeben wir unserenentsprechenden Award:

Wer auf eine zusätzliche Schaltpunktanzeige nicht verzichten kann, sollte dann eher zum G29 greifen. Selbiges kostet aktuell aber rund 40 Euro mehr.

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