Feature: Anleitung: HTPC auf Kabini-Basis selbst bauen

Im April präsentierte AMD die günstigen Einsteiger-APUs mit dem Codenamen "Kabini" für das Desktop-Segment und bietet seit dem eine potente Alternative für sparsame HTPCs an. Aus diesem Grund haben wir uns dazu entschieden ein solches System möglichst platzsparend zu bauen und die dazu nötigen Schritte zu dokumentieren. Zudem stellen wir kurz die passenden Komponenten vor und erläutern, wie wir den fertigen PC am Ende ganz bequem ohne Tastatur und Maus steuern können.


Die Kabini-APUs für das Desktop-Segment wurden von AMD am 15. April offiziell vorgestellt und sollen kaufwilligen Nutzern ermöglichen, ein stromsparendes Office- oder Multi-Media-System aufbauen zu können. Zudem will die gesamte Plattform mit einem attraktiven Preis-Leistungs-Verhältnis punkten: Das Kabini-Top-Modell in Form des Athlon 5350 kostet beispielsweise aktuell rund 50 Euro und eine passende Hauptplatine etwas mehr als die Hälfte davon. Demnach lässt sich ein vollständiges System relativ günstig konfigurieren. Um dies aufzuzeigen haben wir uns die nötigen Komponenten organisiert und beschreiben in diesem Artikel, wie die Konfiguration, der Zusammenbau und die Einrichtung des HTPCs erfolgen sollte, um am Ende auf ein kompaktes System fürs Wohnzimmer und sogar Casual-Gaming zurückgreifen zu können.

Die nötigen Komponenten im Überblick

APU: Da der Athlon 5350 die Spitze des Kabini-DT-Portfolios bildet, haben wir genau dieses Modell ausgewählt, um am Ende die maximale Leistung des Systems zu erhalten. Der Prozessor-Part kann vier Kerne vorweisen und arbeitet mit einer Frequenz von 2,05 Gigahertz. Für die 3D-Berechnung implementiert AMD eine Grafik-Einheit, die auf den Namen "Radeon HD 8400" hört. Die dazugehörigen 128 Shader-Units sollen eine akzeptable Leistung bieten können und arbeiten mit 600 Megahertz Takt. Aus diesen Daten ergibt sich eine TDP von lediglich 25 Watt.

Insgesamt vier APU-Versionen bietet der Hersteller für den Sockel AM1 an:

  • Athlon 5350: 4 Kerne / 2,05 GHz / HD 8400 ( 600 MHz) / Preis: ca. 52 Euro*
  • Athlon 5150: 4 Kerne / 1,60 GHz / HD 8400 ( 600 MHz) / Preis: ca. 43 Euro*
  • Sempron 3850: 4 Kerne / 1,30 GHz / HD 8280 ( 450 MHz) / Preis: ca. 33 Euro*
  • Sempron 2650: 2 Kerne / 1,45 GHz / HD 8240 ( 400 MHz) / Preis: ca. 28 Euro*

*Stand 09/2014

Mainboard: Als Unterlage für den Kabini-Prozessor kommt ein Asus AM1I-A zum Einsatz, was dem Mini-ITX-Format entspricht und genügend Anschlüsse bereitstellt. Zudem verfügen die Spannungswandler über einen Kühler. Die einzige Einschränkung des Mainboards dürften die lediglich zwei SATA-Ports sein. Doch kaum eine AM1-Platine bietet mehr solcher Anschlüsse. Nur die Ableger von Asrock können dank Zusatz-Chip die doppelte Anzahl an SATA-Ports bereitstellen.

RAM: Für ein Kabini-System würden in der Praxis vier Gigabyte Speicher reichen, um genügend Performance zu offerieren. Wir entscheiden uns allerdings für ein Acht-Gigabyte-Kit mit zwei Riegeln. Die Einsteiger-APUs mit vier Kernen unterstützen RAM mit einem maximalen Takt von 1.600 Megahertz, der auch in unserem Fall zum Einsatz kommt. Speicher mit einer niedrigeren Frequenz würde für eine geringere IGP-Leistung sorgen. 

