Test: AMD Ryzen 5 2400G und Ryzen 3 2200G

AMD hat die erste Ladung an Ryzen-Chips bereits vor knapp einem Jahr enthüllt. Mit etwas Verspätung folgen nun die heiß erwarteten APUs aus dem eigenen Hause. Der Chip-Riese kombiniert dabei die aktuelle CPU-Architektur mit der eigenen Vega-GPU. Ob sich diese Kombo insbesondere auch gegen Intels Lineup behaupten kann, wollen wir im Test klären.


AMDs Ryzen-Familie ließ den CPU-Markt ordentlich durchdrehen: Die Konkurrenz reagierte mit teils überhastetem Neu-Veröffentlichungen. Das Beste: Der Kunde profitiert von allem: Mehr als vier Kerne sind im Mainstream inzwischen der Standard, man war und ist heiß auf Neues aus dem Hause AMD. Es bleibt also spannend. Allerdings lief auch bei AMD nicht immer alles nach Plan. Etwas Glanz und Gloria hat man mit einigen Stabilitäts-/Kompatiblitätsproblemen einbüßen müssen - denn so einige Käufer sind mit Intels Produkten auch integrierte Grafikeinheiten gewohnt, natürlich gepaart mit hoher Leistungsfähigkeit des CPU-Counterparts.

Inzwischen hat sich immerhin in Sachen Plattform-Stabilität etwas getan - das Letzte was nun angegangen wird, ist das Argument "fehlende Grafikeinheit" beiseite zu schaffen. Mit der neuen APU-Serie von AMD mit eingebauter Vega-Grafikeinheit bringt der Chip-Hersteller ein Produkt raus, auf das wohl viele gewartet haben. Der Preis: Gar nicht mal so hoch, denn die heute getesteten Modelle Ryzen 5 2400G sowie Ryzen 3 2200G kosten gerade einmal 169, respektive 99 US-Dollar und visieren damit eine recht breite Käuferschicht an. Zunächst einmal ein Überblick:

Ein verwandter Bruder

Der Ryzen 5 2400G nutzt im Prinzip die gleiche Kern-Architektur unter der Haube. So ähnelt der Eingangs erwähnte Prozessor in vielen Aspekten dem Ryzen 5 1500X, wobei ersterer etwas schnellere Taktraten im Standard- und Boost-Modus mitbringt, was auf die optimierte Fertigungstechnik zurückzuführen ist. Das gleiche gilt für den Ryzen 3 3200G, der aber ohne SMT daherkommt, aber in weiten Zügen dem Ryzen 3 1300X gleicht. Mit an Bord aber auch hier ist die iGPU zu einem Preis, der leicht geringer ausfällt. Da nimmt man doch gerne die zusätzliche Grafikeinheit "kostenlos" mit!

Eine Besonderheit, die nicht so von AMD hervorgehoben wurde ist der leicht veränderte Package-Aufbau. Die neuen Raven Ridge APUs haben nicht mehr einen 2+2-CCX-Aufbau, sondern kommen im 4+4-Design, womit Raven Ridge einen einzigen voll aktivierten Cluster haben. Der Cache fällt dadurch kleiner aus, womit die 8MB halbiert werden. AMD spricht aber von einer vernachlässigbaren Tatsache, da die Taktraten generell höher ausfallen und werksseitig schnellerer Arbeitsspeicher mit bis zu 2.933 Megahertz unterstützt wird. Außerdem fällt die Speicherlatenz geringer aus. Am Ende gleicht sich das Ganze also doch aus.

Die Frage bleibt nun, ob die 8MB Cache mit der integrierte Grafikeinheit theoretisch gesehen nicht zu wenig sind. Eine Antwort darauf bekommt man aber bis dato nicht: AMD führt keinen Prozessor mit mehr Cache mit integrierter Grafikeinheit. Und ein weiterer Vorteil ergibt sich mit dem recht simplen Cache-Aufbau: Die Skalierung hin zu preiswerteren Modellen geht für AMD leichter als mit komplex aufgebauten Produkten. Denn die Ryzen 2x00U-Modelle kommen teils nur 15 Watt TDP aus und verfügen über einen ähnlichen Aufbau wie die hier im Test vorgestellten Modelle.

Eine weitere Eigenschaft, wenn auch nicht positiv, bringen die neuen Prozessoren mit. Eine dedizierte Grafikkarte ist nicht mehr mit den vollen 16 Lanes angebunden, sondern nur mit acht. Eine Entscheidung, die wohl aus Kostengründen gefallen ist. Das vereinfacht abermals die generelle Plattform und die Skalierung. AMDs Argument ist, dass sich Nutzer, die sich für diese Plattform samt passender Raven Ridge-APU entscheiden wohl eher preiswertere Grafikkarten anschaffen, bei der der Leistungsverlust durch die Halbierung der verfügbaren Leiterbahnen nicht so schwer ins Gewicht fällt. Wir denken, dass AMD da einen Fehlgedanken hat: Eigentlich sollte jede CPU bei Nutzung einer dedizierten Grafikkarte die volle Leistung selbiger entfalten können.

