Test: AMD Ryzen 7 2700X und Ryzen 5 2600X

Am heutigen Tag entlässt AMD die zweite Generation der Ryzen-Generation. Mit schnellerem RAM, mehr Takt und einem verbesserten Boost wollen die Roten zur Konkurrenz aufschließen. Wir prüfen, ob AMD da nicht zu viel versprochen hat.


Ryzen 2 ist am Start. Am heutigen Tag kommen dürften Tests der neuen Przessoren veröffentlicht werden - dazu werden Vorbesteller beliefert. Vor etwas mehr als einem Jahr debütierte die runderneuerte Zen-Architektur, auch bekannt unter dem Codenamen Pinnacle Ridge, die als Basis für Ryzen 2 dient. So sind die ab heute verfügbaren CPUs Ryzen 7 2700X, Ryzen 7 2700, Ryzen 5 2600X sowie Ryzen 5 2600 keine Neuentwicklung per se - zu groß sind die Ähnlichkeiten zu den Vorgänger, weshalb mehr von einer Evolution zu sprechen ist. Im folgenden Artikel gehen wir also grob über die Verbesserungen der neuen Chips ein und zeigen anhand unserer Benchmarkvergleiche, wie AMDs neue Prozessoren im Vergleich zu Intels Coffee Lake dastehen.

Eine Übersicht

Im Großen und Ganzen hält AMD keine Überraschungen bereit. Mit Pinnacle Ridge in verfeinerter Ausführung will man vielmehr noch den letzten Rest an Performance aus der Architektur herausholen. Ein praktisches Instrument hierfür ist das Anheben des Takts: Alle vier Modelle der zweiten Generation kommen mit höheren Taktraten im Vergleich zu den unmittelbaren Vorgängern. Geholfen hat da der verfeinerte Fertigungsprozess (jetzt 12nm LP) sowie das Optimieren des Boost-Features - jetzt Precision Boost 2 genannt.

Der Kerntakt ist im Prinzip die beste Möglichkeit, um die Leistung eines Prozessors bei bestehender Architektur nach oben zu schauben. Dazu zählt auch schnellerer Arbeitsspeicher: Ryzen 2 überstützt offziell Module mit einer Frequenz von bis zu 2.933 Megahertz. Als weitere Stellschraube ist die Latenz zu sehen: Gerade weil die Megahertzzahlen höher ausfallen, geschieht die Kommunikation schneller - optimal für besonders latenzlastige Szenarien. Insgesamt hat AMD aus der im letzten Jahr veröffentlichten Generation nun das vollendete Produkt gebracht und die letzten Schwachstellen beseitigt. Aus Leistungs- und Effizienzsicht eine willkommene Änderung.

12nm

AMD wechselte innerhalb einer Generation von 14nm auf 12nm - nüchtern betrachtet kein großer Sprung und wie genau Ryzen 2 von dem Wechsel profitiert, will AMD auch nicht wirklich verraten. Denn weiterhin ist auch die aktuelle Generation mit 210mm² ähnlich groß und packt in den Chip 4,8 bis 4,8 Milliarden Transistoren. Als Frage kommt also auf: Wenn der Chip durch die feinere Fertigung nicht kleiner wird, um Kosten zu sparen, warum das Ganze?

Die Antwort darauf ist schnell gefunden: Es geht um Optimierungen der Performance bei gleichem Aufbau. Denn dank 12nm können die Transistoren bei gleich anliegender Spannung schneller arbeiten - AMD spricht von 10 bis 15 Prozent mehr Leistung gegenüber Prozessoren der ersten Generation und 14nm-Fertigung. Andersherum ausgedrückt: 12nm-CPUs wie AMD Ryzen 2 brauchen weniger Spannung, um die gleiche Frequenz zu erreichen. Diesen Spielraum nutzt AMD aus, um den Takt zu erhöhen, sodass Precision Boost 2 aggressiver und mit höheren Taktfrequenzen agieren kann - oder eben auch die TDP bei entsprechender Geschwindigkeit senkt.

AMD spricht von einem Taktplus von 200 bis 300 Megahertz dank 12nm, bei maximaler Auslastung und gleicher TDP, was ungefähr 15 Prozent mehr Leistung bedeutet. Umgemünzt in den relativen Vebrauch wäre eine Ersparnis von 11 Prozent weniger Leistungsaufnahme drin. Das sind die Vorteile, die sich AMD vom Wechsel auf 12nm genau genommen verspricht.

Precision Boost 2

Precision Boost 2 spielt im Gespräch rund um die Taktraten eine fundamentale Rolle. Einst nutzte die erste Ryzen-Generation Precision Boost, um den Takt, die Temperaturen und die Leistungaufnahme gegeneinander aufzuwiegen, um die höchstmögliche Leistung herauszuholen. Das funktionierte allerdings nur auf zwei Kernen. Wenn Anwendungen mehr als zwei Prozessorkerne beanspruchen, dann greift der All-Core-Boost, womit die Kerne allesamt niedriger Takten als möglich und nötig - selbst wenn wenig Last anliegt.