Unser RAM-Kit stammt aus dem Hause Avexir, wurde von Caseking bereitgestellt  und reiht sich in die Core-Serie ein. Diese Riegel sind dafür bekannt, trotz starker Spannungssenkung weiterhin stabil zu arbeiten. Zwischen 1,30 und 1,35 Volt sollten hierbei möglich sein.

Gehäuse: Da wir den PC möglichst kompakt gestalten wollen, sollte das Gehäuse sehr klein ausfallen. Eine passende und interessante Lösung kommt aus dem Hause Chieftec: Das IX-03B ist kaum größer als das Mainboard, lässt sich dank der modularen Bauweise und dem Zubehör-Set MK-35DV allerdings vielfältig konfigurieren. Neben dem Platz für jeweils einen 2,5- und 3,5-Zoll-Datenträger, kann nach einem kleinen Umbau auch ein Slim-Line-ODD integriert werden. Allerdings verlangt das Case nach einem speziellen Netzteil, das von Chieftec jedoch optional mit der nötigen DC-DC-Wandlerplatte angeboten wird.

Netzteil: Wie eben erwähnt, verlangt das gewählte Gehäuse nach einem besonderen Netzteil, das wir in Form des CDP-090ITX von Chieftec vorliegen haben. Der AC-DC-Adapter bietet eine Ausgangsleistung von 90 Watt und arbeitet laut Hersteller mit einer Effizienz von 87 Prozent. Zudem sind ein Schutzschaltungen gegen Überspannung, Kurzschluss und Überstrom vorhanden. Die DC-DC-Wandlerplatine ist mit einem 20+4-Pin-ATX-, einem 4-Pin-CPU- und einem Molex- sowie drei SATA-Anschlüssen ausgestattet.

Datenträger: Hier fällt die Wahl eher schwer. Prinzipiell lohnt sich eine SSD bei einem Kabini-System nur bedingt, da dadurch das Preis-Leistungs-Verhältnis etwas gestört würde. Eine konventionelle HDD vermittelt allerdings kein wirklich zufriedenstellendes Nutzererlebnis und sorgt an der ein oder anderen Stelle für eine kurze Wartezeit beispielsweise beim Starten des Systems und Öffnen von Programmen. Hier sollte überlegt werden, ob sich eine Hybrid-Platte in Form einer SSHD lohnt, da selbige hohe Performance und Kapazität verbindet. 

Um aufzuzeigen, welche Vor- und Nachteile die aufgeführten Datenträger aufweisen, haben wir vier unterschiedliche Modelle beim Windows-Start (Erreichen des Desktops) und das weitere Laden von Programmen in der Task-Leiste (Treiber, Catalyst Control Center und Ai-Suite II) getestet. Auch der Verbrauch des gesamten Systems wurde ermittelt. Neben der SSD 840 EVO von Samsung mit 120 Gigabyte, mussten sich eine gewöhnliche HDD von Seagate mit vier Terabyte Volumen und zwei SSHDs beweisen. Die beiden Hybrid-Datenträger stammen ebenfalls von Seagate, unterscheiden sich allerdings stark. Die Laptop-Variante ist nur 2,5 Zoll groß und kommt mit einem Terabyte Kapazität. Die zweite SSHD entspricht dem 3,5-Zoll-Format und bietet zwei Terabyte Speicherplatz.

DatenträgerDesktopProgrammstartIdle-Verbr.Last-Verbr.
Seagate Desktop HDD 4TB29 Sekunden
63 Sekunden
20,8 Watt
37,4 Watt
Seagate Desktop SSHD 2TB23 Sekunden
47 Sekunden
22,0 Watt36,7 Watt
Seagate Laptop SSHD 1TB20 Sekunden
44 Sekunden
16,4 Watt32,9 Watt
Samsung SSD 840 EVO 120GB
15 Sekunden
39 Sekunden
15,5 Watt29,0 Watt

Wie aus den Messungen deutlich wird, dominiert die SSD wenig überraschend und die HDD arbeitet am langsamsten. Die beiden SSHD-Datenträger reihen sich genau dazwischen ein und punkten gegenüber dem konventionellen Hard-Disk-Drive mit höherer Performance und einer spürbar schnelleren Reaktion beim Öffnen von Programmen. Wer also nur wenige SATA-Ports auf dem Mainboard zur Verfügung stehen hat und kein Geld für eine SSD "verschwenden" will, sollte sich eine SSHD zulegen. Die Laptop-Variante ist allerdings schneller als das 3,5-Zoll-Gegenstück und verbraucht zudem merklich weniger Strom.

