Test: Deepcool Baronkase Liquid im Test

Wer ein Gehäuse für den Aufbau eines neuen Systems sucht, wird sich zwischen vielen Alternativen entscheiden müssen. Viele davon kommen mit einer RGB-Beleuchtung und einem Glas-Seitenteil daher. Hersteller Deepcool will mit dem Baronkase Liquid einen draufsetzen. Wie und ob das chinesische Unternehmen einen Volltreffer landen kann, erfahrt ihr im Test.


Viele Gehäuse verfügen seit geraumer Zeit über ein Glas-Seitenteil, manchmal gibts eine RGB-Beleuchtung obendrauf. Das ist allerdings abseits der herkömmlichen Ausstattungsmerkmale wie beispielsweise eine Lüftersteuerung das höchste der Gefühle. Bis jetzt - denn Deepcool zeigt mit dem Baronkase Liquid, dass zum Lieferumfang eines Gehäuses durchaus auch eine Komplettwasserkühlung mit prominent platziertem Ausgleichsbehälter gehören kann. Abgesehen davon setzt der Hersteller auf soweit bewährte Kost: Beim Baronkase Liquid handelt es sich um einen Midi-Tower mit ATX-Support für moderne Gaming-Hardware. Wie das Gehäuse letztlich im Test abschneidet, klären wir im Folgenden.

Ausstattung und Lieferumfang

Deepcool liefert das Baronkase Liquid in einer unauffälligen Pappkartonage aus, auf der neben Produktabbildungen zusätzlich die Spezifikationen abgebildet sind. Der Lieferumfang umfasst neben den obligatorischen Schraubenset für die Montage vom Netzteil oder dem Mainboard außerdem eine Blende zur frontseitigen Deckenmontage des ATX-Stromspenders. Darüberhinaus findet der Käufer natürlich auch das Montageset für die Anbringung des Kühlers. Unterstützt werden alle aktuellen Sockel, inklusive des AM4 von AMD. HEDT-Plattformen wie Skylake X oder Threadripper sind allerdings außen vor gelassen worden.

Das Baronkase Liquid ist für ein ATX-Gehäuse mit 215x470x423 Millimetern recht kompakt geraten. Das hindert den Hersteller aber nicht eine Kompaktwasserkühlung der hauseigenen Captain-Serie mit 120-Millimeter-Radiator und gut sichtbarem Ausgleichsbehälter mit Durchflussanzeigen einzubauen. Ansonsten gibt es rückseitig fünf Erweiterungsslots und eine Montagemöglichkeit für Netzteil an zwei Stellen: Einmal am Boden wie gewohnt sowie hinter der Front am Deckel. In beiden Fällen gibt es keine Limitierung, bezüglich der Grafikkartenlänge ist bei 340 Millimetern Schluss.

Der CPU-Kühler - wenn's denn ein hoch bauender Tower-Kühler sein darf - sollte nicht über 168 Millimeter ragen. Kabelmanagement, Staubfilter an Front, Deckel und Boden sowie Radiatorsupport an den gleichen Stellen sind ebenfalls mit an Bord. Trotz der recht platzsparenden Bauweise für einen ATX-Tower inklusive AiO-Wasserkühlung und gerade wegen letzterer bringt das Case mit rund 10 Kilogramm etwas mehr als der Durchschnitt auf die Waage.

Erscheinungsbild

Das Baronkase Liquid reiht sich dem aktuellen Trend klar ein. Geradelinig, relativ schlicht, kompakt. Das generell schlichte Erscheinungsbild wird vom Spoiler-artigen Tragegriff an der Oberseite unterbrochen. Bei der vorliegenden Variante in weiß ist der Griff schwarz, davor ist das Anschlussterminal eingelassen, das soweit keine Besonderheiten aufweist. Ein Paar USB-Buchsen, die beiden Audio-Buchsen, der Power- und Reset-Taster - die Standardkonfiguration, wie sie oft vorzufinden ist. Etwas spezieller ist hingegen die leider nicht so ganz sauber eingelassene Steuerungseinheit für die Regelung der integrierten RGB-Beleuchtung.

Aus dem Deckel ragen drei kleine, schwarze Knöpfe hinter den Bezeichnungen M, P und S - das Trio an Elementen erlaubt dem Nutzer die Steuerung der Betriebsmodi und Geschwindigkeit der LED-Beleuchtung. Wer ganz genau hinschaut, sieht auch, wie man im Werk die Regeleinheit in den Deckel integriert hat - in unseren Augen keine sehr saubere Arbeit. Großflächig liegt der magentisch haftende Deckelstaubfilter, der recht einfach zu reinigen ist.

Die Front ist geschlossen, sodass keine Möglichkeit zur Montage von 5,25-Zoll-Laufwerken besteht. Die Luft gelangt über kleine dreiecksförmige Luftschlitze an der rechten und linken Flanke in den Innenraum. Die Frontpartie ziert außerdem das prominent platzierte Gamerstorm-Logo an der Oberkante, welches passenderweise in den Farben des Innenraums illuminiert wird.