Einen weiteren, kosteneinsparenden Punkt hat AMD auch noch gemacht, Intel lässt grüßen: Zwischen Chip und Heatspreader kommt nun nicht mehr Lötzinn, sondern preiswertere Wärmeleitpaste zum Einsatz. Das wird den Temperaturen beim genaueren Überlegen nicht wirklich zuträglich sein. Außerdem nutzt Raven Ridge den überarbeiteten Boost-Modus "Precision Boost 2, womit die Leistung bei Nutzung entsprechender Threads/Kerne maximiert wird. So regelt die neue G-Serie die Turbo-Taktraten intelligenter als es noch die Modelle der ersten Ryzen-Generation getan haben, da hier ein lastenabhängig abgewägt wird, wie hoch die Taktraten ausfallen, statt den Turbo in Abhängigkeit zur genutzten Kernanzahl zu regeln. Schließlich können bestimmte Programme zwar mehrere Kerne ansprechen, aber selbige nicht so stark auslasten.

Etwas Neues

Ein Test wäre nicht wirklich nötig, wenn es sich bei den Raven Ridge-Ablegern nicht um etwas Neues handelt. Denn hier kommt jetzt eine integrierte Grafikeinheit zum Einsatz, die jetzt zusammen mit dem Prozessor und der hauseigenen Verbindungstechnik "Infinity Fabric" besonders leistungsfähig und effizient arbeiten soll. Verbunden wird mit Infinity Fabric die Multimedia-Engine, die Display-Engine, der Dual-Channel DDR4-Controller und sämtliche Ports, bein der integrierte Vega-Grafikeinheit handelt es sich um einen heruntergebrochenen Chip auf Basis der Desktop-Iterationen RX Vega 56 sowie Vega 64, gerade so für den bestehenden TDP-Rahmen passend. Mit der grundlegend identischen Archtektur mit 64 Shadern pro Recheneinheit bringt der 2400G 11Cus (704 Shader) und rechnet mit maximal 1.250 Megahertz, wohingegen der kleinere 2200G mit acht derer auskommen muss (512 Shader) und mit höchstens 1.100 Megahertz arbeitet. Mit Precision Boost 2 will man hier die abgerufene Leistung von CPU und GPU in Einklang bringen. Wenn hier mehr Leistung benötigt wird, tauschen sich die Einheiten schnell untereinander aus. All das bleibt im vorgegebenen TDP-Rahmen von 65 Watt für beide Modelle.

Die Ryzen U-Serie nutzt den gleichen Arbeitsansatz, womit die neuen Raven Ridge APUs für den Desktop schlichtweg als aufgemöbelte Versionen der Notebook-Ableger zu sehen sind. An und für sich keine schlechte Sache, wenn die Leistung sich auch im Desktop als konkurrenzfähig herausstellt. Außer Frage steht auch, dass die eine Ryzen-CPU mit integrierter Vega-GPU schneller arbeitet als eine Lösung von Intel mit der UHD630, wie sie auch bei der aktuellen Serie der achten Generation arbeitet. Wahrscheinlich ist aber auch, dass auch heute eine iGPU für 1080p-Gaming eher bedingt einsetzbar ist. 

Als Untersatz können bereits erhältliche AM4-Platinen genutzt werden, wie sie auch teils seit einem Jahr erhältlich sind. Ein Einsatzzweck der Raven Ridge APUs ist also vielmehr die Möglichkeit voll funktionsfähige Computer für teils weit unter 500 Euro zu bauen. Mit dabei eine potente Grafikeinheit ohne eingesteckte Grafikkarte. Der Preis spielt also hier eine große Rolle.

Kurzvergleich

Interessant ist zu sehen, wie das neue G-Duo sich im Vergleich zu den Produkten von Intel schlägt. Der 2400G muss sich mit dem Core i3-8350K messen, der im gleichen (Preis-)Bereich agiert, während das 99 US-Dollar-Modell 2200K sich mit einem etwas teureren Core i3-8100 messen muss. Der Preiskampf ließ die Einsteiger-Produkte inzwischen zu echten Vierkern-Modellen mutieren, womit absolut ausreichende Office-Systeme mit dem Plus an Leistung daherkommen. 


Inhaltsverzeichnis

  1. AMD Ryzen 5 2400G und Ryzen 3 2200G
  2. So testet PC-Max
  3. PiFast und HandBrake
  4. wPrime und Cinebench
  5. Speicherbandbreite
  6. Speicher: Kopieren und Latenz
  7. 3DMark Fire Strike
  8. 3DMark Time Spy und VR Mark
  9. Gaming
  10. Leistungsaufnahme
  11. iGPU: 3DMark und Final Fantasy
  12. iGPU: Gaming und PCMark
  13. Overclocking
  14. Fazit

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