Komponente HerstellerProduktAmazon-Preis*
APUAMDAthlon 5350ca. 52 Euro
MainboardAsusAM1I-Aca. 30 Euro
RAMAvexirCores Series DDR3-1600 8GBca. 95 Euro
GehäuseChieftecIX-03B-90Wca. 68 Euro
NetzteilChieftecCDP-090ITX-
FestplatteSeagateLaptop Thin SSHD 500 GBca. 59 Euro

*Stand 09/2014

Für etwas über 300 Euro lässt sich ein Kabini-System zusammenstellen, das alle nötigen Komponenten beinhaltet. Wem vier Gigabyte-RAM ausreichen, der kann zirka 45 Euro sparen. Knapp 20 Euro weniger werden fällig, wenn statt zu einer SSHD zu einer konventionellen 2,5-Zoll-HDD mit 500 Gigabyte gegriffen wird. Sollte die Kapazität des Datenträgers unerheblich sein, lohnt sich der Griff zu einem Solid State Drive in Form der SSD 840 EVO mit 120 GB. Diese kostet kaum mehr als die genannte SSHD, bietet aber nur ein Viertel der Kapazität.

Wichtig: Soll im Chieftec IX-03B eine 3,5-Zoll-Festplatte eingebaut werden, muss der Stock-Lüfter gegen ein Modell getauscht werden, das nur einen Zentimeter hoch ist. Wir haben diesbezüglich auf Noisblockers 50 Millimeter großen XS-1 BlackSilentFan zurückgegriffen. Der kleine Ventilator muss auch zum Einsatz kommen, wenn ein ODD verbaut werden soll. Dann passen allerdings nur noch 2,5-Zoll-Festplatten mit einer maximalen Höhe von sieben Millimetern ins IX-03B. Sind die HDDs oder SSDs dicker, kollidieren diese mit dem Kühler. 

Optionale Parts

Optisches Laufwerk: Wer den HTPC später zum Abspielen von DVDs und Bluray-Disks nutzen möchte, wird ein ODD benötigen. Wir greifen auf das Samsung SN-506-Modell zurück, dass mit etwas über 50 Euro recht günstig ist.

Gehäuse mit Platz für Erweiterungskarten: Da das oben aufgeführte Chieftec IX-03B recht kompakt gehalten ist, fällt der Platz im Innenraum eher klein aus, was in der Praxis für einige Einschränkungen und Kompromisse sorgt. Im Teil zum Zusammenbau erläutern wir auch wieso. Doch als Alternative bietet der Hersteller die Flyer-Cases an, die zwar etwas größer sind, allerdings ein TFX-Netzteil aufnehmen können und die Möglichkeit bieten, ein Slim-Line-ODD samt vollwertiger 3,5-Zoll-HDD gleichzeitig zu verbauen. Platz für eine Erweiterungskarte im Low-Profile-Format (WLAN- oder Grafikkarte) ist ebenfalls vorhanden. Außerdem steht mehr Raum für höhere CPU-Kühler zur Verfügung. Eine Besonderheit bildet die Kunststofffront: Das Material ist dank einer speziellen Lackierung nicht kratzanfällig. Gewöhnliche Plastik-Teile in Klavierlack-Optik zeigen beim Abwischen leichte Kratzspuren. Dieses Phänomen bleibt bei dem FI-01B-U3 aus. Ein 250 Watt starkes TFX-Netzteil ist ab Werk vormontiert.

Alternatives TFX-Netzteil: Chieftec liefert beim Flyer-Gehäuse ein TFX-Netzteil mit, das die 80Plus-Bronze-Vorgaben erfüllt. Wer jedoch ein Case ohne PSU kauft und eine höhere Effizienz verlangt, sollte sich das neue TFX Power 2 Gold mit 300 Watt von be quiet! anschauen. Das Netzteil bietet als eines der wenigen auf dem Markt einen Wirkungsgrad von 91 Prozent, was dem 80Plus-Gold-Standard entspricht. Ein positiver Nebeneffekt dieser hohen Effizienz ist die daraus resultierende, geringe Geräuschkulisse. Mehr Infos zum Netzteil können unserem Test entnommen werden.