Die linke Seite nimmt eine verdunkelte Glasscheibe ein, welche mithilfe von vier Rändelschrauben mit dem Korpus fixiert wird. Rechts setzt Deepcool auf eine komplett geschlossene Seitenwand aus Stahl in Gehäusefarbe, die wie üblich von hinten eingeschoben und verschraubt wird.

Rückseitig zu sehen sind die fünf Erweiterungsslots unter dem 120-Millimeter-Platz für Lüfter oder einem Radiator. Ab Werk ist die Netzteilaufnahme durch eine Blende verschlossen. Sofern ein ATX-Stromspender am Boden Platz finden soll, dann muss die Blende samt Verlängerung entfernt werden. 

Das Baronkase Liquid steht auf vier gummierten Kunststofffüßen, welche den magnetisch haftenden Bodenstaubfilter umrahmen.

Innenaufbau

Zunächst fällt auf, dass Deepcool keine Blende einsetzt, um etwa das Netzteil zu verstecken. Den Effort steckt das Unternehmen lieber in das Verdecken des an der Decke montierten Netzteils und Datenträger. Auf der Blende gibt es außerdem eine Möglichkeit zur Montage eines 2,5-Zoll-Datenträgers direkt über dem Ausgleichsbehälter. Auch hier prangt das Logo der Baureihe: Gamerstorm. Gummierte Durchführungen für Kabel sollen das Führen der elektrischen Leitungen vereinfachen, während Bleche die Raumaufteilung klar vorgeben - zulasten des Komforts beim Aufbau der Hardware, doch dazu später mehr.


Den Platz hinter dem Mainboard nutzt Deepcool, um einen weiteren Datenträger im 2,5-Zoll-Format unterzubringen. Von dort erreichbar sind auch die beiden Plätze für größere 3,5-Zoll-Festplatten, wo sich im Auslieferungszustand das Zubehör befindet. Die Front lässt sich mit einem Handgriff entfernen und offenbart unter der recht massiven Stahlhaube zwei freie Plätze für 120-Millimeter-Lüfter hinter einem Staubfilter. Ein Radiator mit 2x120mm-Dimensionen lässt sich hier unterbringen - ein größeres 3-Fach-Modell lässt sich im Deckel unterbringen, sofern man Kompromisse eingehen kann - beispielsweise beim Mainboard-Format.

Werksseitig aber sitzt der 120-Millimeter-Radiator der AiO-Wasserkühlung Captain mitsamt 120-Millimeter-RGB-Lüfter im Deckel. Verbunden ist selbige mit dem Ausgleichsbehälter an der Seite sowie mit dem Herzstück, dem Prozessorkühler. Zur Transportsicherung vertraut Deepcool auf eine Adapterplatte im Mini-ITX-Format, die mit dem Mainboardtray verschraubt ist. Auffällig sind die zahlreichen Kabel, die mehr oder weniger herumhängen. Sie dienen der Verbindung des Lüfters, der Pumpe und der RGB-Beleuchtung mit der Steuerungseinheit am Deckel.

Einbau der Hardware

Der kurze, geübte Blick hat gereicht, um festzustellen, dass der Einbau fummeliger wird, als man noch zu Beginn annehmen könnte. Ein ATX-Mainboard findet im Baronkase Liquid definitiv Platz, wenn auch mit Einschränkungen. Denn in diesem Fall muss der Stromspender mithilfe des Brackets an der Decke hinter der Front montiert werden, womit der Lüfter-, respektive Radiatorplatz an der Front wegfällt. Bevor es allerdings ans Einsetzen des Mainboards geht, muss das Gehäuse von der Adapterplatte befreit werden. Ist dies passiert, dann kann die Pumpen-Kühleinheit samt dem Schlauch über die Oberseite gelegt und die Hauptplatine eingesetzt werden. Und das war eine haarsträubende Angelegenheit. Hierfür musste auch eine dünne Blechplatte entfernt werden, die zur Separierung des Innenraums dient. Nach mehrmaligen ein- und ausheben ist das Mainboard endlich reingerutscht. 


Die Montage des Kühlers ging da vergleichsweise unproblematisch vonstatten. Anhand der bebilderten Anleitung konnte das AM4-Kit ohne Umwege auf unsere Testplatine geschraubt werden, die Kühlereinheit wurde dann mit den zwei Schrauben nach einsetzen des Mainboards ganz einfach fixiert. Das Anschließen der Pumpe und der Lüfters ans Mainboard war da die kleinste Aufgabe.

Das Verkabeln der Hardware ging ohne Probleme vonstatten. Ärgerlich war, dass die zahlreichen gummierten Durchreichemöglichkeiten von unserem Mainboard versperrt wurden. Klar ist spätestens jetzt, dass Deepcool das Baronkase Liquid klar für Micro- und Mini-ITX-Platinen spezifiert und ATX-Modelle eher notgedrungen irgendwie passen mussten. 