Etwas intelligenter geht Precision Boost 2 zu Werke. Die Taktraten werden so hoch wie möglich gewählt - so lange wie möglich, abhänging natürlich von den gegebenen Parametern (Temperatur, Spannung und dem anliegenden Takt). Das Ziel ist es, so lange "aufzudrehen" bis das Limit bei einem der Parameter erreicht ist, unabhängig davon wie viele Threads aktuell ausgelastet sind. Ignoriert wird dabei das "offizielle" Limit - der Prozessor arbeitet ganz plump gesagt "so schnell wie geht", wenn Temperaturen, Spannung und der Takt mitmacht oder passt. Precision Boost 2 lässt den Prozessor also intelligent ans Limit rennen - wer eine gute Prozessorkühlung verwendet, kann also auch eine insgesamt höhere Performance erwarten.

Verbesserung im Bereich Latenzen

Im Bereich Hardware und IT ist ein Jahr eine lange Zeit. In diesem Zeitraum kann so einige Entwicklungsarbeit geleistet werden, die zum Release einer ersten Generation nicht reingepasst hat. Eine der wichtigsten Verbesserungen gegenüber Ryzen liegt im Bereich Latenzen, so Joe Macri. Die Speicherzugriffe erfolgen zügiger, die Kommunikation zwischen der Hardware ebenfalls - die Instructions per Cycle, also die Leistung pro Megahertz-Takt steigt. So wird Ryzen 2 zumindest im Bereich Gaming ein besserer Chip sein, wenn auch nur ein bisschen. 

Die Entwicklungsarbeit hat sich laut AMD bezahlt gemacht: Laut Hersteller wurde die Latenz des L1 Cache um 13 Prozent verbessert, der L2 Cache ist 32 Prozent schneller, der L3 Cache wurde um 16 Prozent beschleunigt. Auch die Kommunikation mit dem Arbeitsspeicher (DRAM Latenz) ist um 16 Prozent verbessert worden. An und für sich beeindruckende Zahlen, wenn man diese ohne einen Vergleich sieht. Gegenüber Intels achter Generation alias Coffee Lake hatte AMD in Sachen Latenz das Nachsehen. Ryzen 1 war zu seiner Zeit bestenfalls durchschnittlich.

Einschnitte im Produktportfolio

Gegenüber der ersten Ryzen-Generation hat AMD ein "echtes" Spitzenmodell mit gehörigem Preisaufschlag weggelassen. Mehr als Prestigeprodukt war der Ryzen 7 1800X zu sehen, der über 100 Euro teurer als der fast genauso schnelle 1700X war. Aus Preis-Leistungssicht ein unsinniges Produkt, weshalb AMD bei der zweiten Generation mit dem Ryen 7 2700X zunächst das Topmodell stellt, das die Rolle des Ryzen 7 1800X übernimmt - jetzt aber zum fairen Preis von rund 330 Euro ähnlich viel kostet wie der Ryzen 7 1700X zum Marktstart.

Mit der optimierten Architektur verpasst AMD dem Ryzen 7 2700X einen Boost von 4,3 Gigahertz ab Werk. Dank Precision Boost 2 dürften wohl auf allen Kernen regelmäßig über 4 Gigahertz anliegen, wenn die Kühlung stimmt. Gegenüber dem Ryzen 7 1800X gibts so gesehen theoretisch ein Leistungsplus von mindestens 10 Prozent - der 1800X konnte auf allen Kernen mit höchstens 3,65 Gigahertz rechnen.

Dadurch, dass der Ryzen 7 2700X jedoch mit höheren Taktraten kommt und den Boost ordentlich hohgeschraubt bekommen hat, ist die TDP auf 105 Watt gestiegen. Das macht auch einen besseren Kühler nötig, den AMD beilegt: Der Wraith Prism soll stärker sein und mit LEDs auch ein Blickfang sein. Laut Hersteller soll die Performance auf Augenhöhe mit einem Kühler eines Drittherstellers der 35-Euro-Klasse liegen.

Der Ryzen 7 2700 bleibt wie der unmittelbare Vorgänger Ryzen 7 1700 ein Prozessor mit 65 Watt TDP. Preislich rücken die Modelle allerdings näher zusammen, weshalb es für die meisten Nutzer mehr Sinn macht, gleich zum X-Modell zu greifen. 

Der Ryzen 5 2600X und 2600 sind in dieser Sache ähnlich zu sehen. Die kleinen Sechskern-Ableger sollen beide 10 bis 15 Prozent schneller arbeiten, wenn alle Kerne ausgelastet werden - der Preis fällt gegenüber den Vorgängermodellen ein kleines bisschen höher aus. Der Ryzen 5 2600 hat insbesondere nach den Preisnachlässen der ersten Generation einen schweren Stand verglichen mit dem Ryzen 5 1600, welcher zu erschwinglichen Preisen zu haben ist. Früher oder später werden die alten Ryzen 5, wie auch weitere Modelle vom letzten Jahr, aus den Händlerregalen verschwinden.


Inhaltsverzeichnis

  1. AMD Ryzen 7 2700X und Ryzen 5 2600X
  2. So testet PC-Max
  3. CPU Benchmarks
  4. Benchmarks: Speicher
  5. 3DMark und VRMark
  6. Benchmarks: Gaming 1
  7. Benchmarks: Gaming II
  8. Leistungsaufnahme
  9. Overclocking
  10. Fazit

Kommentare

Noch keine Kommentare abgegeben. Sei der Erste und teile der Welt deine Meinung mit!

Zum Thread im Forum

Anzeige

Preisvergleich

Verwandte Themen