Externes Festplattengehäuse: Sollte lediglich eine kleine SSD im System zum Einsatz kommen und im Gehäuse kein Platz respektive auf dem Board keine weiteren SATA-Ports für mehr Datenträger zur Verfügung stehen, muss eine externe Lösung genutzt werden. Neben einem NAS bietet sich hierzu eine externe Festplatte mit hoher Kapazität an. Wir nutzen beispielsweise eine vier Terabyte große HDD von Seagate, die in einem DB-ALU3-6G-Alu-Case von Fantec steckt. Diese Lösung ist transportabel und kann bei Bedarf auch Inhalte von anderen Geräten speichern. Neben der edlen Alu-Optik überzeugt das kleine Festplattengehäuse von Fantec mit einem internen 6-Gigabit-Anschluss und der Anbindung an den PC über USB 3.0.

BenchmarkLesenSchreiben
AS-SSD (seq.)149,9 MB/s148,1 MB/s
ATTO158,7 MB/s159,0 MB/s
CrystalDiskMark (seq.)156,2 MB/s155,3 MB/s

Die Leistung des externen Festplattengehäuse fällt sehr gut aus und auch der Strom-Verbrauch hält sich in Grenzen: Unter Last benötigt die Lösung lediglich 8,6 Watt. Im Idle-Betrieb sinkt der Wert auf 5,2 Watt.  

Zusammenbau

Aufgrund der vergleichsweise wenigen System-Komponenten ist der Zusammenbau recht einfach und dürfte selbst für ungeübte Nutzer kein zeitraubendes Problem darstellen. Allerdings muss aufgrund der beengten Platzverhältnisse eine bestimmte Schrittreihenfolge eingehalten werden, damit der Einbau der PC-Teile zügig ohne Komplikationen erfolgen kann.

Schritt 1: Zu aller erst sollte das Gehäuse geöffnet und alle modularen Parts entnommen werden. Dann gehören die Abstandshalter der DC-DC-Wandler-Platine in die entsprechenden Bohrungen der Front des IX-03B eingeschraubt. Anschließend muss das grüne PCB verschraubt werden. Für eine bessere Handhabung ist danach das interne Power-Kabel mit dem Gehäuse und mit der Wandler-Platine zu verbinden.

Schritt 2: An diesem Punkt gilt es, das Mainboard vorzubereiten. Dazu muss die APU in den Sockel eingesetzt und mit Wärmeleitpaste versehen werden. Bevor der Boxed-Kühler folgen kann, gehört der Stock-Lüfter gegen den schmaleren Noiseblocker-Fan getauscht. Diese Arbeit sollte nicht auf bei bereits auf dem Mainboard installierten Kühler erfolgen, da sonst viel Druck auf das PCB ausgeübt wird. Ist der Ventilator getauscht, kann die Montage des Boxed-Kühlers mittels der beiden Pins erfolgen. Darauffolgend muss der Nutzer den RAM in die Bänke einsetzen. Damit wäre die Platine fertig für den Einbau.

Schritt 3: Bevor sich nun das Mainboard einsetzen lässt, gehört die I/O-Blende an den entsprechenden Platz im Gehäuse eingeklipst. Nun sollte die  Hauptplatine schräg und vorsichtig zuerst Richtung Heck eingeführt werden. Hierbei ist darauf zu achten, dass die Anschlüsse in den Aussparungen der I/O-Blende liegen und die Abstandshalter des Gehäuses den Boden des Mainboards nicht zerkratzen. Mit leichtem Druck von vorne kann das Asus AM1I-A an den abstehenden Komponenten der DC-DC-Wandler-Platine vorbei nach unten geführt und schlussendlich an den vier vorgesehenen Punkten verschraubt werden.

Wichtig: Das Erdungskabel des Netzteils muss an einer Stelle mit dem Mainboard verschraubt werden!

