Feature: Der richtige Umgang mit HEIC-Dateien

Einige Nutzer sind sicherlich schon darüber gestolpert: HEIC und HEIF-Dateien. Doch wie öffnet man diese mit welchem Gerät richtig? Und wozu sind sie überhaupt da? Die Antwort lest ihr im Folgenden.


Bereits im letzten Jahr gab man bei Apple bekannt, dass die Modelle iPhone SE, 6S und 7 ab der Version iOS 10 auch Rohbilder (RAW) mit 10 Bit Farbtiefe pro Kanal aufnehmen können. Diese würden dann unkomprimiert im .DNG-Format von Adobe gespeichert werden. Das ist ein Dateiformat, welches von jedem gängigen Raw-Konverter verarbeitet werden kann.

Der große Nachteil von RAW-Dateien ist jedoch aufgrund der nicht vorhandenen Kompression die Dateigröße, welche je nach Pixelzahl gut und gerne 50MB und mehr pro Bild erreicht. Es sei zudem noch erwähnt, dass Android-Modelle ab Android 5 Lollipop ebenfalls Fotos im .DNG-Format aufnehmen und speichern können.

Eine weitere Eigenschaft von Raw-Dateien, welche viele Nutzer als lästig empfinden dürften, ist die Nachbearbeitung. Ähnlich wie bei einem Negativ der analogen Fotografie muss man auch hier das Bild erst "entwickeln", bevor es sinnvoll weiterverarbeitet werden kann, beispielsweise für Ausdrucke oder zum Upload auf Social Media. Da sich Raw also im Alltag als eher unpraktikabel erweist, entschied man sich bei Apple nun, den Schritt in Richtung HEIC, bzw. HEIF zu gehen.


HEIC (High Efficiency Image Container) ist ein Dateiformat, welches Apple in 2017 eingeführt hat. Das neue Format verspricht eine deutlich kleinere Dateigröße, verglichen mit JPG oder PNG Dateien. Gleichzeitig werden trotzdem mehr Features unterstützt. Microsoft und Google haben bereits angekündigt, das Format in zukünftigen Betriebssystemen unterstützen zu wollen.

HEIF bedient sich dabei einiger Tricks aus der Videokomprimierung, genauer gesagt vom High Efficiency Video Compression (HEVC) Codec, besser bekannt als H.265. Beide Technologien, also HEIF und HEVC, wurden von der Motion Picture Experts Group (MPEG) entwickelt. Eine größere Verbreitung erlag das HEIF-Format, als man bei Apple die Entscheidung getroffen hat, diesen als Standarddateiformat für Bilder unter iOS 11 und MacOS High Sierra einzuführen. Apple-Geräte werden diese Dateien jedoch automatisch in JPG‘s umwandeln, wenn man die Bilder mit anderen Nutzern teilen möchte.

Wie man HEIC-Dateien öffnet

Aufgrund der Automatik sollten Apple-Nutzer keinerlei Probleme mit dem Öffnen der genannten Dateiformate haben. Sie müssen sich ebenfalls keine Gedanken um das Konvertieren vor dem Versenden machen, dies geschieht ebenfalls automatisch. Bei Windows, Linux und Android ist momentan noch ein kleiner Workaround nötig. Wahlweise nutzt man online HEIC to JPG Konvertierungen oder nutzt eine Drittanbietersoftware, um die Dateien zu konvertieren, bevor man sie Betrachten kann.

PRO HEIC

Der größte Vorteil von HEIC ist die Dateigröße. Verglichen mit JPG belegt ein HEIC-Bild gerade einmal halb so viel Speicherplatz auf der Festplatte - bei besserer Bildqualität. HEIC kann ebenfalls Bildsequenzen enthalten, so wie es bei GIF‘s der Fall ist. EXIF, XMP und andere Arten von Metadaten werden ebenfalls unterstützt.

Darüber hinaus werden nicht nur die Bilder selbst gespeichert. Es sind ebenfalls noch Daten über HDR, Alpha (Transparenz) und den Thumbnails enthalten.
Besonders mit Blick auf künftige VR und AR Anwendungen könnte sich das neue Dateiformat als künftiger Standard etablieren. Mit der frühen Kompatibilität kann sich Apple hier durchaus einen Vorteil verschaffen.



Contra HEIC

Aufgrund der Tatsache, dass HEIC und HEIF von MPEG entwickelt wurden, aber auf der HEVC-Technologie beruhen, könnte es unter Umständen zu Patentrechtsproblemen kommen. Dies würde dann nicht nur große Konzerne, wie in diesem Fall Apple treffen, sondern auch die Betreiber von Webseiten, welche HEIF-Dateien eingebettet haben.

Ein weiterer Nachteil liegt auf der Hand: Die Verbreitung. Bislang sind HEIC und HEIF nur auf Applegeräten mit iOS 11 und MacOS High Sierra zu finden. Ohne weitere Plattformen könnten die Dateiformate zu Apple-Exklusiven Varianten verkommen.
Die gute Nachricht ist, dass Windows 10 mit dem Build 17123 HEIC mit der integrierten Foto-App unterstützt. Google will bald mit Android P nachziehen. Beide Betriebssysteme sollten noch in diesem Jahr erscheinen.


Fazit

HEIC hat also das Potenzial, das zukünftige Standarddateiformat für zukünftige, digitale Medien zu werden, die technischen Voraussetzungen sind dank der geringen Dateigröße für Smartphone und Social Media interessant, bieten aber trotzdem ein geeignet Fundament für kommende VR und AR Anwendungen. Letztere profitieren aktuell von jeder Technologie, die den Umgang mit der virtuellen beziehungsweise augmentierten Realität vereinfachen. Es bleibt aber abzuwarten, wie die Nutzer darauf reagieren und ob die breite Masse das neue Dateiformat annimmt.

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