Test: Intel Core i9-7980XE (14nm Skylake-X) im Test

Mit dem Core i9-7980XE will Intel die Krone zurück: Die schnellste CPU möchte der Hersteller im eigenen Portfolio führen, geht dabei aufs Ganze und scheut nicht davor ein eigentlich noch nicht geplantes Produkt doch noch schnell auf den Markt zu bringen. Der Ehre wegen.


Intels Stolz war mit AMDs Rückkehr im High-End-Segment durchaus angeschlagen: Threadripper ist einfach da gewesen und damit konnte AMD nun zeitweise den schnellsten, für Endkunden erwerbbaren Prozessor anbieten. Intel musste zu dieser Zeit - das sind nur wenige Wochen - zusehen, wie der Erzrivale den eigenen Zehnkerner in Form des Core i9-7900X in die Knie gezwungen hat - noch deutlicher war de Unterschied der gleich teuren Prozessoren in Multi-Core-optimierten Anwendungen, bei denen AMDs Ryzen Threadripper 1950X dem Intel COre i9-7900X fast immer die Rücklichter gezeigt hat. Kleiner Wermutstropfen: Intels 1.000-Euro-Gegenstück war in Spielen immerhin ein bisschen schneller.

Das zeigt auch, dass dieses Jahr nicht irgendein Jahr mit Neuankündigungen ist. Der Prozessorkampf ist neu entfacht und jetzt geht es nicht wie damals nur mit extrem hohen Taktfrequenzen, sondern eher um die Anzahl der Kerne. Intel sah den Core i9-7900X als das diesjährige Topmodell an, das fortan das Produktfolio anführen soll, bis AMD um die Ecke kam. Auch wenn die Roten wissen, dass die eigene Zen-Architektur nicht ganz an die IPC der Intel-Konkurrenz herankommt, mit mehr Kernen kann man dem Käufer dennoch ein gewichtiges Gegenargument liefern. 

So oder so gesehen könnte AMD als Konkurrent zu Intel wohl den Anstoß zur Veröffentlichung des Core i9-7980XE gemacht haben. Dazu musste Intel sich auch der Server-Technik bedienen - Ähnlichkeiten zu den Xeon-Ablegern sind nicht von der Hand zu weisen. Denn es steht viel im Spiel: Denn es ist mehr ein Prestigeprojekt, das man mit dem Core i9-7980XE hat. Nämlich den schnellsten Desktop-Prozessor überhaupt im eigenen Produktportfolio zu führen.


Die Grundlage des neue Prozessors bildet die skalierbare Xeon Gold 61xx-Baureihe, die der Intel Core i9-7980XE entstammt. Mit der Skylake X-Architektur kommt das Modell mit 18 Kernen und 36 Threads daher - das entspricht einer Steigerung von 80 Prozent gegenüber dem ursprünglichen, vorher geplanten Core i9-7900X mit 10 Kernen. Zusammen mit drei weiteren High-End-CPUs, die allesamt in Sachen Kern- und Threadanzahl unter dem 18-Kerner angesiedelt sind, will Intel erneut den HEDT-Markt dominieren.



Taktfrequenz und Turbo

Einige Aspekte sollten vor detaillierter Betrachtung der Leistungsfähigkeit der neuen Core i9-Prozessoren beachtet werden. Auch wenn man stets bestrebt ist, höhere Taktraten zu erreichen: Intel kann mit steigender Kernanzahl nicht die Geschwindigkeit eines jeden Cores aufrechterhalten und senkt den Kerntakt mit Steigerung der Kerne. Somit hat die Anzahl der Threads und Kerne direkten Einfluss auf die Arbeitsgesschwindigkeit eines jeden einzelnen Kerns.

Nichtsdestotrotz ist es interessant zu wissen, wie Intel die schnellsten Prozessoren mit vielen Kernen betreiben will. Zum einen wird anhand der Turbo Bin-Spezifikation die Taktfrequenz gesteigert, wenn weniger Kerne genutzt werden. Sofern das Mainboard mitspielt, sollten alle Kerne mit einer Geschwindigkeit von 3,4 Gigahertz arbeiten - die 2,6 Gigahertz sind das Worst-Case-Szenario. Maximal sind sogar über 4 Gigahertz drin, wenn sich die Last auf wenige Kerne verteilt. Der Taktspielraum ist also groß.

Die ganzen Spezifikationen und technischen Besonderheiten ufern noch etwas aus. Denn Intel hat weitere Variablen implementiert, anhand derer die Taktfrequenzen im laufenden Betrieb verändert werden. Denn hier können die schnellen Core i9-CPUs ihre Herkunft nicht leugnen. Mit der Server-Basis kommen die Chips mit der Möglichkeit, kompleve Berechnungen durchzuführen - Stichwort AVX512-Instruktionen. Überdies wurden in Abhängigkeit des Szenarios diverste Takteintellungen implementiert.

Doch zurück zum Anfang: Der Core i9-7980XE kann dank Turbo Boost 3.0 entsprechend den Anforderungen takten. Möglich sind beispielsweise bei 2 der 18 Kerne eine höhere Spitzenfrequenz, als es der Standardturbo zulässt - das wären 4,2 Gigahertz. Je nach Einzelfall kann der Prozessor zwei der Kerne auf bis zu 4,4 Gigahertz bringen, so Intel. Im Werk wird im Rahmen der Tests das beste Verhältnis gewählt, um die maximale Performance an den Tag zu legen. So gesehen geht Intel einen Schritt weiter und reizt das Potential des Prozessor nahezu komplett aus und macht eben das, was Übertakter machen würden.