Schritt 4: Dieser Schritt entspricht dem Verkabeln eines gewöhnlichen PCs: Hierbei wird zunächst der Kabelstrang der DC-DC-Wandlerplatine genommen und zuerst mit dem 20+Pin-Anschluss an den vorgesehenen Platz auf dem Mainboard gesteckt. Erst danach darf der Kabelstang mit der Wandlerplatine verbunden werden. Beim Missachten dieser Reihenfolge, lässt sich der Mainboard-Anschluss nicht mehr erreichen. Nach erfolgreicher Installation gehört der 4-Pin-CPU-Konnektor mit dem entsprechenden Port auf der Hauptplatine verbunden und anschließend sollten das Zusammenfügen der Kabel zu kompakten Strängen erfolgen. 

Wie die nächsten Schritte von statten gehen müssen, liegt ganz an der geplanten Laufwerkkonfiguration: Wer ein ODD sowie eine SSD einbauen möchte, muss an dieser Stelle anders vorgehen, als diejenigen, die eine 3,5-Zoll-Festplatte statt des Bluray-Laufwerks ins System integrieren wollen.

Schritt 5 - Variante 1 (SSD/Slim-HDD und ODD): An dieser Stelle kommt der mitgelieferte Mittelsteg des Gehäuses zum Einsatz. Selbiger muss mit dem entsprechenden Datenträger verschraubt werden. Hierbei ist auf die Ausrichtung der HDD oder SSD zu achten. Verbauen lassen sich zudem nur 2,5-Zoll-Datenträger mit einer maximalen Höhe von sieben Millimetern. Alles andere würde mit dem Kühler kollidieren.

Weiter geht es mit dem Einbau des HDD-Trays: Selbiger ist an den vier Löchern mit dem Gehäuse zu verschrauben.

Auf dem Festplatten-Träger wird der Halter für das ODD verschraubt. Idealerweise sollte das optische Laufwerk bereits an dem Modul mittels der Schrauben fixiert sein. Wir haben die Halterung zur Verdeutlichung auf dem Foto ohne Brenner eingesetzt.

Nach der Verbindung der Daten-und Strom-Kabel, kann der Deckel mit der entsprechenden Blende versehen und auf das Case aufgesetzt sowie verschraubt werden.

Schritt 5 - Variante 2 (SSD/Slim-HDD und 3,5-Zoll-HDD): Wer zum System-Datenträger noch eine zweite Festplatte im 3,5-Zoll-Format unterbringen will, muss die mitgelieferten Abstandshalter nutzen, sodass die konventionelle HDD genügend Abstand zu Kühler aufweist. Die vorgesehenen Datenträger müssen für die weiteren Schritte an den entsprechenden Träger angeschraubt werden, der dann auf den zuvor installierten Abstandshaltern platznehmen darf. Nach der Verkabelung der Festplatten ist der Deckel zu schließen. 

Die Installation des gesamten Systems ins Flyer-Gehäuse von Chieftec ist im Gegensatz zum IX-03B wesentlich einfacher, da hier mehr Platz zur Verfügung steht und keine bestimmte Reihenfolge bei dieser Montage der Komponenten zu beachten ist, sofern sich das Netzteil bereits im Case befindet. Löblicherweise kann das FI-01B-U3 einen modularen Laufwerkskäfig vorweisen, was für eine einfachere Montage von Festplatten und ODDs sorgt.

Vorbereitung des BIOS / OS- und Treiber-Installation

Bevor die Installation des Betriebssystems erfolgen kann, müssen zunächst einige Optionen im BIOS eingestellt und kontrolliert werden. So gilt es zunächst die RAM-Settings händisch zu fixieren. In unserem Fall müssen wir einen Speicher-Takt von 1.600 Megahertz und die Timings auf 9-9-9-24 2T setzen. Dann gehört noch die Spannung auf 1,5 Volt angepasst.

Wer seinen PC später über das Netzwerk (Wake On LAN) starten möchte muss unter dem Reiter "Advanced" den Punkt "APM" auswählen und dort die Option "Wake on PME" aktivieren. 

