Test: Cherry MX Board 5.0 im Test

Um auf dem Peripheriemarkt Aufsehen zu erregen, bestücken Hersteller ihre Tastaturen immer wieder gerne mit viel Schnick-Schnack und Features, die für den ein oder anderen überflüssig sein können. Cherry macht es anders und verzichtet mit dem MX Board 5.0 auf diverse Zusatzfunktionen während man den Fokus auf Ergonomie und Komfort setzt. Ob das heute auch genug ist, soll unser Test klären.


Während aktuelle Tastaturen nur vor Zusatzfeatures protzen ist Cherrys neues MX Board 5.0 hingegen recht bescheiden ausgestattet. Der deutsche Peripheriehersteller setzt bei seiner neuen Tastatur auf allerbeste Ergonomie. Gewährleisten soll das die patentierte Handballenauflage sowie insgesamt sechs Standfüße, mit der sich die Tastatur in neun verschiedene Positionen verstellen lässt. Ob das den hohen Preis rechtfertigt und wie sich das Brett in der Praxis schlägt, lest ihr im Folgenden.

Lieferumfang, Design und Verarbeitung

Zum Lieferumfang lässt sich nicht viel sagen, zu dem gehören nämlich lediglich Tastatur, Handballenauflage und Bedienungsanleitung. Die Kartonage ist komplett in schwarz gehalten, auf der Rückseite sind die wichtigsten Features aufgedruckt. Die Tastatur selbst ist ebenfalls in schlichtem schwarz gehalten, nur ein Alurahmen mit Cherry-Logo umfängt das sonst aus Kunststoff bestehende Gehäuse. An der Seite fallen einem dann auch die roten Standfüße auf, die bei anderen Tastaturen normalerweise nicht so rausragen.

Die Handballenauflage ist ebenfalls komplett schwarz, nur die vier verstellbaren roten Standfüße heben sich vom Gesamtlook ab. Ein großes MX-Logo ziert die rechte Seite der Handballenauflage, dessen gummierte Oberfläche eine angenehme Haptik besitzt. Der Font der Tastatur sieht ebenfalls schick aus, könnte aber für den ein oder anderen zu futuristisch für eine "Büro-Tastatur" wirken. Auf der Unterseite fallen einem, klar, zuerst die vielen Füße auf. Neben diesen gibt es auch ein Kabelkanal, der es einem ermöglicht, das USB-Kabel aus drei Öffnungen nach Hinten raus zu verlegen.

Das MX Board 5.0 lädt in vielerlei Hinsicht zum schnellen Schreiben ein. Neben dem gewählten Abstand sind auch die angenehme Oberflächenbeschaffenheit sowie die etwas flacheren Tastenkappen ausschlaggebend. Die verbauten MX-Silent-Schalter, welche auf Cherrys MX-Red-Schaltern basieren, sind überraschenderweise kaum hörbar und der Druckpunkt ist dabei ebenfalls sehr ansprechend. Um Kosten einzusparen hat Cherry beim MX Board 5.0 mit EU-Layout auf abriebfestere Tastenkappen aus 2K PBT Material verzichtet und stattdessen auf eine preiswertere Kappenbeschichtung gesetzt. Erstere bleiben dem Modell mit US-international Layout vorbehalten.

Ungewöhnlich für eine Tastatur dieser Preisklasse ist zweifelsohne die fehlende RGB-Beleuchtung. Cherry hat in diesem Fall auf eben so eine verzichtet und stattdessen eine schlichte, weiße LED-Beleuchtung verbaut. Die Effekt-Auswahl ist mit zwei in der Anzahl überschaubar, die Leuchthelligkeit absolut ausreichend und stufenweise anpassbar, beziehungsweise auch komplett per Tastenbefehl ausschaltbar. Ebenfalls gibt es auch keine spezielle Software, mit der sich beispielsweise die Beleuchtung einstellen lässt. Das wird nämlich direkt per Tastenbefehl erledigt, genau wie die Auswahl Sperrung der Windowstaste durch die "Cherry-Taste".

Das Design des Cherry MX Board 5.0 ist zusammengefasst recht unspektakulär, auf der Unterseite sind zwar die sechs roten Standfüße, doch das wars auch schon. Bei der Verarbeitung kann die Tastatur allerdings punkten. Es knarzt nichts und das Board fühlt sich, trotz überwiegend Kunststoff, hochwertig an. Zu bemängeln war die Gummierung der Handballenauflage, die an einigen Stellen Unebenheiten aufwies.

Technik im Detail

Wie bereits erwähnt verbaut Cherry beim neuen Modell MX-Silent-Schalter auf Basis der MX Red. Sie haben einen linearen Auslöseweg von 3,7 mm, während der Signalpunkt mit einem Wiederstand von 45g bei 1,9 mm liegt. Die Lebensdauer soll sich auf 50 Millionen Tastenanschläge belaufen. Die maximale Eindrücktiefe sinkt auf den ersten Blick "nur" von 4 mm auf 3,7 mm, doch der Unterschied ist mit den Fingern deutlich spürbar. Damit Die MX Silent auch in der Realität schön leise sind, hat man geräuschgedämpfte Schaltergehäuse genutzt, womit der Anschlag weicher wird und schließlich die Gesamtlautstärke sinkt.

Die Abmessungen der Tastatur belaufen sich auf ca. 46,4 x 14,5 x 3,6 cm und 48,0 x 8,6 x 3,6 cm für die Handballenauflage. Die gesamte Konstruktion wiegt etwa 1,48 Kg, was sich von anderen Modellen schon deutlich abhebt. Das sauber umflochtene USB-Kabel dürfte mit 1,8 Metern Länge für jeden Nutzer ausreichend dimensioniert sein. Hauptfunktionen wie Anti-Ghosting sowie Full-N-Key-Rollover sind auch mit an Bord. Die einfarbige weiße LED-Tastenbeleuchtung ist dimmbar und bietet die zwei Effekte Pulse und Breathing. Natürlich lässt sich die Beleuchtung auch komplett ausschalten.