Maximale Performance für schnellste Systeme: Der HCC-Die

Wenn die Grundlegende Arbeitsweise der neuen Prozessoren verstanden hat und dann eins plus eins zählt, dann könnte man theoretisch meinen, dass der Core i9-7980XE etwa 40 bis 50 Prozent schneller rechnet als der Core i9-7900X. Gesteigert wurde aber nicht nur die Kernanzahl: Das Power-Budget steigt auf 165 Watt TDP, da die höhere Rohleistung auch mehr an (elektrischer) Leistung auf der anderen Seite verlangt. 

Beachtet werden sollte aber bei Allem, dass der 18-Kerner nicht einfach ein hochskaliertes Modell des 10-Kerners Core i9-7900X ist. Denn für die hohe Anzahl an Rechenherzen wird die High Core Count-Bauweise nötig, die einen deutlich komplexeren Die-Aufbau an den Tag legt. Die aufwendige Mesh-Architektur verbindet die Caches und Kerne miteinander. Das trifft auf die Modelle ab 12 Kernen zu und ist wohl auch der Grund, warum selbige verspätet erscheinen. Die Ableger mit bis zu 10 Kernen kommen mit dem Low-Core-Cound (LCC)-Aufbau und sind in der Herstellung weniger komplex.

Was es noch zu wissen gibt, wäre die Tatsache, dass auch der Core i9-7980XE auf den bereits erhältlichen Mainboards der X299 passt und dort problemlos betrieben werden kann. Wohl oder übel muss also das Geld in die hochpreisige Plattform investiert werden, wenn bis zu 18 schnelle Intel-Kerne gewünscht sind. Quad-Channel-Support beim Arbeitsspeicher bei einer offiziell maximalen Geschwindigkeit von DDR4-2.666 sind da inklusive.

Dennoch: Intels Versprechen mit der höchsten erkaufbaren CPU-Leistung kommt zum entsprechenden Preis: Der Core i9-7980XE ist der teuerste Endkunden-Prozessor überhaupt und wechselt die Ladentischseite für rund 2.000 Euro. Wer Kerne will, muss zahlen. Und wer zwei Kerne und vier Threads weniger braucht, kann mit dem halb so teuren Ryzen Threadripper 1950X für rund 950 Euro einen ebenfalls leistungsstarken, aber erheblich günstigeren Prozessor bekommen, der allerdings nicht an die Leistung des Intel-Topmodells herankommt.

Der neue i9-Prozessor sieht wie jeder andere Skylake-X-Chip aus - zumindest äußerlich. Im Inneren gibt es die höchste Anzahl an Kernen, womit auch der L2- und L3-Cache um den Faktor 1,8 größer ausfallen. Das wären 18MB L2- und 24,75MB L3-Cache. Die Anzahl der PCI-Express-Leiterbahnen bleibt gleich: Hier gibt es 44 derer - AMDs X399-Plattform und Threadripper geben dem Kunden 64 mit auf den Weg.

Die Tabelle oben zeigt den Unterschied zwischen altem und neuen Intel-Topmodell und AMDs Speerspitze - der Preis des Core i9-7980XE ist allerdings das, was wohl beim Kunden den größten Unterschied macht. Wer das schnellste und beste will, muss zahlen - genau genommen etwa das Doppelte gegenüber dem Core i9-7900X sowie dem Threadripper 1950X von AMD. Auch wer weniger Kerne von Intel möchte, muss tief in die Tasche greifen: Für den Core i9-7960X ruft Intel 1.699 US-Dollar auf - AMD will bekanntlich nur 999 US-Dollar. Intel ist somit sichtlich davon überzeugt, das bessere Produkt abzuliefern - das dürfte den saftigen Aufschlag zur Konkurrenz erklären.

AMD hingegen kontert mit einem ebenso starken, wenn nicht stärkeren Argument: Mit einen Bundle bestehend aus einem Threadripper 1950X, 32 Gigabyte DDR4-Speicher und einer extra 1TB NVMe SSD kommt man auf den Preis des schnellsten Intel-Prozessors. Wahre Worte - wenn nicht das anvisierte Klientel ohnehin bereit ist, viel Geld für ein passendes Setup auszugeben. 

Mit etwas weniger Takt, dafür aber einem breiten Spektrum an Turbo-Modi kommt Intel Core i9-7980XE daher. Ob und wie das gegegen AMDs Threadripper 1950X in Sachen Leistung, Leistungsaufnahme und Gesamtpaket aussieht, erfahrt ihr im Folgenden.


Inhaltsverzeichnis

  1. Intel Core i9-7980XE (14nm Skylake-X) im Test
  2. So testet PC-Max
  3. PiFast und Handbrake
  4. wPrime und Cinebench
  5. Speicherbandbreite
  6. Speicherlatenzen
  7. 3D Mark Fire Strike
  8. 3D Mark Time Spy und VRMark
  9. Spielebenchmarks
  10. Leistungsaufnahme
  11. Preis-Leistungsverhältnis
  12. bang4watt
  13. Overclocking
  14. Fazit

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