Schlussendlich sollte kontrolliert werden, ob der richtige Datenträger für den Boot-Vorganmg gewählt ist, damit die Installation von Windows starten kann.

Die Installation des Betriebssystems ist in der Regel selbsterklärend und unterschiedet sich nur in der Wahl des Mediums: Egal ob ein USB-Stick oder eine Disk zum Einsatz kommt, die Reihenfolge ist stets gleich. Eine genaue Anleitung am Beispiel von Windows 8 ist unter diesem Link zu finden: Installation - Betriebssystem, Treiber und Software

Nachdem das OS erfolgreich aufgespielt und die nötigen Voreinstellungen getroffen wurden, gilt es die Treiber für das Mainboard zu installieren. Wir gingen immer in dieser Reihenfolge vor:

  1. Chipsatz-Treiber
  2. Grafik-Treiber
  3. Audio-Treiber
  4. LAN-Treiber
  5. Peripherie-Treiber
  6. Tools wie Asus Ai-Suite III

Danach führten wir das Windows Update durch, um das System auf den neusten Stand zu bringen. Anschließend erfolgte die Installation der weiteren Software.

Steuerung ganz ohne Maus und Tastatur

Nachdem das System vollständig aufgesetzt ist, kann sich um eine alternative Steuermöglichkeit gekümmert werden, die Maus und Tastatur unnötig macht. Gerade bei HTPCs sind kabelgebundene Eingabegeräte eher nervig und auch die Wireless-Ableger funktionieren nur eingeschränkt, da sich der passende Dongle meist auf der Rückseite der kleinen PCs befindet. Daher muss eine Lösung her, die die Position des Eingabegeräts unabhängig macht. Wir haben uns daher für die Ansteuerung über das Smartphone entschieden und mehrere kostenlose Apps ausprobiert. Wirklich überzeugen konnte unter Android allerdings nur die Anwendung Unified Remote, die gänzlich ohne Werbung auskommt. Die App beinhaltet mehrere nützliche Fernbedienungen, zu denen ein Maus- und Tastatur-Ersatz sowie Steuerungen für diverse Programme wie den VLC- oder Media-Player zählen.

Neben der App auf dem Smartphone muss unter diesem Link auch die passende Software für den PC heruntergeladen und installiert werden. Bei dem aufspielen des Programms ist unbedingt darauf zu achten, dass der Beta-Treiber ausgewählt wird. Ohne letzteren verliert der Maus-Cursor bei einem Benutzer-Pop-Up die Funktion und bleibt regungslos. Selbiges geschieht, sobald der Sperrbildschirm erscheint. Dies kann nur durch den Beta-Treiber umgangen werden.

Nach dem Abschluss der Installation kann das Programm auf dem PC konfiguriert werden. Wir schalten einige Optionen ab und tragen unsere MAC-Adresse ein, sodass wir die App auch für die Wake-On-LAN-Funktionen nutzen können. Dadurch lässt sich das System von jeder beliebigen Stelle in der Wohnung oder im Haus starten, sofern sich beide Geräte in demselben Netzwerk befinden. 

Unter dem Punkt "Power" stehen in der App einige Optionen wie Reset, Neustart, Abschalten, Ruhemodus und eben Wake On LAN zur Verfügung.

Die Steuerung erfolgt recht intuitiv und ist selbsterklärend. Dank Overlay-Funktion ist ein schneller Wechsel zwischen virtueller Tastatur und Maus möglich. Weil die Befehle auch fast Verzögerungsfrei übertragen werden, können wir mit der Steuerung sogar Games wie Age Of Empires (III) und Co. gemütlich von der Couch aus spielen.

Wie bereits erwähnt stehen auch Remote-Funktionen für diverse Media-Player bereit.

Die Vollversion von Unified Remote kostet im App-Store 3,49 Euro und bringt weitere Remotes mit sich. Die Investition lohnt sich auf jeden Fall, auch wenn die kostenlose Variante fast alle nötigen Aufgaben erfüllt. Passende Versionen für iOS, Windows Phone und Amazon-Geräte sind ebenfalls als Download erhältlich.