Eine Erfahrung der Enge machten wir abermals bei Einbau der Grafikkarte. Unsere RX 580 von Sapphire ist ein wuchtiges Modell, was angesichts der Zielgruppe des Baronkase Liquids normal sein sollte. Das zuvor entfernte Blech würde spätestens jetzt weichen müssen, denn die Test-Grafikkarte konnte erst nach mehrmaligem Probieren in den Slot gesteckt werden.

Praxistest

Ist das System endlich zusammengebaut, geht es ans Eingemachte. Prinzipiell ist ein Vergleich schwer, denn Deepcool liefert für den Prozessor eine eigene Lösung, welche bei reproduzierbaren Tests nicht vorliegt. Das beeinflusst auch die Temperaturen der Grafikkarte, weshalb wir die ermittelten Lautstärke- und Temperaturwerte als solche Bewerten und subjektive Eindrücke mit in die Beurteilung fließen lassen.

Viele Farben, Glas und die Regelungsmöglichkeit über den Deckel sind prinzipiell Eigenschaften, die in der letzten Zeit besonders gefragt sind. Mit dem Ausgleichsbehälter mit Durchflussanzeige bringt man ein Alleinstellungsmerkmal ins Feld, das sicherlich einen interessanten Akzent setzt. Im Hinblick auf das Erscheinungsbild, respektive des Designs im fertigen Zustand muss der Geschmack entscheiden - wem das Geleuchte letztlich zuviel ist, der kann dem Spektakel mit einem Knopfdruck ein Ende setzen.


Abgesehen davon liefert das Baronkase Liquid eine ordentliche Leistung ab. Im Leerlauf pendelt unsere RX 580 von Sapphire von etwa 29 Grad, der Prozessor, gekühlt von der mitgelieferten 120-Millimeter-AiO-Lösung ist dabei gerade mal 25 Grad warm, die Umgebungstemperatur beträgt 20 Grad. Lässt man den Prozessor und die Grafikkarte auf voller Leistung laufen, dann bleiben die Werte weiterhin unkritisch. Der rückseitige Lüfter befördert die warme Luft wie auch der Deckellüfter am Radiator nach draußen, sodass beim Prozessor maximal 58 Grad herauskommen. Die Grafikkarte kommt bei maximaler Auslastung auf eine Spitze von 76 Grad Celsius, die Lautstärke beträgt bei Volllast rund 46,4 Dezibel und ist klar hörbar und subjektiv gesehen störend. Silent-Freunde werden da ein Headset anziehen müssen und die Lautstärke aufdrehen.

Erträglich ist es hingegen im Leerlauf, allerdings handelt es sich mit 35,2 Dezibel nicht um einen extrem guten Wert. Aus einer Entfernung von 30 Zentimetern ist das System klar hörbar, mit der Klangcharakteristik kann man allerdings leben. Es handelt sich nämlich hier um ein tiefes Luftrauschen. Die Einstellungen haben wir so vorgenommen, wie der Durchschnittsnutzer es auch macht: Die Regelung über PWM am Mainboard auf Automatik, sodass der Lüfter des Radiators und die Pumpe CPU-Temperaturabhängig arbeiten.

 IDLELAST
CPU25°58°
GPU29°76°
Lautstärke      35,2 dB          46,4 dB    


Fazit

Deepcool möchte mit dem Baronkase ein Komplett-Paket liefern, das DIY-PC-Bauer begeistern soll. Alles aus einer Hand, gutaussehend, dem Trend entsprechend. Der Ansatz ist in unseren Augen ein guter, wenn auch nicht konsequent zu Ende gedacht. Die Verarbeitung ist, wenn man ausschließlich das Exterieur betrachtet sehr gut. Im Innenraum zeigen sich allerdings Schwächen, wie etwa bei den Trennblechen. Das setzt sich mit der generellen Aufteilung und der Konzeption fort. Für ATX-Aufbauten ist das Baronkase Liquid weder Fisch noch Fleisch, denn da ist die Montage des Netzteil festgelegt und der Platz für weitere Radiatoren oder Lüfter geht dahin. Da Design eine Geschmackssache ist, kann da auf keinen Fall gegen das Deepcool-Case gesprochen werden - im Gegenteil: Der Ausgleichsbehälter mit Durchflussanzeige, die Wasserkühlung an sich und die Beleuchtungsoptionen sprechen prinzipiell klar für das Baronkase Liquid.

Und dann kommt da der Preis. Hierzulande führt lediglich ein Händler das Gehäuse von Deepcool - und zwar für knapp 180 Euro. Ein Paket mit potenter Kühlung und mehrfach ausgezeichneten, durchdachten Gehäusen findet man zu ähnlichen Preisen, womit das Baronkase Liquid ein Case mit guten Iden ist, welche in Anbetracht des Preises aber nicht ausreichend umgesetzt wurden.

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