Praxistest

Beim ersten Tippen hört man bereits den Unterschied zu anderen Tastaturen - Besser gesagt, man hört ihn nicht. Durch die hauseigenen MX-Silent-Schaltern ist ein Klick an sich kaum hörbar. Man vernimmt lediglich ein dumpfes Aufkommen der Tastenkappen, je nachdem wie hart man an jede Taste "rangeht". Neben einem leisen Tipp-Geräusch ist auch das Gefühl dabei sehr angenehm. Im Grunde ist es zwar Geschmackssache und lässt sich nicht direkt für die Allgemeinheit sagen: Jedoch lässt das Schreibgefühl kaum Platz für Kritik. Die Beschichtung der Tastenkappen fühlt sich zumindest hochwertig an und trägt zum angenehmen Tippgefühl bei, doch wir finden es dennoch schade, dass Cherry beim EU-Layout auf hochwertigere 2k PBT-Kappen verzichtet hat. 

Beim MX Board 5.0 setzt Cherry das Hauptaugenmerk nicht etwa auf Gaming sondern auf Ergonomie und Komfort. Dafür hat sich der Hersteller eine individuelle Handballenauflage ausgedacht, die in diverse Positionen verstellt werden kann. Dadurch soll man die Tastatur an seine eigenen Hände und den Schreibstil anpassen können. Cherry spricht hier von 8 verschiedenen Stellungen, in der Praxis sind aber nicht alle wirklich sinnvoll für jedermann. Beispielsweise bringt nur das Aufstellen der mittigen Füße die Tastatur in eine vom Winkel her spitze Position, die zum Schreiben oder Spielen weitaus ungeeignet ist. Hier ist Ausprobieren angesagt, um die für sich selbst die ideale Einstellung zu finden.

Die Handballenauflage ist sehr groß geraten, um den Benutzer bei der Bedienung nicht durch eine zu kurze Ablage einzuschränken. Das ist in der Praxis auch positiv aufgefallen, diese paar Zentimeter machen sehr wohl einen merkbaren Unterschied. Die Gummierung fühlt sich angenehm weich an und auch beim Schwitzen bleibt die angenehme Haptik erhalten. Beim Drüber streichen sind einem allerdings einige Unebenheiten und unsaubere Flächen aufgefallen. An und für sich nichts Weltbewegendes, da bei normaler Benutzung diese gar nicht so auffallen, doch bestreiten lassen sie sich dennoch nicht.

Beim Testen ist die mangelnde Standfestigkeit der Standfüße aufgefallen. Stellte man das Board nur auf den hinteren Standfüßen auf, wackelten die Tastatur hin und her. Indes machen die Standfüße der Handballenauflage einen besseren Eindruck. Die Auflage ist natürlich auch abnehmbar, und hier kommen wir schon zum nächsten Kritikpunkt. Hier hätte man den Befestigungsmechanismus definitiv besser umsetzen können. Oft bekommt man die Handballenauflage und Tastatur erst nach mehreren Versuchen und Geduld verbunden, eine magnetische Befestigung hätte diesem Problem sicherlich Abhilfe geschaffen.

Zuletzt wären da noch die Medientasten, insgesamt vier Stück hat man zur Auswahl. Eine davon ist die Cherry-Taste, mit der sich die Windowstaste sperren lässt. Daneben befinden sich drei Sondertasten zur Steuerung der Medienwiedergabe. Die drei Tasten fungieren als Titelwechsel oder Start/Pause Tasten, möchte man die Lautstärke anpassen, muss hierfür auf Zweitbelegungen zurückgegriffen werden. Über den Medientasten findet man die Status-LED die sich nahtlos in das restliche Design einfügt

Fazit

Mit dem MX Board 5.0 bringt Cherry eine Tastatur, welche nicht direkt Gamer ansprechen soll. Mit dem Design ist es aber auch eine Gaming-Tastatur die ebenfalls im produktiven Büro seine Stärken ausspielen kann. Die große Handballenauflage ist im Test größtenteils positiv aufgefallen und die leisen Tasten sind gerade für Vielschreiber mit dem Bedürfnis nach Ruhe eine wahre Bereicherung.

Für das MX Board 5.0 sprechen die leisen MX Silent Red Schalter, die es immer noch nur vereinzelt am Markt gibt. Neben der praktischen und komfortablen XXL-Handballenauflage ist auch die solide Verarbeitung erwähnenswert. Durch das schlichte Design passt das Gaming-Keyboard auch wunderbar in ein Büro, die weiße LED-Beleuchtung rundet das Gesamtpaket ab.

Gegen das MX Board 5.0 spricht die fast schon spartanische Ausstattung in dieser Preisklasse. Auch die hakeligen Stellfüße sowie der verbesserungswürdige Anhängemechanismus der Handballenauflage sind Dinge, die eine neue Version besser machen soll.

Insgesamt betrachtet liefert Cherry mit dem MX Board 5.0 ein solides Stück Peripherie. Der happige Preis von 159 Euro (UVP) schreckt erstmal ab, doch dafür bekommt man Spitzentechnik in einer Tastatur, die gut verarbeitet ist und sich dazu noch hervorragend anfühlt. Nutzer mit dem Bedürfnis nach einer leisen, zuverlässigen und komfortablen Tastatur für Gaming und Büro ohne viel Schnick-Schnack sind mit dem MX Board 5.0 bestens bedient. Aus diesem Grund sprechen wir unsere Redaktionsempfehlung aus.

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