Nötige (Multimedia-)Software

Um den eben konfigurierten PC auch als Abspielgerät für Videos einsetzen zu können, wird wiederum Software nötig. Normale Filme im H.264-Format laufen aber nicht auf allen verfügbaren Media-Playern flüssig. Aus diesem Grund haben wir uns drei populäre Applikationen angeschaut und neben dem ausgegebenen Bild auch die Belastung des Systems angeschaut. Als Test-Video kam der Kurzfilm Big Buck Bunny in der H.264-Version zum Einsatz.

PlayerCPU-LastRAM-BelegungWiedergabe
Media Player Classic - HC5-17 Prozent1,3 GigabyteBild läuft flüssig
Media Player Standard5-14 Prozent1,2 GigabyteSpielt nicht alle Formate
VLC Media Player14-39 Prozent1,2 GigabyteBild ruckelt teilweise

Wie unser kleiner Test zeigt, eignet sich der Media Player Classic - Home Cinema am besten für das konfigurierte System, da zum einen alle gängigen Video-Formate abgespielt werden und dies zum anderen auch noch recht ressourcenschonend erfolgt. Der VLC Media Player kann aufgrund der teils ruckeligen Wiedergabe nicht überzeugen und nutzt zudem viel Leistung.

Bluray-Wiedergabe: Wer seinen PC als Bluray-Player verwenden möchte, ist auf ein kostenpflichtiges Programm angewiesen, um geschützte Disks abspielen zu können. Neben Arcsofts TotalMedia Theatre ist Cyberlinks PowerDVD eine der wenigen Lösungen am Markt. Wir haben uns für das letzt genannte Programm entschieden und uns die Ultra-Variante der aktuellen Version für knapp 80 Euro kaufen müssen, um später auch 3D-Blurays genießen zu können. Die rund 20 Euro günstigere Pro-Ausführung kann keine 3D-Wiedergabe. Für den Preis des genannten Programms lässt sich allerdings auch schon ein dedizierter Bluray-Player erwerben, der nicht ständig nach einer neuen Version verlangt.

Bei der Wiedergabe von The Amazing Spiderman 2 in 3D wurde der Prozessor mit 17 bis 31 Prozent wenig belastet, was zeigt, dass der Athlon 5350 mehr als genug Power bietet, um selbst hochauflösende Filme problemlos berechnen zu können.

Leistung

Der oben aufgeführte Test zu den verschiedenen Media-Playern zeigt deutlich, dass die Wiedergabe von Filmen und Full-HD-Streaming mit der gewählten APU in der Praxis mehr als zufriedenstellend funktioniert. Doch welche Leistung kann die Kabini-APU in Spielen erzielen? Um dies herauszufinden, haben wir ältere und aktuelle Games angezockt. Die folgende Tabelle zeigt einige doch recht akzeptable Ergebnisse:

SpielAuflösungDetail-Stufeavg. FPSmin. FPS
Age of Empires III1.920 x 1.080 PixelHoch38,1 fps25,0 fps
Crysis Warhead1.280 x 720 PixelPerformance43,8 fps31,3 fps
Bioshock Infinite1.280 x 720 Pixel
Very Low30,2 fps16,1 fps
Thief1.280 x 720 PixelVery Low10,1 fps4,5 fps
Far Cry 3800 x 600 PixelLow27,6 fps7,0 fps
Skyrim1.280 x 720 PixelLow31,9 fps27,0 fps

AMDs Athlon 5350 kann zwar wie erwartet keine aktuellen Titel in Full-HD mit hohen Details darstellen, schafft dies aber teilweise bei älteren Spielen wie Age Of Empires III. Auch DOTA und diverse andere solcher wenig aufwändigen Games sollten ruckelfrei über den angeschlossenen Bildschirm laufen können. Für Titel wie Skyrim oder Crysis Warhead reicht die APU mit kleinen Einschränkungen ebenfalls aus: 720p und minimale Details sorgen zwar für kein umwerfendes Bild, für einen kurzen Zeitvertreib sollte das Ergebnis aber ausreichen. Wer also eher Casual-Spiele konsumiert, ist mit dem Athlon 5350 gut bedient.

Temperatur und Lautstärke: Da wir aufgrund der engen Platzverhältnisse im IX-03B den Stock-Lüfter gegen ein schmaleres Modell tauschen mussten, ändert sich gegenüber der Boxed-Lösung das Temperatur- und Lautstärkeverhältnis: Der Standard-Lüfter konnte die APU im Flyer-Gehäuse bei 47 Grad Celsius unter Cinebech-Last recht kühl halten und mit rund 32,6 Dezibel das auch noch sehr leise bewerkstelligen. Der Noiseblocker-Fan benötigt aufgrund der geringen Bauhöhe mehr Umdrehungen und erzeugt demnach eine höhere Geräuschkulisse: Rund 38,6 Dezibel konnten wir aus 15 Zentimeter Entfernung messen. Die Temperatur steigt dabei auf maximal 59 Grad Celsius. Diese Werte klingen erst einmal recht hoch, allerdings lässt sich das System bei der Film-Wiedergabe nur in sehr leisen Sequenzen ausmachen. Die ermittelte Temperatur liegt zudem noch weit unter dem von AMD angegebenen Maximum von 90 Grad Celsius. Wer also ein fast unhörbares System kreieren möchte, muss auf ein Gehäuse wie das Chieftec FI-01B-U3 zurückgreifen.   

Leistungsaufnahme: Wie bereits unter dem Punkt "Datenträger" erwähnt wurde, benötigt das System mit einer sparsamen SSD wie der 840 EVO von Samsung unter Volllast weniger als 30 Watt. Noch weiter lässt sich der Verbrauch mit einem kleineren Netzteil senken. Im Netz kursieren Idle-Werte von unter 10 Watt und kaum mehr als 23 Watt bei voller Rechenleistung. Der Verbrauch geht also gemessen an der Leistung ebenfalls mehr als in Ordnung. Kommen allerdings mechanische HDDs zum Einsatz, steigt der Wert schnell um fünf bis zehn Watt.

Zusammenfassung

Dank AMDs Einsteiger APUs mit dem Codenamen "Kabini" lässt sich mit einem kleinen Budget von 200 bis 300 Euro ein wirklich ausreichend leistungsfähiges System für den Office- oder Multi-Media-Gebrauch erstellen, dass zudem für Casual-Gamer geeignet ist. Zusammen mit den passenden, platzsparenden Komponenten, kann ein kompakter PC mit allen nötigen Funktionen konfiguriert werden, der zudem nur wenig Strom aus der Steckdose zieht. Dabei muss allerdings bei der Auswahl der System-Teile auf bestimmte Faktoren geachtet werden, damit der Zusammenbau später nicht zur unnötigen Bastelei ausartet. Unsere Anleitung dürfte daher als tiefgründiger Anhaltspunkt dienen und durch die genannten Konfigurations-Beispiele eine aufwendige Teile-Suche ersparen. Auch unsere alternative Steuerung über das Smartphone unterbindet zusätzliche Kosten für Eingabegeräte und erlaubt ein bequemes Bedienen der selbstgebauten Media-Box.

Kommentare

Das Gehäuse ist zwar nett...aber das Netzteil + PicoPSU ist nicht so der Hammer.
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geschrieben am 22.09.2014 um 08:32 Uhr

Erstmal: Danke für die Anleitung, genau sowas habe ich gesucht.

Ich bin der Anleitung mit dem Chieftec IX-03B Gehäuse gefolgt und habe auch den schmaleren Lüfter verbaut. Als Festplatte habe ich ein 2,5 Zoll Kingston SSDnow V300 gekauft. Leider ist es so, dass die Platte den Lüfter ganz, ganz leicht berührt und der Lüfter deswegen summt. Habt ihr irgendwelche Tipps was ich da machen könnte? Bei der Samsung-Platte steht eine Dicke von 6,8 mm, bei der Kingston 7 mm. Wobei ich beim Vermessen auch eher leicht unter den 7 mm liege. Aber genau diese 0,2 mm könnten eventuell diesen Unterschied machen...

Edit:
Ich habe das jetzt fürs erste so gelöst, dass ich die festplatte von innen an der Außenwand festgeschraubt und diese Schiene für die Festplatten weg gelassen habe. :)

geschrieben am 19.04.2015 um 17:13 Uhr

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